Bayerisches Fernsehen - Kino Kino

Bayerischer Filmpreis 2011
Stand: 20.01.2012

Die Pierrots sind vergeben!

Der Bayerische Filmpreis, eine der wichtigsten deutschen Auszeichnungen für Kinofilme, wurde Freitag Abend zum 33. Mal vergeben. Zu den Preisträgern gehören Regisseurin Doris Dörrie, die Schauspieler Bettina Mittendorfer und Milan Peschel sowie drei BR-Koproduktionen: "Dreiviertelmond" gewann den Drehbuchpreis, "Die Farbe des Ozeans" den VGF-Preis, und "Hotel Lux" wurde mit dem Produzentenpreis geehrt. Die festliche Gala im Münchner Prinzregententheater wurde vom Bayerischen Rundfunk produziert und übertragen.

Die Gewinner

REGIE

Doris Dörrie Regisseurin | Bild: picture-alliance/dpa

Doris Dörrie für "Glück"

Begründung der Jury: "Wenn die Vorlage eine Kurzgeschichte ist, bleibt besonders viel Raum für Fantasie und die Kunst, filmisch zu erzählen. Wer Doris Dörries Film "Glück" sieht, wird darin all ihr Können wiederfinden. Jedes Detail schmückt nicht nur, es ist sinnstiftend eingesetzt: vom handbestickten Stofftaschentuch bis zum Hundehalsband, von der Spielplatzschaukel bis zum Elektromesser. So wie die Regisseurin jede Kleinigkeit bewusst einsetzt, ohne je den großen dramatischen Bogen aus den Augen zu verlieren, so elegant ist die Geschichte um die eigentlich unmögliche Liebe zweier Außenseiter geflochten und so exzellent sind die Darsteller geführt."

BESTE DARSTELLERIN

Bettina Mittendorfer - Schauspielerin | Bild: picture-alliance/dpa

Bettina Mittendorfer für "Eine ganz heiße Nummer"

Begründung der Jury: "Drei Frauen aus der bayerischen Provinz, drei Freundinnen, drei Charaktere – eine davon ist Maria, und von ihr stammt die Idee, eine Telefonsex-Hotline zu betreiben, um den maroden Lebensmittelladen zu retten. Bettina Mittendorfer gibt ihrer Maria, der treibenden Kraft hinter der „ganz heißen Nummer“, einen zarten und doch starken Charakter. Die vielen Facetten dieser Figur werden in Bettina Mittendorfers Spiel wunderbar glaubwürdig vereint - mit einer Balance aus Religiosität und emanzipierter Modernität, aus Biederkeit und der Kraft zum Neuanfang."

BESTE DARSTELLER

Steffi Kühnert und Milan Peschel für "Halt auf freier Strecke"

Milan Peschel und Steffi Kühnert | Bild: picture-alliance/dpa

Begründung der Jury: "Es ist ein ungeheuer gewagtes und überzeugend gelungenes Experiment, auf das sich Milan Peschel und Steffi Kühnert mit ihrem Regisseur Andreas Dresen eingelassen haben: einen Mann, einen Ehemann und Familienvater beim qualvollen und auch schrecklich banalen Sterben, seine Frau in ihrem alltäglichen Schmerz darüber darzustellen. Das gelingt Milan Peschel und Steffi Kühnert in ihrem Zusammenspiel auf so eindringliche und erschütternde Weise, dass man glaubt, eine Dokumentation und nicht einen fiktiven Spielfilm zu sehen. Der Zuschauer ist von ihrer beider Spiel erschüttert und zu Tränen gerührt."

BESTE NACHWUCHSDARSTELLERIN

Jella Haase für "Kriegerin" und "Lollipop Monster"

Jella Haase | Bild: picture-alliance/dpa

Begründung der Jury: Auffällig unauffällig kommt Jella Haase daher. Und bleibt deswegen in Erinnerung. Gleich in zwei Filmen des Jahres 2011, "Kriegerin" und "Lollipop Monster", blicken wir in ihr undurchdringliches Gesicht und entdecken dort etwas Seltenes: die Monstrosität des Nichts und der Leere. – Und gleichzeitig wird hinter dieser Maske in jedem Augenblick etwas anderes spürbar, ein Universum an Empfindungen und Gefühlen, das dort, im Innern, tiefgekühlt und scheinbar ungenutzt vor sich hinschlummert. Die extreme Divergenz zwischen Äußerem und Innerem spürbar und erlebbar zu machen, das ist Jella Haases Kunst.

