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Klassiker-Verfilmung Jane Eyre

Charlotte Brontës Roman "Jane Eyre" über Lieben und Leiden des Waisenkindes Jane von 1847 gehört zu den erfolgreichsten Werken der Weltliteratur. Regisseur Cary Fukunaga ("Sin Nombre") hat den Stoff fürs Kino neu adaptiert.

Autor: Gregor Wossilus Stand: 07.11.2011

Nachdem ihre Kindheit von fehlender Liebe, Misshandlungen und Ungerechtigkeit geprägt war, tritt die Waise Jane Eyre (Mia Wasikowska) eine Stelle als Hauslehrerin im Herrenhaus Thornfield an. Ihr Arbeitgeber, der ebenso charismatische wie widersprüchliche Edward Rochester (Michael Fassender) begegnet ihr kühl.

Jane Eyre (Mia Wasikowska) und ihr Hausherr Rochester (Michael Fassbender) verlieben sich ineinander.

Tatsächlich ist er aber von Janes resolutem Wesen gepaart mit ihrer offensichtlichen Intelligenz und einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein fasziniert. Er hat in ihr eine Seelenverwandte entdeckt. Entgegen jeder Konvention macht er Jane schließlich einen Heiratsantrag. Doch die Hochzeitszeremonie wird jäh unterbrochen. Jane erfährt, dass Edward ein schreckliches Geheimnis hütet, das ihr zukünftiges Glück für immer zu zerschlagen droht.

Für Nichtkenner des Romans schwierig

Filminfo

Originaltitel: Jane Eyre (GB, 2011)
Regie: Cary Fukunaga
Darsteller: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Dame Judi Dench, Sally Hawkins, Jamie Bell
Länge: 120 Min.
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 01. Dezember 2011

Regisseur Cary Fukunagas Neuinterpretation des weltberühmten Romans behandelt bestenfalls zwei Drittel der Vorlage. Fukunaga konzentriert sich vor allem auf die Liebesgeschichte zwischen Jane und Edward Forrester. Janes freudlose Kindheit, die ihren Charakter formte, sowie ihren Drang auf Selbstbestimmung und stete Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit und Familie entscheidend nährte, all dies wird in Rückblenden mehr oder weniger nur gestreift. Für Kenner des Romans mag das zu verschmerzen sein. Doch "Jane Eyre"-Neulinge könnten sich hier etwas verloren fühlen.

Fordernd und grandios gespielt

Haushälterin Fairfax (Dame Judi Dench) warnt Jane Eyre - Hausherren heiraten für gewöhnlich nicht ihre Angestellten.

Da ist es nicht immer von Vorteil, dass Fukunagas entschleunigte Inszenierung sich über eine Stunde Zeit lässt, um zur Entfaltung der Liebesgeschichte vorzudringen. Beim Zuschauer ist Geduld gefordert, da er die Gründe für Janes resolutes, aufbegehrendes Wesen nicht sofort belegt findet und ihr Charakter so nicht gleich greifbar wird. Das herausragende Spiel von Jane-Darstellerin Mia Wasikowska tröstet allerdings darüber hinweg - man schaut Wasikowska gern zu. Das gilt auch für ihren Kollegen Michael Fassbender: Er beweist Mut und Vielseitigkeit, riskiert mit seinem von Grimmigkeit geprägten Spiel, dass der Zuschauer Edward schlichtweg als unsympathischen Mann abstempelt, um dann Edwards Zerbrechlichkeit und Schmerz ganz leise aufleuchten zu lassen.

Wunderbar schmermütig

Grandiose Hauptdarsteller: Michael Fassbender und Mia Wasikowska

Neben der guten Führung seiner Darsteller ist es Regisseur Fukunaga gelungen, sowohl die Härte und Entbehrungen von Jane Eyres Zeit erfahrbar zu machen. Fukunaga schildert die Langeweile der herrschenden Klasse, ihre Grausamkeit als auch der Unterschichten Hoffnungslosigkeit einer quasi ereignislosen Existenz zu reichen Gönners Gnaden. Düsterkeit und Schwermut dominieren inhaltlich und visuell, perfekt untermalt von der stimmigen Filmmusik von Dario Marianelli. Eine insgesamt fazinierende Neu-Adaption einer immer noch aufregenden Geschichte.