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Filmbiografie Lincoln

Der Favorit bei den Oscars: Steven Spielbergs Film über den großen amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln ist insgesamt zwölfmal nominiert. Spielberg konzentriert sich in "Lincoln" auf die letzten vier Monate im Leben des Präsidenten.

Von: Margret Köhler Stand: 15.01.2013

Als Abraham Lincoln 1864 seine zweite Amtsperiode antritt, tobt noch der blutige Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten. Der Republikaner, der im Repräsentantenhaus über keine Mehrheit verfügt, will die Gunst der Stunde nutzen und das Gesetz zum Verbot der Sklaverei durchboxen. Und da ist jedes Mittel recht.

Bis zur finalen Abstimmung werden nicht nur seltsame Allianzen zwischen ideologischen Gegnern geschmiedet, sondern widerspenstige Abgeordnete der eigenen Partei auf Kurs getrimmt und einige demokratische Oppositionspolitiker mit Pöstchen und Positionen gelockt. Und viel schlimmer: Die Friedensverhandlungen mit den Föderierten werden in die Länge gezogen, was im blutigen Kampf noch einmal tausende von Menschenleben kostet. Und dass sein Sohn begeistert in den Krieg ziehen will, bringt Lincoln als Oberbefehlshaber und Vater obendrein in Gewissensnöte.

Facettenreicher Abraham Lincoln

Filminfo

Originaltitel: Lincoln (USA, 2012)
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Daniel Day-Lewis, Sally Field, David Strathairn, Tommy Lee Jones
Länge: 105 Min.
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 24. Januar 2013

Politik und Moral, das passt nicht so richtig zusammen, weder in der Gegenwart noch 1864/65. Und damals wie heute, muss man manchmal dem richtigen Abstimmungsergebnis manchmal etwas "nachhelfen". Dass Steven Spielberg hier den Finger auf die Wunde legt, damit ist zu rechnen. Er verzichtet auf das übliche umfassende Biopic mit einzelnen Stationen, stattdessen konzentriert er sich auf die letzten vier Monate im Leben des 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten bis zu dessen Ermordung.

Nach dem Drehbuch von Pulitzer-Preisträger Tony Kushner geht es ihm vor allem um die historische Wahrheit und um einen Mann in all seinen charakterlichen Facetten, auch den widersprüchlichen. Deshalb zeichnet er Lincoln in dieser akribisch aufgerollten Chronologie zwar als charismatische Ausnahmepersönlichkeit und klugen Kämpfer, aber auch als jemanden, der seine Ziele skrupellos durchsetzt und als nicht ganz so perfekten Vater und Ehemann.

Wink für den Präsidenten?

Tommy Lee Jones als Thaddeus Stevens

Großen Wert legt Spielberg auf Details. So wurde Lincolns  Büro bis zum Tapetenmuster originalgetreu rekonstruiert. In der kammerspielartig aufbereiteten spannenden Geschichtslektion, die allerdings etwas kürzer hätte sein können und am Ende leicht in Pathos abrutscht, setzt Daniel Day-Lewis in der Rolle des gewieften Taktierers ein schauspielerisches Highlight. An seiner Seite brilliert Tommy Lee Jones als einflussreicher Kongressabgeordneter.

Um Barack Obama nicht in die Quere zu kommen, startete der Film in USA erst nach den Wahlen. In Amerika interpretierten manche das Werk (mit großen Oscar-Chancen) auch als subtilen Wink an den wieder gewählten Präsidenten, nicht abgehoben im Politikolymp zu regieren, sondern sich in die Mühsal der Alltagspolitik zu begeben.


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