BESTE NACHWUCHSREGIE

David Wnendt für "Kriegerin"

David Wnendt - Reg. "Kriegerin" | Bild: picture-alliance/dpa

Begründung der Jury: "Kriegerin" von David Wnendt erzählt von einem vermeintlich fernen Land und fremden Menschen, von deren Abgründen wir nicht einmal zu träumen wagten, bis sich unser Land im Herbst 2011 in der schrecklichen Realität des rechtsextremen Terrors wiederfand. Das von Nachwuchsregisseur David Wnendt gezeichnete Land mit rechtsradikalen, verblendeten jungen Menschen liegt mitten in Deutschland. Unbarmherzig genau und ohne einen Hauch von Klischee beschreibt er in "Kriegerin", warum junge Menschen und gerade junge Frauen zu Rassisten werden. Er entwickelt eine souveräne filmische Handschrift. Die Einheit von Thematik und formalem Können sind ein großes Versprechen eines jungen Regisseurs, von dem wir für die Zukunft noch Einiges erwarten dürfen.

KINDERFILM

Christian Ditter und Christian Becker für "Wickie auf großer Fahrt"

Christian Ditter u. Christian Becker (Wickie 2) | Bild: picture-alliance/dpa

Begründung der Jury: "Es ist nicht immer leicht, einem erfolgreichen Film eine ebenso gelungene Fortsetzung folgen zu lassen. Dies gilt für den zweiten Wickie-Film in besonderem Maße, weil hier mit einem Regiewechsel und der erstmals eingesetzten 3D-Technik, verbunden mit spektakulären Visual Effects, spannendes Neuland betreten wurde. Produzent Christian Becker und Regisseur Christian Ditter haben sich dieser Herausforderung überaus erfolgreich gestellt und mit ihrem hervorragenden Team ein Werk geschaffen, das rundherum begeistert: Eine Geschichte voller Tempo, mit überraschenden Wendungen, vielen kleinen und großen Gags und spektakulären Bildern machen diesen Film zu einem mitreißenden Kinoerlebnis für kleine und große Zuschauer."

BILDGESTALTUNG

Hannes Hubach für "Lollipop Monster"

Hannes Hubach | Bild: BR

Begründung der Jury: "Mit großer gestalterischer Lust und gleichzeitig sensibler Charakterzeichnung verweben die von Hannes Hubachs Kamera eingefangenen Bilder in Ziska Riemanns Teenage-Pop-Drama "Lollipop Monster" die Elemente und Formate der Jugend-Pop-Kultur mit Dramatischem, Absurdem und Sozialkritischem. In  bestechender Weise begegnet seine Bildgestaltung den Untiefen des Heranwachsens mit einer modernen und experimentierfreudigen Farbgestaltung, die stets das emotionale Gefüge der Protagonistinnen widerspiegelt. Diese Leistung verdient den Bayerischen Filmpreis 2011."

DREHBUCH

Christian Zübert für "Dreiviertelmond"

Christian Zübert | Bild: picture-alliance/dpa

Begründung der Jury: "Ein mürrischer, von seiner Frau verlassener Taxifahrer sieht sich plötzlich in der Verantwortung für ein kleines türkisches Mädchen. Christian Zübert zieht aus den sich dabei sofort aufdrängenden Klischees nur den emotionalen Wahrheitsgehalt heraus und erzählt so eine Geschichte voller anrührender Momente. Kein Thesenstück, sondern eine lebensreiche Vorlage für die wunderbaren Darsteller, allen voran Elmar Wepper und Mercan Türkoglu."

DOKUMENTARFILM

Arnon Goldfinger für "Die Wohnung"

Die Wohnung (Regie Arnon Goldfinger) Szene | Bild: Salzgeber

Begründung der Jury: "Der israelische Filmemacher Arnon Goldfinger lässt uns in dieser deutsch-israelischen Koproduktion an der Auflösung der Wohnung seiner verstorbenen Großmutter in Tel Aviv und der Aufdeckung eines Familiengeheimnisses teilhaben. Fotos, Briefe und Zeitungsausschnitte deuten auf eine langjährige, weit über das Kriegsende hinausreichende Freundschaft der Großeltern mit einem ehemaligen SS-Mann und seiner Frau hin. Auf Spurensuche in Deutschland stellt Arnon Goldfinger fest: Auch die eigene Urgroßmutter wurde im KZ ermordet, doch selbst dies tat der unglaublichen Freundschaft der Großeltern keinen Abbruch. Welch ungewöhnlich große Geste, wenn sich ein Jude der dritten Generation nach dem Holocaust in seinem Film der Erkenntnis stellt, dass das Tabuisieren nicht nur Täter-, sondern auch Opfer-Familien zu eigen sein kann."

