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Großes Familienkino Hugo Cabret

In den 1930er-Jahren lebt der Waisenjunge Hugo ganz auf sich allein gestellt in einem Pariser Bahnhof. Als er einem alten Spielwarenhändler begegnet, kommt er einem Geheimnis auf die Spur. Martin Scorsese inszeniert mit seinem mit fünf Oscars ausgezeichneten, in 3D gedrehten Kinderfilm eine Hommage an das frühe Kino.

Autor: Harald Steinwender Stand: 31.01.2012

Nach dem Tod seines Vaters (Jude Law) wird der zwölfjährige Hugo Cabret (Asa Butterfield) von seinem Onkel Claude (Ray Winstone) aufgenommen. Für diesen wartet er die Uhren des Pariser Bahnhofs Montparnasse und lebt in dem von Gängen durchzogenen Gewölbe des alten Gebäudes. Als sein Onkel spurlos verschwindet, führt Hugo dessen Arbeit heimlich weiter. Eines Tages begegnet er einem alten Spielwarenhändler (Ben Kingsley), der Hugo das Notizbuch seines Vaters abnimmt. Um das Erinnerungsstück zurückzubekommen, muss der Junge sein Versteck im Bahnhof verlassen. Dabei kommt er einem großen Geheimnis auf die Spur.

Liebeserklärung an das Kino

Hugo (Asa Butterfield) in seinem Zuhause: dem Pariser Bahnhof hinter den Zifferblättern der Bahnhofsuhren

Marin Scorsese zählt nicht nur seit 40 Jahren zu den bedeutendsten Filmregisseuren unserer Zeit, er besitzt auch ein nahezu enzyklopädisches Filmwissen. Seine Leidenschaft für das Kino hat der 69-jährige Filmemacher schon oft bewiesen: mit Dokumentarfilmen über italienische und US-amerikanische Filmgeschichte, auch durch unzählige Anspielungen an von ihm verehrte Regisseure, die seine Filme durchziehen.

Filminfo

Originaltitel: Hugo (USA, 2011)
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Sir Ben Kingsley, Asa Butterfield, Chloë Grace Moretz, Sacha Baron Cohen
Länge: 126 Min.
FSK: ab 6 Jahre
Kinostart: 09. Februar 2012

Mit "Hugo Cabret", seinem 22. Spielfilm, hat Scorsese nun eine Liebeserklärung an das Kino als Illusionsmedium inszeniert. Denn die Entdeckungsreise führt den jungen Hugo zu Georges Méliès, einem bedeutenden Protagonisten des frühen Films, der nach dem Scheitern seiner Karriere in den 30er-Jahren tatsächlich in einem Spielzeugladen der Metrostation Montparnasse arbeitete.

Ein Novum in der Karriere des Martin Scorsese

Welch Geheimnis hütet der alte Spielzeughändler (Sir Ben Kingsley) mitten im Bahnhof?

"Hugo Cabret" ist in zweifacher Hinsicht ein Novum in Scorseses Karriere: Er ist Scorseses erster 3D-Film. Und er ist der erste Film dieses Regisseurs, der als Chronist des rauen Straßenlebens und der urbanen Gewalt berühmt wurde, den man sich vorbehaltslos mit der ganzen Familie ansehen kann. Gegenüber Brian Selznicks Vorlage "Die Erfindung des Hugo Cabret", einer Mischung aus Comic, Bilderbuch und Roman, hat Scorsese Figuren wie den verbitterten Stationspolizisten abgemildert, den Sacha Baron Cohen als liebenswerten Tölpel spielt. Die brillant choreografierten Slapstick-Szenen, die ausgezeichneten Kinderdarsteller sowie Gastauftritte von Schauspielern wie Jude Law und Christopher Lee sind gleichermaßen auf ein junges Publikum wie Erwachsene ausgerichtet.

Rauschhaft schön

Hugo Cabret (Asa Butterfield) und sein Vater, ein Erfinder (Jude Law)

In erster Linie ist "Hugo Cabret" aber ein rauschhaft schöner Film, der sich ganz auf die visuelle Kraft des Kinos verlässt. Scorsese und seinem Kameramann Robert Richardson gelingt es, das 3D-Format tatsächlich als erzählerisches Element einzusetzen. Wie zuvor nur James Camerons "Avatar", erweitert "Hugo Cabret" den filmischen Raum in eine bislang nicht gesehene Tiefe, die sich der Perspektive des kindlichen Helden annähert. Tanzende Schneeflocken, Rauch, Dampf und Nebel verleihen den in Komplementärfarben gehaltenen Bildern Plastizität. Die Räume, darunter ein labyrinthisch verästeltes System von Gängen im Gewölbe des Bahnhofs und eine wie in die Unendlichkeit erweiterte Bibliothek, sind schlicht atemberaubend.

Filmgeschichte unterhaltsam vermittelt

Großes Kino mit den Augen eines staunenden Kindes erzählt: "Hugo Cabret" mit Asa Butterfield und Chloë Grace Moretz als Hugo und Isabell

Bereits die Exposition, in der die entfesselte Kamera durch das wuselige Treiben des Bahnhofs schwebt, rechtfertigt den Kinobesuch. Und wenn Scorsese die Filme Méliès', darunter den handkolorierten Science-Fiction-Film "Die Reise zum Mond" von 1902, zu neuem Leben erweckt, dann gelingt es ihm tatsächlich, Filmgeschichte einem großen Publikum zu vermitteln und zugleich bestens zu unterhalten.