Gegensätze ziehen sich an - das beweist die Regisseurin Anne Fontaine mit ihrer Komödie "Mein liebster Albtraum", in der sie die Geschichte erzählt von ...
Komödie Mein liebster Alptraum
In Anne Fontaines Komödie ziehen sich Gegensätze an: Galeristin Agathe (Isabell Huppert) wohnt gegenüber vom Pariser Jardin Luxembourg, während Ex-Knacki Patrick (Benoît Poelvoorde) in einen Lieferwagen haust. Trotz unterschiedlicher Herkunft sind ihre Söhne die besten Freunde.
"Wieviele Schubladen braucht Madame für Ihre Höschen?". Eine impertinente Frage, aber typisch für den Kerl mit Hang zum Dosenbier, der die Dame mit Faible für Champagner zur Weißglut bringt. Sie wohnt schick mit Lebenspartner und Sohnemann gegenüber vom Jardin du Luxembourg, er haust mit Filius in einem Wohnwagen, sie leitet eine Galerie für Moderne Kunst, er jobbt und lebt von Vater Staat. Bei ihr herrscht im Bett Eiszeit, er zieht durch die Betten.
Bourgeoisie und Prekariat prallen aufeinander
Filminfo
Originaltitel: Mon pire cauchemar (F, 2011)
Regie: Anne Fontaine
Darsteller: Isabelle Huppert, Benoît Poelvoorde, André Dussolier
Länge: 102 Min.
Kinostart: 19. Januar 2012
Zwischen ihnen gibt es keine Verbindung, jedenfalls nicht im wahren Leben. Auf der Leinwand dagegen prallen die Gegensätze mit Wucht aufeinander. Nicht nur, dass sich die Kids anfreunden, der ungehobelte Unhold renoviert die riesige Wohnung, spornt sogar ihren feinsinnigen Gefährten und arrivierten Lektor zum Fremdgehen mit einer Vegetarierin an, für die ein lauer Hibiskustee anregender ist als ein alter Brandy. Bei Hochprozentigem nach einer Vernissage kommen sich dann die feine Madame und der rüde Macho näher, und bald gehen alle guten Vorsätze und Regeln flöten.
Anne Fontaine lässt soziale Barrieren verschwinden
Isabelle Huppert als mondäne Agathe muss sich nicht anstrengen, die bürgerliche Zicke zu spielen, die indigniert auf Benoît Poelvoorde als Superproll Patrick reagiert, der gerne einen über den Durst trinkt, auf vollbusige Damen steht, in jedes Fettnäpfchen tritt und als alleinerziehender Vater ziemlich Murks baut. Zwar ist von der ersten Sekunde an klar, dass die beiden sich nach einigen Turbulenzen finden, aber das WIE zwischen Bourgeoisie und Prekariat ist entscheidend. Und das inszeniert Anne Fontaine stürmisch wie einen Tornado, der alte Verhaltensweisen und soziale Barrieren einfach wegweht.
Figuren an Grenze zur Karikatur
Am Beginn steht wie bei einer guten kultivierten Komödie nicht die Lust, sondern die Abwehr, die sich in Leidenschaft wandelt. Auch wenn die beiden Figuren manchmal nah an die Grenze zur Karikatur geraten und jedes Vorurteil zu mehr als 100 Prozent erfüllen, schafft Fontaine die souveräne Grenzwanderung zwischen den Gegensätzen – die kontrollierte und ambitionierte Intellektuelle, der chaotische und sinnliche Bauchtyp.
Bunter Kessel aus Love-Story, Satire und Drama
Trotz aller Klischees dominiert eine ungewohnte Offenheit und Ehrlichkeit, beide im Innersten verletzliche Personen bleiben sich trotz aller Komik treu. Während bei Cédric Klapisch in "Mein Stück vom Kuchen" die da unten (in Belgien) und die da oben (in Fankreich) sich nur wie Tangenten berühren und wieder auseinanderdriften, gelingt hier die (Mes)Alliance. Huppert und Poelvoorde bilden mit André Dussolier als ausgebootetem Dritten in diesem bunten Kessel aus Love-Story, Satire, Drama eine fantastisches Trio Infernal.

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