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Thriller nach Stieg Larsson Verblendung

Eine junge Hackerin und ein Journalist kommen einem Serienmörder auf die Spur. Nachdem Stieg Larssons Roman erstmals 2009 verfilmt wurde, wagt sich nun US-Regisseur David Fincher an den Bestseller, in den Hauptrollen Rooney Mara und "007" Daniel Craig. "Verblendung" ist für fünf Oscars nominiert.

Autor: Harald Steinwender Stand: 28.12.2011

Der schwedische Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) erhält von dem schwerreichen Industriellen Henrik Vanger (Christopher Plummer) den Auftrag, seine vor 40 Jahren verschwundene Großnichte Harriet zu suchen. Zur Seite steht Blomkvist dabei Lisbeth Salander (Rooney Mara), eine intelligente Computer-Hackerin, die mit der Gesellschaft im Dauerclinch liegt. Bald bemerkt das ungleiche Ermittlerteam, dass Harriet nicht die einzige Frau ist, die verschwand – offenbar sind sie einem Serienmörder auf der Spur.

Neuverfilmung eines Weltbestsellers

Die geniale Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) wird beauftragt, alles über den Journalisten Mikael Blomkvist herauszufinden.

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Stieg Larssons posthum veröffentlichte "Millennium"-Trilogie erstmals adaptiert wurde. Die schwedisch-europäischen Koproduktionen mit Noomi Rapace und Michael Nyqvist in den Hauptrollen waren zwar einer konventionellen Fernsehästhetik verhaftet, boten jedoch seriöses Spannungskino, das viele Fans der Vorlage zufrieden stellte. Wozu also eine Neuauflage aus Hollywood?

Der Großindustrielle Erik Vanger (Christopher Plummer) bittet Blomkvist (Daniel Craig), den Mord seiner Nichte genauer zu untersuchen.

Tatsächlich ist die zeitliche Nähe zu den ersten Verfilmungen das größte Manko von David Finchers neuerlicher Bestsellerverfilmung. Weltweit 15 Millionen Exemplare wurden von Larssons Romanen verkauft, die Kinofilme und ihre erweiterten Fernsehfassungen haben die Handlung und ihre Wendungen hinlänglich bekannt gemacht. Doch trotz der unvermeidlichen Déjà-vus und einer unangemessen pompösen Vorspannsequenz ist Fincher eine sehenswerte Neuinterpretation gelungen.

Eleganter und souveräner als die schwedische Filmfassung

Filminfo

Originaltitel: The Girl with the Dragon Tattoo (USA, 2011)
Regie: David Fincher
Darsteller: Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer
Länge: 158 Min.
FSK: ab 16 Jahre
Kinostart: 12. Januar 2012

Im Vergleich zu Niels Arden Oplevs "Verblendung"-Adaption ist Finchers Version eleganter, souveräner – und vor allem filmisch ästhetischer ausgefallen. Der Regisseur, der mit "Sieben" und "Zodiac" bereits zwei thematisch verwandte Thriller inszeniert hat, überhöht und stilisiert das Material mit elegant gleitenden Kamerafahrten und sorgfältig kadrierten Bildern. Die abgründigen Motive der Vorlage werden durch krasse Kontrapunkte verstärkt, zu denen etwa der zynische Einsatz von Enyas Popsong "Orinoco Flow" zur entscheidenden Konfrontation mit dem Serienmörder im weiß gekachelten Folterkeller zählt. Wie schon für "The Social Network" liefern Trent Reznor und Atticus Ross einen Filmscore, der die düstere Bildsprache kongenial ergänzt.

Starkes Ensemble

Blomkvist holt sich Lisbeth Salander als Assistentin ins Boot.

Das Schauspielerensemble ist hervorragend, allen voran Daniel Craig als zwischen Idealismus und Weltschmerz pendelnder Enthüllungsjournalist sowie Christopher Plummer und Stellan Skarsgård als Mitglieder der dysfunktionalen Industriellenfamilie. Die Entdeckung des Films aber ist Rooney Mara als Lisbeth Salander: fragil und stark zugleich, verletzlich und aggressiv, androgyn und sexy – eine rotzige Punkrockgöre, eine schwarz schillernde Gothic-Prinzessin, ein furioses "Riot Grrrl". Natürlich wird es diejenigen geben, die Noomi Rapace die Treue halten werden. Doch Rooney Mara ist die glaubwürdigere Inkarnation von Stieg Larssons rächender Kindfrau, ihr Spiel alleine lohnt den Kinobesuch.

David Finchers "Verblendung" ist ein düster-eleganter Thriller, der zeigt, wie gut professionell inszeniertes Hollywoodkino sein kann, wenn es sich auf seine erzählerischen Tugenden besinnt. Rooney Mara ist als "Beste Darstellerin" für einen Oscar nominiert. Außerdem geht "Verblendung" in den Kategorien "Beste Kamera", "Bester Schnitt", "Bester Tonschnitt" und "Beste Tonmischung" ins Rennen um einen Academy Award.