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Oscarnominiertes Drama The Descendants

Nach einem Unfall fällt die Frau von Matt King ins Koma. Fortan muss er sich um seine Töchter selbst kümmern. Nicht nur das treibt ihn an seine Grenzen. Alexander Paynes ("Sideways") Familiengeschichte wurde für insgesamt fünf Oscars nominiert, George Clooney geht dabei als "Bester Schauspieler" ins Rennen.

Autor: Louis Vazquez Stand: 24.01.2012

Matt King (George Clooney), ein Anwalt in Waikiki, muss sein Leben neu ordnen, weil seine Frau Elizabeth (Patricia Hastie) nach einem schweren Unfall im Koma liegt. Matt sieht sich plötzlich mit seinen beiden Töchtern konfrontiert, der zehnjährigen Scotty (Amara Miller) und der 17-jährigen Alex (Shailene Woodley). Sie sind ihm ziemlich fremd und alles andere als pflegeleicht.

Auf Matt wartet in Bezug auf seine komatöse Frau eine weitere böse Überraschung.

Erschwerend kommt hinzu, dass Matt treuhändisch den Grundbesitz seiner Familie verwaltet, die hawaiianische Wurzeln hat. Das unberührte Stück Land am Meer soll in Kürze an Investoren verkauft werden und Matt sowie seinen entfernten Cousins einen Geldsegen bescheren. Für Matt ist es auch ein historisches Erbe: Als Nachkomme von Hawaiianern hat er eine besondere Verantwortung für das ihm anvertraute Land. Dass die möglichen Käufer Hotels und Golfplätze bauen wollen, ist seinen Cousins egal, solange der Preis stimmt. Matt zweifelt – aber wenn der Verkauf platzt, verfällt der Grundbesitz. Bald kommen Geheimnisse ans Tageslicht, die die Situation noch komplizierter machen, als sie ohnehin schon ist.

Männer am Scheideweg

Filminfo

Originaltitel: The Descendants (USA, 2011)
Regie: Alexander Payne
Darsteller: George Clooney, Shailene Woodley, Beau Bridges, Robert Forster
Länge: 110 Min.
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 26. Januar 2012

Regisseur und Autor Alexander Payne hat sich nach "Sideways" sieben Jahre Zeit gelassen für seinen neuen Spielfilm. "The Descendants" basiert auf einem Roman der hawaiianischen Autorin Kaui Hart Hemmings und erzählt eine Geschichte, die für Payne typisch ist. Immer wieder präsentiert er Männer, die am Scheideweg stehen und deren bisheriges Leben in Trümmern liegt. Die wendungsreichen, pointierten Drehbücher zeugen von genauer Beobachtung und schicken ihre Helden oft auf eine Reise voll absurder Situationen. Auch diesmal müssen Matt und seine Töchter nicht nur zueinander finden, sondern sich bald auf eine Suche begeben und dabei ihre Beziehung zur Ehefrau bzw. Mutter überdenken.

Oscarverdächtig

"The Descendants" ist mit insgesamt fünf Oscarnominierungen ein fast sicherer Gewinner bei den Academy Awards. Alex Paynes Drama ist in den Kategorien "Bester Hauptdarsteller" (George Clooney), "Bester Film", "Beste Regie", "Bester Schnitt" sowie für das "Beste adaptiere Drehbuch" nominiert. Die Oscars werden am 26. Februar zum 84. Mal in Los Angeles vergeben.

Nicht in allen Teilen stimmig

Was passiert mit dem Land, für das Matt (George Clooney) die Verantwortung trägt?

Dieser Teil des Plots funktioniert ziemlich gut, weil Clooney und die beiden jungen Schauspielerinnen perfekt harmonieren und der Film nie ins banal Melodramatische driftet. Payne und Kameramann Phedon Papamichael gelingen oft wunderbar wortlose, visuelle Inszenierungen, die die gelegentliche Voiceover des Films umso überflüssiger erscheinen lassen. Der Erzählstrang um den Grundstücksverkauf dagegen wirkt ein wenig unausgegoren: Alles läuft auf eine Entscheidung im Finale hinaus. Aber weil Clooney eine zwar nicht perfekte, aber doch moralische Figur verkörpert, die längst nicht so ambivalent ist wie die Charaktere in Paynes früheren Filmen, ist das Ergebnis absehbar.

Trotz mancher Mängel ein sehenswerter Film

Trotz dieses Konstruktionsfehlers erweist Payne sich wieder als Regisseur, der seine Darsteller zu herausragenden Leistungen führen kann: Der kleinen Amara Miller merkt man nicht an, dass sie Amateurin ist. Und die im US-Fernsehen bereits erfolgreiche Shailene Woodley stiehlt ihrem Filmvater George Clooney sogar fast die Schau. Ein sehenswerter Film – aber ob es auch für den Oscar reicht?