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Politikerporträt J. Edgar

Regisseur Clint Eastwood zeichnet den Lebensweg des FBI-Gründers John Edgar Hoover nach. "Inception"-Star Leonardo DiCaprio brilliert in der Rolle des egozentrischen Staatsmannes, der Zeit seines Lebens mit seinen rauen Methoden polarisierte.

Autor: Margret Köhler Stand: 12.01.2012

J. Edgar Hoover, Chef des Federal Bureau of Investigation (FBI) gehörte über 50 Jahre zu den mächtigsten Männern Amerikas. Er erlebte die bolschewistischen Attentate im Jahre 1919 in Amerika, seitdem waren die Kommunisten für ihn keine Partei, sondern eine Krankheit, die er ausrotten wollte.

Hoovers Memoiren

Hoovers Mutter prophezeite ihm eine erfolgreiche Zukunft ...

Der Film beginnt in den 1970er Jahren, Hoover am Ende seiner beruflichen Laufbahn und seines Lebens. Um seinen Platz in der Geschichte zu sichern und sein Lebenswerk für die Nachwelt zu erhalten, diktiert er einem Biographen seine Memoiren in die Maschine, beginnend mit den 1920er Jahren, als seine Mutter ihm  schon eine große Zukunft versprach. Weil der Vater es nicht nach ganz oben schaffte, soll er die Familie reich und berühmt machen. Mit Anfang 20 trat er in den Dienst des FBI, das damals nur Bureau of Investigation hieß.

Kämpfer für Recht und Ordnung

Filminfo

Originaltitel: J. Edgar (USA, 2011)
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Dame Judi Dench, Armie Hammer, Josh Lucas
Länge: 106 Min.
FSK: ab12 Jahre
Kinostart: 19. Januar 2012

Schnell stieg er zum Direktor auf und festigte sein Image als unerbittlicher Kämpfer für Recht und Ordnung und gegen das Verbrechen. Er klärt den spektakulären Entführungsfall des Lindbergh-Babys auf, überführt Gangster wie den berühmten John Dillinger und verschaffte sich das Image eines G-Man (der aber immer noch bei der Mutter wohnte) und modernisiert die kriminalistische Spurensicherung. Um ihn herum gab es keine Getreuen, er traut nur seiner Sekretärin Helen Gandy, der er zu Beginn einen folgenlosen Antrag macht, und seinem Mitarbeiter Clyde Tolson, den er zum Vize-Direktor beruft und jeden Tag mittags und abends zum Essen trifft.

Die homoerotische Verbindung wurde bis zum plötzlichen Tod Hoovers 1972 nie richtig ausgelebt. Am Ende realisiert Hoover, dass die Zeit über ihn hinweggeht; während die Bürgerrechtsbewegung triumphiert und liberale Bewegungen Zuwachs erhalten, hält er den Rassismus und Kommunistenhass der Vergangenheit hoch.

Eastwoods Porträt eines Machtmenschen

J. Edgar Hoover arbeitete mit Anfang 20 beim FBI.

Clint Eastwood lässt in farbengesättigtem Look 50 Jahre Revue passieren, wirft einen spannenden Blick auf das private und öffentliche Leben eines Machtmenschen, der sich zunehmend isolierte und unter Paranoia litt, geheime Akten über Politiker anlegte und skrupellos seine Meinung durchsetzte. Das Porträt eines Mannes, der sich mit dem Taschentuch nach einem Händedruck die Finger abputzt, unliebsame Mitarbeiter gnadenlos feuerte, sich gerne mit Damen aus der glamourösen Filmwelt umgab und gleichzeitig seine Homosexualität verbarg, dabei die Fahne der Moral hochhielt, beeindruckt durch Widersprüchlichkeit und durch differenzierte Zeichnung.

Zuviele Zeitwechsel und Ungereimtheiten

Der ständige Wechsel von Zeitebenen macht es anstrengend, dem Handlungsfaden zu folgen, auch manche Ungereimtheiten (z.B. der Anruf nach dem Attentat auf John F. Kennedy bei dessen Bruder Robert) erleichtern nicht gerade das Verständnis. Wer sich nicht in der Politik dieser sich über Jahrzehnte hinstreckenden Epoche auskennt, tut sich schwer.

Oscar für Leonardo DiCaprio?

Seine homoerotische Verbindung zu Clyde Tolson wurde bis zu seinem plötzlichen Tod 1972 nie richtig ausgelebt.

Leonardo DiCaprio, der die Titelfigur von der Jugend bis ins hohe Alter verkörpert, gibt der schillernden und in sich zerrissenen Persönlichkeit ein Gesicht und in manchen Momenten auch einen Hauch von Menschlichkeit. Ein "Oscar" sollte für diese superbe Leistung in Reichweite sein. Naomi Watts als ergebene Sekretärin, Dame Judi Dench als dominante Mutterfigur und Armie Hammer als sein Protégé und einziger Freund komplettieren das außergewöhnlich starke Ensemble. Ein Stück amerikanischer Geschichte.