Sophie Quinton im Interview "Ich war richtig in sie verliebt"
In "Who killed Marilyn?" spielt Sophie Quinton die Dorfschönheit Candice, die sich als Inkarnation Marilyn Monroes betrachtet und (angeblich) Selbstmord begeht.
Kino Kino: Wie würden Sie die junge Candice Lecoeur beschreiben, die sich als Inkarnation von Marilyn Monroe empfindet.?
Sophie Quinton: Sie ist ein junges Mädchen, das ihre Identität sucht und sich im Blick der anderen findet und das Leben einer sich selbst Fremden führt. Eine, die sich in Äußerlichkeiten verliert und glaubt, die Inkarnation von Marilyn Monroe zu sein. Sie mäandert im Niemandsland zwischen Realität und Traum.
Kino Kino: Mochten Sie die Figur?
Sophie Quinton: Unheimlich. Ich war am Ende der Dreharbeiten richtig in sie verliebt. Und ich wollte sie verteidigen, gegen jegliche Vorwürfe oder Anschuldigungen.
Kino Kino: Eine sehr fragile Person.
Sophie Quinton: Sie ist lebendig und charmant und dann plötzlich sehr unsicher und angreifbar. Sobald man etwas unter der Oberfläche piekt, fällt sie in sich zusammen wie ein Soufflé. Sie will geliebt sein und merkt nicht, dass die anderen sie nur benutzen. Ihre Naivität tat manchmal richtig weh.
Kino Kino: Ist Marilyn Monroe eine Ikone für Sie?
Sophie Quinton: Sie zählt zu den größten Stars des 20. Jahrhunderts. Eine tolle Frau, aber auch eine sehr einsame. Wenn man ihr Leben betrachtet, war sie doch ziemlich unglücklich. Sie wollte immer eine gute Schauspielerin sein, Charakterrollen verkörpern und wurde von den meisten doch nur als Sexsymbol angesehen. Das muss ziemlich frustrierend sein.
Kino Kino: Ist die Situation für eine junge Schauspielerin oder auch nur für eine Wetterfee wie Candice am Anfang etwas undurchschaubar? Besteht die Gefahr, auf falsche Freunde zu hören und zu setzen?
Sophie Quinton: In diesem Metier muss man sich immer genau informieren und darf nicht auf jeden Schmäh reinfallen. Es geht nicht darum, jedem mit Misstrauen zu begegnen, aber eine gewisse Vorsicht kann nicht schaden. Wenn man nur gefallen will, ist keine Karriere in Sicht, geht alles den Bach runter.
Kino Kino: Waren Sie zu Beginn Ihrer Karriere misstrauisch?
Sophie Quinton: Ich war vielleicht vorsichtig. Ich habe langsam am Straßentheater in Cherbourg angefangen und bin nicht kopflos ins kalte Wasser gesprungen. Schlechte Erfahrungen blieben mir erspart. Die Nominierung für den César als Beste Nachwuchsdarstellerin in Gilles Marchands "Wer tötet Bambi? – Wer hat Angst vorm Weißen Mann?" sorgte für Selbstbewusstsein.
Kino Kino: Fühlen Sie sich wohl, so wie es jetzt ist?
Sophie Quinton: Einigermaßen. Das Filmbusiness ist vielleicht für manche ein Haifischbecken und man kriegt ständig Warnungen und soll aufpassen, aber da spüre ich eine Leidenschaft, die weckt Neugier und Lust auf etwas Neues. Ich glaube, ich habe den Platz gefunden, den ich wollte.
Kino Kino: Und wo ist der?
Sophie Quinton: Ich weiß, dass ich im Film weitermachen und mit tollen Regisseuren zusammen arbeiten möchte. Mein Platz ist am Set, vor der Kamera.
Kino Kino: Nach zwei Kurzfilmen, ist dies der zweite Langfilm mit Gérald Hustache-Mathieu.
Sophie Quinton: Das ist einfach angenehm, mit ihm zu arbeiten, ich vertraue ihm. Natürlich werde ich auch mit anderen Regisseuren drehen, aber so ein Regisseur gibt mir Sicherheit. Ich fand es gut, dass er dieses nette Image von mir etwas zerschlagen und Abgründe gezeigt hat. Immer nur nett und naiv, ist langweilig.
Kino Kino: Was bietet man Ihnen nach "Who killed Marilyn" an?
Sophie Quinton: Ganz unterschiedliche Rollen. In "Une nuit" von Lucas Belvaux bin ich eine Frau, die in den 1960er Jahren vor den Augen vieler, in einem Viertel erst gequält und dann umgebraucht wird. Niemand kommt ihr zur Hilfe. Eine harte und düstere Geschichte. Der Zuschauer reagiert aber oft irritiert, wenn man die Schublade verlässt und nicht mehr so ist, wie er es gerne hätte oder gewohnt ist.
Kino Kino: Ich fand die Nacktszenen mutig. Aber hatten Sie keine Angst, sich pudelnackt vor der Kamera bewegen?
Sophie Quinton: Es braucht immer einen kleinen Anlauf, die Szenen sind delikat, aber sie passten in das Konzept der Gesamtgeschichte.
Kino Kino: Gibt es eigentlich eine starke Konkurrenz zwischen jungen Schauspielerinnen in Frankreich?
Sophie Quinton: Ich weiß nicht, jeder ist mit sich beschäftigt. Ich habe einige Schauspielerinnen als Freundinnen, da merke ich nichts von Konkurrenz.
Kino Kino: Sie sind Mutter von zwei Kindern, zwei Jungs. Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?
Sophie Quinton: Das Schöne an der Schauspielerei ist, dass man zwischen zwei Filmen viel Zeit hat. Wenn ich drehe, sind die Kids bei ihrem Papa, und sonst bin ich für sie da. Manchmal muss ich ihnen erklären, was ich überhaupt mache.
Kino Kino: Würde es sie interessieren, mal selbst einen Film zu drehen? Das versuchen eine ganze Reihe Ihrer Kolleginnen.
Sophie Quinton: Die Intention habe ich überhaupt nicht, das könnte ich einfach nicht. Diese ganzen Planungen und die technische Seite machen mir Angst.
Kino Kino: Aber welche Pläne haben Sie für die Zukunft, was sind Ihre Träume?
Sophie Quinton: Ich habe Lust auf Theater und auf Film, möchte mich aber nicht festlegen. Gerne würde ich mal mit Claire Denis arbeiten oder mit Dominik Moll, es gibt einige Regisseure, bei denen ich nicht Nein sagen würde. In meinem Beruf kann ich aber keine konkreten Pläne schmieden.
Kino Kino: Was bedeutet Erfolg und Ruhm für Sie?
Sophie Quinton: Erfolg heißt für mich Anerkennung für eine Leistung, bei der ich an die Grenzen gehe. Ich brauche diese Anerkennung, dann fühle ich mich bestätigt und kann weitermachen. Aber Erfolg ist relativ. Und ich bin auch nicht der Typ, der auf jedem Roten Teppich tanzt. Manchmal macht das Scheinwerferlicht Spaß, aber dann muss der Rückzug ins Private kommen, wo mich keiner beobachtet wie unter einem Brennglas. Ich glaube, ich gehöre zu denen, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen.

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