SCHNITT

Andreas Menn für "Hell"

Andreas Menn | Bild: Andreas Menn/privat

Begründung der Jury: "Die großartige Bild- und Tonmontage von Andreas Menn im Endzeit-Thriller "Hell" von Nachwuchsregisseur Tim Fehlbaum lässt die Apokalypse fühlbar werden, schafft Ängste und Spannung und lotst die Charaktere, unter anderem dargestellt von Hannah Herzsprung und Stipe Erceg, atemlos durch eine aus den Fugen geratene Welt. Virtuos gelingt es Andreas Menn als Editor Regie, Kamera, Sounddesign und Visual Effects zu einem großen, weit über das Genre hinausgehenden Ganzen zu verflechten. Diese Leistung verdient den Bayerischen Filmpreis 2011."

VGF-PREIS

Boris Jendreyko und Thomas Klimmer für "Die Farbe des Ozeans"

Filmszene "Die Farbe des Ozeans" | Bild: Südart Filmproduktion

Begründung der Jury: "Mit "Die Farbe des Ozeans", der zweiten Regiearbeit der Schauspielerin und Autorin Maggie Peren, ist der jungen Münchner Produktionsfirma Südart von Boris Jendreyko und Thomas Klimmer auf Anhieb ein Meisterwerk gelungen. Das schon fast alltägliche Drama der Flüchtlinge aus Afrika, die an den Stränden Europas oft mehr tot als lebendig landen, wird hier personalisiert und damit für den Zuschauer erschreckend greifbar. Die Begegnung mit zweien von ihnen konfrontiert eine junge, verwöhnte Luxus-Urlauberin plötzlich mit der Realität von Menschen, die alles verloren haben und doch für eine bessere Zukunft kämpfen. Ein Film voller Wärme und Menschlichkeit, der den Zuschauer in seinen Bann zieht!"

PRODUZENTENPREIS

Günter Rohrbach, Corinna Eich, Jan S. Kaiser für "Hotel Lux"

Filmszene aus "Hotel Lux" | Bild: Constantin

Auszug aus der Begründung der Jury: "Die Jury würdigt mit diesem Preis voller Respekt das Risiko der Produzenten, Geschichte einmal anders zu erzählen und dabei den Weg von den großartig choreografierten Kabarett-Szenen im Berlin der Dreißiger Jahre bis hin zum dramatisch-grotesken Versteckspiel im Moskauer Hotel Lux zurückzulegen. In der Tragikomödie von Leander Haußmann zeigen die Darsteller ihr Können, allen voran Michael Bully Herbig, der hier mehr ist als nur einer unserer beliebtesten und besten Comedians. Dass die Prozenten Günter Rohrbach, Corinna Eich, Matthias Esche und Jan Kaiser für die Bavaria Pictures dieses satirische Wagnis versucht und erfolgreich gemeistert haben, verdient den Bayerischen Filmpreis 2011."

PRODUZENTENPREIS

Peter Rommel für "Halt auf freier Strecke"

Peter Rommel | Bild: picture-alliance/dpa

Auszug aus der Begründung der Jury: "Einen Film zu produzieren, von dem man von Anfang an weiß, dass er eine Zumutung ist und die wenigsten Menschen ihn aushalten können, ist entweder leichtfertig oder besonders mutig und selbstbewusst. Peter Rommel ist ein mutiger und selbstbewusster Produzent, der zusammen mit dem großartigen Regisseur Andreas Dresen, hervorragenden Darstellern und einem hochsensiblen Team die besondere Anstrengung eingegangen ist, einen Menschen beim Sterben zu beobachten. Kein Zuschauer wird diesen Film vergessen, denn er zeigt, was es wirklich heißt: sich Einlassen!"

EHRENPREIS

Wim Wenders für "Pina"

Wim Wenders Interview Pina | Bild: picture-alliance/dpa

Auszug aus der Begründung der Jury: "Wim Wenders gehört zu den renommiertesten Filmemachern weltweit. In seinen Filmen macht Wim Wenders die Langsamkeit der Bilder und der Montage zum entscheidenden und unverwechselbaren Moment seines Stils und legt damit den Grundstein für unser aller Bewunderung. Mit seiner unnachahmlichen Ästhetik hat er längst Filmgeschichte geschrieben. In seinem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm 'Pina' nutzt Wim Wenders die neue 3D-Technik als filmische Ausdrucksmöglichkeit für die ungeheure Kraft der Tanz-Avantgarde und zieht so das Publikum gleichsam in das Geschehen hinein. Mit dem Ehrenpreis soll auch diese außergewöhnliche künstlerische Leistung geehrt werden."

