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Grandios gespieltes Melodram Young Adult

Eine Autorin mit übergroßem Ego und einem Alkoholproblem beschließt, ihren Jugendfreund aus seinem Eheleben zu retten. Der ahnt davon allerdings nichts. Das tragikomische Drama von Jason Reitman ("Up in the Air") feiert auf der 62. Berlinale seine Deutschlandpremiere und begeistert mit einer sensationellen Leistung von Charlize Theron.

Autor: Louis Vazquez Stand: 14.02.2012

Mavis (Charlize Theron) galt früher als die heißeste Braut an der Highschool. Entsprechend groß war schon immer ihr Selbstbewusstsein. Mittlerweile ist sie 37 und Autorin einer Trivialromanreihe über verliebte Teenager. Allerdings steht sie als Ghostwriterin noch nicht einmal auf den Buchdeckeln. Und nach einer Scheidung leidet sie gerade an einer Schreibblockade, versumpft in ihrer Wohnung und trinkt. Die Massenmail ihres Highschool-Ex-Freunds Buddy (Patrick Wilson), der über die Geburt seiner Tochter informiert, reißt sie aus ihrer Lethargie. Mavis macht sich auf den Weg in die heimatliche Kleinstadt, um Buddy zurück zu gewinnen und ihn als vermeintlich strahlende Retterin aus dem provinziellen Mief zu befreien.

In einer Bar begegnet sie aber zunächst Ex-Mitschüler Matt (Patton Oswalt), an den sie sich nur erinnert, weil er damals Opfer einer schwulenfeindlichen Attacke war und schwer gezeichnet wurde. Matt wird zum Trinkgefährten und versucht, Mavis ihre verrückte Idee auszutreiben ...

Zweiter Film des "Juno"-Teams

Filminfo

Originaltitel: Young Adult (USA, 2011)
Regie: Jason Reitman
Darsteller: Charlize Theron, Patrick Wilson, Patton Oswalt
FSK: ab 12 Jahre
Länge: 94 Min.
Kinostart: 23. Februar 2012

Nach dem Überraschungserfolg mit "Juno", der leichtfüßig und humorvoll von der ungeplanten Schwangerschaft einer Schülerin erzählte, ist "Young Adult" die zweite Zusammenarbeit von Regisseur Jason Reitman und Drehbuchautorin Diablo Cody. Nun könnte man ein Gagfeuerwerk erwarten, schließlich gäbe die Geschichte von "Young Adult" eine großartige Romantic Comedy ab. Doch der schwarzhumorige Film verdichtet sich zur tragischen Geschichte einer Demaskierung.

Grandios: Charlize Theron

Mavis verrent sich in ihren Wahn.

Charlize Theron beweist in ihrer vielleicht besten Rolle seit "Monster" einmal mehr, dass sie gerade abgründige Figuren facettenreich zum Leben erwecken kann. Hier gibt sie die arrogante Zicke, die unsensibel und taktlos agiert. Per Voiceover sind Passagen aus dem Roman zu hören, den sie schließlich doch zu schreiben beginnt: In der makellosen Heldin, die fürchtet, ihren Geliebten durch ihre Perfektion zu verschrecken, sieht Mavis sich selbst. Stets schwingt in Therons Spiel aber eine Traurigkeit mit, die die Zuschauer für diese so problematische Figur einnimmt.

Wie sie bei jeder Umarmung an Buddys Hals schnuppert, verrät ihre tiefe Sehnsucht nach einer längst vergangenen Vertrautheit. Gekonnt spielt der Film mit Selbst- und Fremdwahrnehmung und zeigt immer wieder, wie Mavis sich in Schale wirft: Maniküre, Pediküre, Schminken. Und doch weichen die bewundernden Blicke der Menschen zuletzt Befremden und Mitleid, als Mavis sich in ihren Wahn verrennt.

Hervorragend gelungen

Zum Glück hat es Diablo Cody bei allem Ernst nicht vergessen, pointierte Dialoge zu schreiben: Die spitzen Wortgefechte zwischen Mavis und Matt sind besonders gelungen. Wenngleich "Young Adult" die Zuschauer nicht so beschwingt aus dem Kino entlässt wie "Juno", ist Reitman und Cody wieder ein hervorragender Film gelungen. Und sein Soundtrack, der in einigen Szenen perfekt die 1990er Jahre beschwört, dürfte Nostalgiker aus der entsprechenden Generation besonders begeistern.