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Packender Debütfilm Kriegerin

David Wnendt, der für sein Debüt mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet wurde, erzählt die Geschichte der 20-jährigen hasserfüllten Marisa aus der ostdeutschen Provinz, die Teil einer rechtsextremen Clique ist. Ein Zwischenfall mit zwei jungen afghanischen Asylbewerbern ändert ihr Leben.

Autor: Kirsten Liese Stand: 09.01.2012

Marisa (Alina Leyshin) ist die "Kriegerin" - so hat sie ihr Großvater, ein unbelehrbarer Altnazi, immer schon als junges Mädchen genannt. Irgendwo in der ostdeutschen Provinz hängt sie mit Gleichgesinnten rum, die ihr Freund Sandro (Gerdy Zint) anführt. Die Neonazis lassen sich mit Alkohol volllaufen, grölen herum und nutzen jede Gelegenheit, um ihren Hass gegen die Gesellschaft auszuleben.

Nazifrau mit schlechtem Gewissen

Der Hass des weiblichen Skinheads Marisa (Alina Levshin) richtet sich gegen Ausländer, Schwarze und Politiker.

Bei einem ihrer Exzesse verprügeln sie asiatische Fahrgäste in einem Regionalzug. Ein anderes Mal fegt Marisa mit ihrem Auto zwei afghanische Asylbewerber von der Straße. Doch sie kehrt noch einmal zum Tatort zurück und stellt sich zum ersten Mal die Frage, ob sie vielleicht zu weit gegangen ist. Unterdessen stößt die 15-jährige Svenja (Jella Haase) zur Clique. Sie will den Zwängen ihres Elternhauses entfliehen und rutscht immer tiefer in den braunen Sumpf. Als Marisa erneut auf den 14-jährigen Rasul - eines ihrer Opfer - trifft, beschließt sie spontan, ihm zu helfen. Durch den Kontakt zu dem Jungen gerät Marisas Weltbild mehr und mehr ins Wanken. Sie erwägt den Ausstieg aus der Szene.

Abschlussfilm mit aktuellem Bezug

Filminfo

Originaltitel: Kriegerin (D, 2011)
Regie: David Wnendt
Darsteller: Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad, Gerdy Zint, Lukas Steltner
Länge: 106 Min.
FSK: ab12 Jahre
Kinostart: 19. Januar 2012

Mit seinem Abschlussfilm für die HFF Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg begibt sich Wnendt mitten hinein in die rechte Szene. Zu Beginn der Dreharbeiten konnte er noch nicht absehe dass "Kriegerin" einen Beitrag zu einem Thema leisten würde, das – nach den Ereignissen rund um die Zwickauer Terrorzelle – in Deutschland derzeit für viel Gesprächsstoff sorgt.

Präzise recherchierte Milieustudie

Mit dokumentarischer Schärfe zeigt seine erschütternde, profund recherchierte Milieustudie die Normalität von Rechtsextremismus in vielen Teilen Ostdeutschlands. Die Kamera ist dabei stets ganz nah dran am Geschehen, an schonungslosen Szenen von schockierender Brutalität, stimmungsvoll aufgeheizt mit aggressiven Neonazi-Liedern.

Herausragende Hauptdarstellerin

Zusammen mit ihrem Freund Sandro (Gerdy Zint) gehört sie einer rechtsextremen Clique an.

Getragen wird der Film von einem trefflichen Ensemble junger, weitgehend noch unbekannter Schauspieler, allen voran von der Ukrainerin Alina Levshin in der ambivalenten Titelrolle - sie wurde mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet. Levshin verkörpert diese Figur mit schockierender Härte, gibt ihr aber auch Züge von Verletzbarkeit, die subtil durch ihren rauen Panzer hindurch schimmern. David Wnendt ist ein bemerkenswerter, packender Debütfilm gelungen, ein ebenso hilfreicher wie provokanter Beitrag zu einer brisanten politischen Debatte.