Drama Michael
Nach außen hin ist Michael ein ganz gewöhnlicher Bürger. Was niemand ahnt, Michael hält sich im Keller einen zehnjährigen Jungen als Sexsklaven. Beklemmendes Regiedebüt des Österreichers Regisseurs Markus Schleinzer.
Michael arbeitet in einer Versicherung, lädt seine Kollegen nach der Beförderung zum Umtrunk ein und geht mit ein paar Kumpels Ski fahren. Nichts Auffälliges. Seine Mutter hält ihn sogar für einen guten Sohn. Zu Hause hält er sich dagegen einen Zehnjährigen als Sexsklaven im Keller hinter einer großen verschlossenen Tür.
In der Gewalt eines Perversen
Manchmal darf der Junge beim Essen mit am Tisch sitzen, der perverse Mann spielt mit ihm Puzzle und lässt ihn auch mal Fernsehen, geht sogar mit ihm wie Vater und Sohn in den Streichelzoo. Oder Michael kauft seinem Opfer ein Weihnachtsgeschenk. Vor einem Supermarkt will er ein anderes Kind als "Spielkamerad" für den einsamen Gefangenen entführen und wird im letzten Moment daran gehindert. Jegliche Hoffnung zerbricht, als der Ausbruch des Opfers misslingt, der tödliche Unfall von Michael führt zur Katastrophe.
Ein höchst unbequemes Thema als Regiedebüt
Filminfo
Originaltitel: Michael (Ö, 2011)
Regie: Markus Schleinzer
Darsteller: Michael Fuith, David Rauchenberger, Christine Kain
Länge: 96 Min.
FSK: ab 16 Jahre
Kinostart: 26. Januar 2012
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, dass im Land von Natascha Kampusch und Joseph Fritzl dieses gesellschaftlich aktuelle Thema seinen Weg auf die Leinwand fand. Und dennoch findet man es widerwärtig, wenn der Täter nicht als Monster, sondern als ganz normaler Angestellter dargestellt wird. Regisseur Markus Schleinzer wählt eine in den Medien unbekannte Personenkonstellation und macht einen "Täterfilm", nimmt nur die Perspektive des Täters ein und verzichtet auf einen moralischen Impetus in der Beschreibung der letzten fünf Monate des unfreiwilligen Zusammenlebens - ein Martyrium für das Kind.
Emotionalität vermieden
Rituale der Normalität verdecken das Verbrechen. Die menschliche Tragödie vermeidet Emotionalität, da kullern keine Mitleid heischenden Tränen in Großaufnahme. Die Bilder bleiben kühl und distanziert - trotz einem Hauch von Humor in manchen Szenen oder der Hinwendung zum Thriller, wenn der gestörte Spießer gar auf "Spielgefährten"-Suche geht. Der sexuelle Missbrauch wird nur angedeutet, das wahre Grauen spielt sich im Kopf des Zuschauers ab.
Kühl und präzise wie ein Michael Haneke
Schleinzer, der als Casting Director u.a. auch für Michael Hanekes Filme "Die Klavierspielerin" und "Wolfszeit" tätig war und auch für das Kindercasting der BR-Koproduktion "Das weiße Band" verantwortlich zeichnete, inszeniert mit großem Stilwillen, großer Kälte und großer Genauigkeit. Er präsentiert das bedrückende Drama wie eine forensische Schau. Der Einfluss Michael Hanekes ist in seiner ganzen Unerbittlichkeit und Unbarmherzigkeitt zu spüren.
Polarisierend
Michael Fuith verkörpert die Mischung aus Bösewicht und Biedermann ohne jegliches Schuldgefühl perfekt. Wie der junge David Rauchenberger die Rolle verarbeitet, möchte man lieber nicht wissen. "Michael" polarisiert und hinterlässt trotz Verzicht auf eine explizite Darstellung des sexuellen Missbrauchs ein sehr unangenehmes Gefühl.

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