PUBLIKUMSPREIS

"Männerherzen ... und die ganz ganz große Liebe"

Simon Verhoeven | Bild: picture-alliance/dpa

Die Zuschauer  haben entschieden: "Männerherzen ... und die ganz ganz große Liebe" ist ihr Lieblingsfilm 2011 und gewinnt damit den Publikumspreis des Bayerischen Filmpreises. Zur Wahl standen die fünf erfolgreichsten deutschen Kinofilme des vergangenen Jahres. Tausende Stimmen wurden ausgezählt. Die Zuschauer von Kino Kino, das Filmmagazin im Bayerischen Fernsehen, und die Hörer von BAYERN 3 haben "Männerherzen ... und die ganz ganz große Liebe" zu ihrem Lieblingsfilm gewählt. Der Münchner Filmemacher Simon Verhoeven gewinnt damit den Publikumspreis des Bayerischen Filmpreises.

Publikumspreis

Illustration: Filmstreifen mit Kinofilm "Männerherzen 2" vor einer Filmrolle | Bild: Warner Bros., colourbox.com, Montage: BR/Renate Windmeißer zum Artikel Bayerischer Filmpreis Publikumspreis an "Männerherzen …"

Der Münchner Filmemacher Simon Verhoeven erhält für seine Komödie "Männerherzen … und die ganz ganz große Liebe" den Publikumspreis des Bayerischen Filmpreises. [mehr]

Moderation

Moderator Christoph Süß. | Bild: Honorarfrei lediglich für Ankündigungen und Veröffentlichungen im Zusammenhang mit obiger BR-Sendung bei Nennung: Bild: BR/Foto Sessner. Andere Verwendungen nur nach entsprechender vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit dem BR-Bildarchiv, Tel. 089 / 5900 10580, Fax 089 / 5900 10585, Mail Pressestelle.foto@br.de zum Artikel Bayerischer Filmpreis 2011 Moderator Christoph Süß

Bereits zum sechsten Mal moderiert der Kabarettist und "quer"-Moderator die Gala des Bayerischen Filmpreises, der am 20. Januar im Münchner Prinzregententheater verliehen wird. Ein Porträt des Moderators in eigenen Worten. [mehr]


On3-Moderatorin Sandra Rieß | Bild: BR zum Artikel Bayerischer Filmpreis 2011 Moderatorin Sandra Rieß

Christoph Süß wird diesem Jahr zusammen mit "Außenmoderatorin" Sandra Rieß, die seit dem 12. Januar auch den von ARD und ProSieben gesendeten Vorentscheid zum Eurovision Contest "Unser Star für Baku" moderiert, durch den Galaabend führen. [mehr]

Ehrenpreis

Wim Wenders | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie Bayerischer Filmpreis 2011 Ehrenpreis für Wim Wenders

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Photograph Wim Wenderst ist einer der bedeutendsten deutschen Filmemacher. Zuletzt für seinen Dokumentarfilm "Pina" ausgezeichnet, wird ihm nun der Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises verliehen. [mehr]

Bayerischer Filmpreis 2010

Prinzregententheater | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie Die Highlights aus dem letzten Jahr Ein Fest des Films!

Die Verleihung der Pierrots 2010 war ein Ereignis von besonderem Glanz! Zu den Preisträgern des Bayerischen Filmpreises gehörten letztes Jahr die Schauspieler Hannelore Elsner und Edgar Selge sowie Newcomerin Paula Beer. Eine Galerie der schönsten Momente! [mehr]

VGF-Preis

Szene aus "Die Farbe des Ozeans" | Bild: Internationale Hofer Filmtage zum Artikel BR-Koproduktion Die Farbe des Ozeans

Auf Gran Canaria wird eine deutsche Urlauberin mit dem Schicksal afrikanischer Bootsflüchtlinge konfrontiert. Maggie Peren, sonst eher bekannt für Komödien wie "Stellungswechsel", inszeniert ein einfühlsames und sehenswertes Melodram. [mehr]

Bildergalerien

Filmszene "Pina" | Bild: NFP/Neue Road Movies/Donata Wenders zur Bildergalerie Die Macht des Tanzes in 3D Pina

Mit seinem Dokumentarfilm "Pina" gelang Wim Wenders eine bildgewaltige 3D-Hommage an die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, die 2009 während der Vorbereitungen auf den Film starb. Nun wurde "Pina" als "bester Dokumentarfilm" für einen Oscar nominiert. [mehr]


Filmszene aus "Männerherzen 2" | Bild: Warner zur Bildergalerie Herren in Nöten Männerherzen und die ganz, ganz große Liebe

In der Fortsetzung des Kinohits von 2009 müssen Til Schweiger, Florian David Fitz, Christian Ulmen u.a. Hürden wie Vaterschaft, regelmäßigen Sex in der Beziehung oder eine Bühnencomeback meistern. [mehr]