Max Zettl (Michael Bully Herbig), der um jeden Preis Karriere machen will, ...
Mediensatire Zettl
Sieben Jahre ließ Helmut Dietl mit seinem neuen Film „Zettl“ auf sich warten. In der Fortführung seiner Erfolgsserie "Kir Royal" schickt Dietl Michael Bully Herbig als Klatschreporter Max Zettl in Berlin auf die Jagd nach Tratsch und Skandalen. Doch fehlt dem Film die erzählerische Bodenhaftung, die einer Satire erst den richtigen Schmiss gibt.
Max Zettl (Michael Bully Herbig) war lange Jahre der Chauffeur von Klatsch-Starreporter Baby Schimmerlos. Nach dessen Tod wittert er seine Chance auf eine eigene große Karriere in der schillernden Medienwelt. In Berlin avanciert Zettl zum Chefredakteur einer Online-Zeitung. Seine Geheimwaffen sind Gossip und Trash aus den Führungsetagen der Politik. Schließlich kommt Zettl einem handfesten Skandal auf die Spur.
Aberwitzige Verwicklungen
Wie zu erwarten, gibt es in Helmut Dietls Mediensatire „Zettl“ eine ganze Reihe aberwitziger Verwicklungen: Da nuschelt ein versoffener Kanzler (Götz George) unfassbare Lügen und stirbt dann einfach. Eine Berliner Bürgermeisterin (Dagmar Manzel) kämpft mit allen Mitteln für ihre Stadt. Tatsächlich ist sie aber ein Mann und wird sich später mit politischem Kalkül einer Geschlechtsumwandlung unterziehen.
Filminfo
Originaltitel: Zettl (D, 2012)
Regie: Helmut Dietl
Darsteller: Michael Bully Herbig, Ulirch Tukur, Harald Schmidt, Dieter Hildebrandt, Senta Berger
Länge: 109 Min.
FSK: o. A.
Kinostart: 02. Februar 2012
Und mittendrin Michael Bully Herbig, der hier mit naivem Charme in die Fußstapfen von Starreporter Baby Schimmerlos aus „Kir Royal“ tritt. Der wird übrigens in den ersten Minuten von "Zettl" zu Grabe getragen - Franz Xaver Kroetz wollte seine alte „Kir Royal“-Rolle nämlich nicht wieder übernehmen.
Nichts wirkt hier lebendig
Das Hauptproblem von "Zettl": All die Affären und Intrigen lassen den Film nicht lebendiger werden. Die Menschen wirken wie Schießbudenfiguren, die nicht einmal der Regisseur liebt. Alle Situationen karikieren eine Welt, die ohnehin nicht existiert. Warum also sollte sich der Zuschauer für ein Berlin interessieren, das wie New York sein möchte, mit Figuren, die jedes realen Bezugs entbehren?
Schon in Dietls Erfolgs-TV-Serie "Kir Royal" gab es diese Zuspitzungen, und doch passten die Münchner Bussi-Gesellschaft und der Klatschkolumnist Baby Schimmerlos irgendwie zusammen. Weiter noch, sie unterfütterten geradezu den Ruhm der Stadt München mit Charme und Schmäh. Helmut Dietl war hier zu Hause, er war Schickeria, Stenz und Filmemacher - in München. Da kannte er sich aus.
Schal
In „Zettl“ bleibt das schale Gefühl, Regisseur Dietl und sein Co-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre haben sich nur eine Welt vorgestellt, die verkommen, abgründig und hysterisch ist. Das Kino, das Dietl vielleicht vorschwebte, braucht mehr Zugang zur Wirklichkeit. Wäre Dietl doch in München geblieben, wir hätten mit großer Liebe Fortsetzungen seiner Filmkunst erwartet.

Wetter




