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Deutscher Oscar-Kandidat Pina

"Pina", Wim Wenders' erster Dokumentarfilm in 3D, ist die bildgewaltige Hommage an die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, die 2009 während der Vorbereitungen auf den Film starb. Wim Wenders gelang es höchst eindrucksvoll, Bauschs Tanzkunst dreidimensional zu archivieren. Pina geht für Deutschland ins Rennen um den Dokumentafilm-Oscar.

Autor: Thilo Wydra Stand: 10.10.2011

Wie stellt man es an, einen Film über etwas zu machen, das so flüchtig ist wie das Theater, wie das Tanztheater auch? Eine Kunst, die im Moment nach ihrer Aufführung bereits wieder verflogen ist. Eine vollkommen momentbezogene Kunst. Pina Bausch, die renommierte deutsche Choreographin, Jahrgang 1940, und Wim Wenders, der renommierte deutsche Filmregisseur, Jahrgang 1945, lernten sich bereits 1985 kennen, in Venedig, nach einer Tanzaufführung. Eine Freundschaft entstand. Seither schwebte der lose Plan im Raum, einmal einen Film über ihr Wuppertaler Tanztheater zu machen, filmisch festzuhalten, was so flüchtig ist. Zu dokumentieren, um festzuhalten. Einem Archiv gleich.

Zweidimensional nicht adäquat

Wim Wenders' 3D-Tanzdoku zeigt vier ausgewählte Stücke: "Café Müller" sowie ...

Wim Wenders wusste über lange Zeit nicht, wie dies gelingen könnte, wie all die Tanzbewegungen mit der Kamera festzuhalten wären, all die Mimik und Gestik, die Sprache und Bewegung, die Musik und die Tonalitäten. Wenders sah kein geeignetes Medium dafür. Denn Film, ob nun auf der großformatigen Leinwand oder dem kleinformatigen Bildschirm, Film wird stets nur zweidimensional wiedergegeben. Etwas, was er für Pina Bauschs Tanzkunst als nicht adäquat betrachtete.

Preisgekrönt und preisverdächtig

Es ist ein Triumph für Regisseur Wim Wenders: Seine 3D-Produktion "Pina" geht in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" ins Rennen um die Oscars. Der Academy Award wäre die Krönung einer ganzen Reihe Auszeichnungen, die Wenders' Hommage an das Schaffen von Pina Bausch bereits gewonnen hat: Im April 2011 gabs den Deutschen Filmpreis in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" sowie einen Monat später in Ludwigsburg den 2. Deutschen Dokumentarfilmpreis. Außerdem wurde "Pina" der Gilde-Filmpreis als bester Dokumentarfilm verliehen. Regisseur Wim Wenders erhielt zudem den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises 2011. Die Oscars werden am 26. Februar zum 84. Mal in Los Angeles vergeben.

Pina Bausch stirbt unerwartet

... "Le Sacre du printemps", "Vollmond" und "Kontakthof".

Bei der Premiere des digital produzierten 3D-Konzertfilms "U2 – 3D" der irischen Rockband U2 auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes kam Wenders die zündende Idee: 3D ist das richtige Medium für den seit Jahren geplanten Tanz- und Musikfilm über und mit Pina Bausch. Die Vorbereitungen beginnen, Pina Bausch wählt vier Stücke aus dem Repertoire aus – "Café Müller", "Le Sacre du printemps", "Vollmond" und "Kontakthof" – und setzt diese wieder auf den Spielplan der anstehenden Spielzeit 2009/2010. Dann stirbt sie, am 30. Juni 2009, urplötzlich und unerwartet. Ein Schock geht durch das Wuppertaler Ensemble, Wim Wenders stoppt umgehend die Produktionsvorbereitungen des 3D-Films. Doch das trauernde Ensemble möchte diesen Film, möchte ihn, auch wenn er nun nicht mehr mit Pina Bausch sein kann, so doch für sie.

Hommage an Tanzkunst

DVD-Info

Originalitel: Pina (D, 2011)
Regie: Wim Wenders
Länge: 99 Min.
FSK: ab 12 Jahre
DVD-Start: 20. September 2011

"Pina" – das offenbart allein schon der Titel – ist denn auch eine Hommage an die Choreographin, an ihre Tanzkunst, an ihr Wuppertaler Ensemble. Wenders' Film, auf der diesjährigen Berlinale uraufgeführt, zeigt die vier ausgewählten Stücke, die das Ensemble neu aufführt, zeigt einige wenige dokumentarische Aufnahmen und zeigt die einzelnen Tänzer, in nahen Studio-Porträt-Aufnahmen sich an Pina erinnernd, sie assoziierend, über sie sinnierend, sowie einzelnen Tanzsequenzen in den Straßen Wuppertals, in, auf, unter der Schwebebahn dort oder anderswo. Diese drei Elemente verwebt Wenders miteinander zu einem Ganzen.

Kontemplativ und leise

Die Kreation des Tanzes in aller Lebendigkeit eingefangen: "Pina"

Und, trotz all der Musik und der Bewegung und auch der Trauer noch in den Gesichtern des Tanzensembles – "Pina" ist ein ganz ruhiger, ganz stiller, ganz leiser Film geworden. Unaufgeregt, weit weg von allem Lauten und Schrillen und Bunten. Teilweise hat dieser Tanzmusikdokumentarfilm geradezu etwas Kontemplatives, etwas, das zum Verweilen einlädt, zum Abschalten von allem Treiben da draußen in der modernen schnelllebigen Welt. "Pina", das ist – natürlich – eine Liebeserklärung an die verstorbene Choreographin und letztendlich auch die von ihr selbst gewünschte Archivierung ihrer Tanzkunst, deren Festhalten, Abbilden, Dokumentieren. Greifbar sogar. Ganz plastisch. In 3D. Vielleicht hätte sie es sich ja so gewünscht?!