Bayerisches Fernsehen - Kino Kino

Drama von Steven Spielberg Gefährten

Die Freundschaft zwischen dem jungen Albert und seinem braunen Hengst Joey könnte nicht inniger sein. Doch der Erste Weltkrieg trennt beide, als das Pferd zum Kriegsdienst an die Front geschickt wird. Für das Tier beginnt eine abenteuerliche Odyssee. Opulente Adaption von Michael Morpurgos Kinderbuch "Schicksalsgefährten".

Autor: Gregor Wossilus Stand: 23.01.2012

Als sein Vater den brauen Hengst Joey für die Feldarbeit auf seiner Farm kauft, ist es für seinen Sohn Albert (Jeremy Irvine) Liebe auf den ersten Blick. Er pflegt und trainiert das Tier, Joey wird Alberts bester Freund. Doch dann bricht der Erste Weltkrieg los, und das Pferd wird zum Kriegsdienst herangezogen.

Für Joey beginnt eine ebenso aufregende wie qualvolle Odyssee über europäische Schlachtfelder. Albert, für den Kriegsdienst eigentlich zu jung, macht sich auf eigene Faust auf nach Frankreich, um seinen Freund wiederzusehen.

Steven Spielbergs Schmalzoper

Hengst Joey erlebt den Schrecken des Krieges hautnah mit.

Diese Geschichte von der innigen Freundschaft zwischen Mensch und Tier mag im zugrundeliegenden Kinderbuch "Schicksalsgefährten" von Michael Morpurgo funktionieren. Auf der Leinwand verkommt "Gefährten" zur pathetischen Schmalzoper, die man zwar dem Studio Disney, nicht aber einem Regisseur wie Steven Spielberg zugetraut hätte. Der Macher solch unterschiedlicher Kinoklassiker wie "Jäger des verlorenen Schatzes" oder "Schindlers Liste" hat längst bewiesen, wie gut er eine spannende Geschichte erzählen kann. Umso mehr verblüfft, wie unausgegoren seine jüngste Regiearbeit geraten ist: "Gefährten" schwankt zwischen Familiendrama, Antikriegsfilm und Tierfabel und ist nichts wirklich. Episodenhaft wechselt Pferd Joey Besitzer und Fronten, nur, die Geschichten fließen nicht ineinander.

Gekonnt inszeniert

Filminfo

Originaltitel: War Horse (USA, 2011)
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Jeremy Irvine, Niels Arestrup, David Kross, David Thewlis, Emily Watson, Peter Mullan
FSK: ab 12 Jahre
Länge: 147 Min.
Kinostart: 16. Februar 2012

Gewiss: Steven Spielberg weiß immer noch, wo er seine Kamera aufstellen muss, um ebenso unvergessliche wie mitreißende Szenen auf die Leinwand zu bringen. Es gibt beeindruckende Schwenks über kriegsverwüstete Felder, die das grausige Geschehen des Ersten Weltkriegs greifbar machen. Auch drückt der Film mehrfach wirkungsvoll auf die Tränendrüse, wenn Pferd Joey ein weiteres Mal einen guten Besitzer verliert und noch schwerere Unbill als vorher ertragen muss. Visuell ist “Gefährten” gelungen.

Frontkitsch und nervige Filmmusik

Doch frönt Spielberg ungebremst dem Frontkitsch: Das Pferd verheddert sich im Stacheldraht der Schützengräben. Die gegnerischen Seiten lassen für einen kurzen Moment die Waffen ruhen und befreien das Tier mit vereinten Kräften. Eine derart triviale, rührselige Metapher für Frieden hat man im Kino lange nicht mehr gesehen.

Nicht alle von Joeys Besitzern im Krieg sind so mitfühlend wie dieser Soldat.

Unerwartet nervig ist auch die Filmmusik von Spielbergs Hofkomponist John Williams ("Star Wars", "Der weiße Hai", "E.T."): Der Altmeister hat wirklich jede noch so kleinste Körperregung des Pferdes musikalisch kommentiert. Nicht genug damit, jede dramatische Wendung erstickt in einer breiten Streichersoße, die sich dem Zuschauer unaufhaltsam ins Ohr frisst und die gewünschte Emotion übers Maß forciert. Selten wurde in einer Hollywood-Großproduktion tatsächlich jede Szene so gnadenlos zugedudelt. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Zuschauer bereits nach einer Stunde inständig hofft, das 147-Minuten-Epos möge endlich zu Ende gehen.