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Psychodrama Die Unsichtbare

Eine junge unscheinbare Schauspielerin bekommt die große Chance, in einem Thearterstück als weiblicher "Vamp" die Hauptrolle zu spielen. In der Folge gelangt sie physisch wie psychisch an ihre Grenzen. Stark gespieltes Drama von Christian Schwochow.

Autor: Margret Köhler Stand: 27.01.2012

Die junge Josephine (Stine Fischer Christensen) muss mit dem für eine Schauspielerin vernichtenden Urteil leben, unsichtbar zu sein. Ihre Lehrer nehmen sie nicht ernst - Josphine hat einfach zu wenig Ausstrahlung. Nur wenn ihre geistig behinderte Schwester nachts mit dem Kopf gegen die Wand knallt, bricht Josephine heraus aus ihrem Kokon und bringt die Kleine mit Gesang, Spiel und Tanz zur Ruhe.

Eine Hauptrolle wird Joesphines Leben für immer verändern. Und das nicht zum Besten.

Beim Vorsprechen für eine kleine Nebenrolle entdeckt ein bekannter Regisseur die Verletzbarkeit und die Abgründe hinter der unauffälligen Fassade. Er engagiert das schüchterne Mädchen für die Hauptrolle eines männermordenden Vamps, für den Sex "wie Kuchenessen ist". Mehr und mehr verfällt Joesphine dem Theatermacher und lässt sich manipulieren, streunt mit blonder Perücke durch die Stadt und macht Männer an. Sie gewinnt an Selbstbewusstsein und taucht gleichzeitig ein in eine Welt der Selbstzerstörung,  der sie nur durch einen radikalen Befreiungsschlag entkommen kann.

Psychologisches Drama à la "Black Swan"

Filminfo

Originaltitel: Die Unsichtbare (D, 2011)
Regie: Christian Schwochow
Darsteller: Stine Fischer Christensen, Ulrich Noethen, Dagmar Manzel
Länge: 113 Min.
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 09. Februar 2012

Das Streben nach Perfektion zu verfilmen - nach dem Oscar-Gewinner "Black Swan" mit Natalie Portman über eine Ballerina, der ihr eigener Perfektionismus zum Verhängnis wird, liegt die Latte hoch. Davon lässt sich Regisseur Christian Schwochow nicht einschüchtern: Nach seinem Debuterfolg "Novemberkind" geht er das Thema mutig an und setzt auf die traditionelle Karte des fanatischen Regisseurs, der seine gehorsame Elevin gnadenlos an die Grenzen und darüber hinaus treibt. Das psychologisch komplizierte Drama spielt vorwiegend in dunklen Räumen und beklemmender Atmosphäre als Spiegelbild innerer Mauern und verbindet zwei Angst besetzte Bereiche, den des Erwachsenwerdens und den des Hungers nach Anerkennung. Dabei werden drei in sich verlorene und bindungsunfähige Individuen zusammen geführt: die sich selbst fremde junge Frau, ein 30-Jähriger, den sie in Bann zieht, und der besessene Egomane, der Schauspieler als seine Geschöpfe betrachtet.

Grandios gespielt, wenn auch dick aufgetragen

Josphines Schauspielkollegen merken, dass sie mehr und mehr an Selbstvertrauen gewinnt ... und immer energischer spielt.

Das wäre genug Gefühlsdynamit gewesen für eine runde Geschichte, bei der Leben auf der Bühne und in Wirklichkeit kollidieren. Schwochow packt noch das familiäre Unheil obendrauf, die Verwundungen in der Kindheit, das Alleingelassensein durch eine Mutter, die sich nur um die kranke Schwester kümmert. Das ist manchmal etwas unnötig dick aufgetragen, aber Unstimmigkeiten und Klischees werden von einer grandios aufspielenden, von Schuldgefühl, Verantwortungsdruck und Mordlust geplagten Stine Fischer Christensen weggefegt.