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Skoliose Mittel gegen das krumme Kreuz

"Halt Dich gerade!" Für Skoliosepatienten ist das oft unmöglich. Die verbogene Wirbelsäule zwingt Betroffenen oft zu krummer Körperhaltung. Doch Skoliose hat nicht nur kosmetische Auswirkungen.

Autor: Florian Heinhold Stand: 14.11.2011

Vor allem Frauen leiden an Skoliose, einer Verkrümmung der Wirbelsäule, die in schweren Fällen starke Schmerzen verursacht. Meist beginnen die Probleme schon in jungen Jahren, ohne dass eine genaue Ursache bestimmt werden kann. Je stärker die Krümmung ist, desto wichtiger wird eine rechtzeitige Therapie noch während der Wachstumsphase. Sonst kann sich die Skoliose immer mehr verschlechtern und im schlimmsten Fall sogar Organe wie Herz und Lunge beeinträchtigen. Gesundheit! begleitet zwei Skoliosepatienten bei ihrem Kampf gegen die Rückenkrankheit.

Operation als letzter Ausweg

Die Schön Klinik im oberbayerischen Vogtareuth ist auf Erkrankungen der Wirbelsäule spezialisiert. Patienten kommen von weit her, um sich hier operieren und behandeln zu lassen - so auch der 15-jährige Michael Pedevilla aus Südtirol. Bei ihm verursacht die Wirbelsäulenkrümmung schon einen starken Rippenbuckel, ein typische Auswirkung schwerer Skoliosen. Heute will er sich am Rücken operieren lassen.

"Ich hoffe, dass danach alles wieder normal wird - so gut wie möglich halt!"

Michael Pedevilla

Für Chefarzt Professor Wimmer gibt es in Michaels Fall keine Alternative zur OP - die Gefahr einer weiteren Verschlechterung seines Zustandes ist zu groß.

"Wenn man Michaels Verkrümmung anschaut mit 75 Grad, dann würde sie in fünf Jahren von der statistischen Wahrscheinlichkeit her sicherlich weit über 90 Grad betragen ... Jetzt ist noch ein Zeitpunkt, wo man eine schöne Korrektur machen kann und wo vor allen Dingen ein geringeres Komplikationsrisiko besteht."

Prof. Wimmer, Wirbelsäulenchirurg

Bei der aufwendigen Operation wird Michaels Wirbelsäule mit einer Schiene begradigt. Danach hofft der junge Patient, dass man ihm seine Skoliose kaum mehr ansieht. Die Verschlechterung der Krümmung kann so aufgehalten werden, dafür bleiben die operierten Wirbel steif. Nur in sehr seltenen Fällen kann es bei solchen Operationen zu Komplikationen kommen - trotzdem ein banger Moment für Michaels Mutter. Doch bei Professor Wimmer fühlen sich die beiden in guten Händen.

Starker Schmerz

Ortswechsel: ein Gasthaus im oberbayerischen Reichertsheim. Kistenschleppen, Küchenarbeit, Bedienen - für Gastwirtin Ursula Baumgartner eine schwere Herausforderung. Denn auch die 28-Jährige leidet an Skoliose und hat oft starke Schmerzen. "Das fühlt sich an, als hätte mich ein Lastwagen überfahren", erzählt die 28-Jährige, während sie Getränke für ihre Gäste ausschenkt

Im Alltag sieht man Ursula Baumgartner die Skoliose kaum an, doch auch ihre Wirbelsäule ist stark gekrümmt - in Fällen wie ihrem raten viele Ärzte zu einem chirurgischen Eingriff. Doch solange sich die Skoliose nicht verschlechtert, will Ursula ohne OP mit der Krankheit fertig werden.

Konservative Therapieansätze

Gymnastik kann bei Rückenschmerzen helfen.

Wenn die Krümmung rechtzeitig im Kindesalter erkannt wird, kann auch mit konservativen Methoden gegen die Skoliose vorgegangen werden - zum Beispiel durch das Tragen eines Korsetts. Die Korsetttherapie soll den typischen Verschlechterungsprozess aufhalten. Bei Ursula Baumgartner wurde das Problem aber erst mit 16 Jahren festgestellt, als sie bereits weitestgehend ausgewachsen war.

"Mein Hausarzt hat das nicht bemerkt ... Und dann mit 16, als ich meine Ausbildung begonnen habe, hatte ich Schmerzen und habe ein Korsett bekommen. Aber da war es leider zu spät."

Ursula Baumgartner

Erwachsenen Skoliosepatienten wie Ursula bleibt als konservative Therapiemethode vor allem Rückengymnastik. Sie setzt zudem auf die so genannte Schroth-Therapie und übt, durch Körperhaltung die Skoliose zu korrigieren. Wichtiger Teil dieser Therapie sind spezielle Atemtechniken zur Wirbelsäulenkorrektur. Geheilt werden kann die Krankheit so nicht, aber die 28-jährige kann besser mit ihren Beschwerden leben.

"Wenn ich meine Übungen regelmäßig mache, sind die Schmerzen schwächer und manchmal sogar ganz weg", berichtet sie zwischen den Übungen in ihrer Physiotherapiepraxis.

Die Operation

Zurück in der Schön Klinik Vogtareuth: Hier soll der 15-jährigen Michael Pedevilla operiert werden. Nachdem die Narkose eingesetzt hat, wird er auf den OP-Tisch gehoben. Chefarzt Professor Wimmer öffnet die Rückendecke. Danach beginnt das Ärzteteam spezielle Schrauben in die betroffenen Wirbel zu drehen und setzt anschließend eine Schiene ein. So wird der betroffene Teil der Wirbelsäule begradigt.

Der Eingriff dauert knapp vier Stunden. Nach der Operation ist vom Rippenbuckel kaum noch etwas zu sehen. Für Michael Pedevilla beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt - ohne Skoliose.