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Migräne Kann Sport helfen?

Sie sind pulsierend, pochend und für die meisten kaum auszuhalten: Migräneschmerzen. Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Lähmungserscheinungen können weitere Symptome für Migräne sein. Therapien gibt es viele, doch welche hilft? Und wie können Betroffene Attacken vorbeugen? Forscher am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein haben untersucht, ob Sport hilft.

Von: Katharina Kerzdörfer Stand: 18.02.2013

Regina Bethke und Cornelia Hoffmann reißt die Migräne immer wieder aus dem Alltag. Therapien haben beide schon viele ausprobiert. Ihr neuester Ansatz: Sport. Regina Bethke versucht es mit Walking und Cornelia Hoffmann mit Jogging. Dreimal die Woche nehmen sie sich dafür mindestens 30 Minuten Zeit. So wollen die beiden verhindern, dass überhaupt erst eine Migräneattacke kommt.

"Das Walken entspannt, es befreit und dadurch sind bei mir die Migräneanfälle weniger geworden."

Regina Bethke

"Das Joggen hilft mir bei der Migräne, dass ich mich insgesamt fitter fühle."

Cornelia Hoffmann

Sport als hilfreiche Therapie bei Migräne?

Joggen als Therapie

Cornelia Hoffmann und Regina Bethke sind davon überzeugt. Sie nahmen an einer Studie des Kieler Universitätsklinikums teil. Zehn Wochen lang machten Migränepatienten Sport: ein Teil, wie Regina Bethke, walkte. Der andere Teil, wie Cornelia Hoffmann, joggte. Dreimal die Woche, 30 Minuten lang.

Die Ergebnisse

Ausdauersport kann vorbeugend helfen, aber nicht während einer Migräneattacke. Voraussetzung ist, dass der Sport regelmäßig gemacht wird.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass sowohl das Joggen, als auch das Walken die Attacken-Anzahl deutlich reduziert. Patienten haben deutlich weniger Attacken im Monat und auch eine deutlich geringere Intensität. Die Attacken, die sie haben, die sind nicht so stark."

Dr. phil. Stephanie Darabaneanu, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Doch warum hilft Patienten diese regelmäßige Bewegung?

"Die Migräne ist eine Reizverarbeitungsstörung, das heißt, es sammeln sich Reize, beispielsweise durch Stress, im Patientengehirn an. Durch die Migräneanfälle versucht das Gehirn, diese Reize abzubauen. Sport baut auf eine gesunde Art und Weise diese Reize im Gehirn ab. Das ist wahrscheinlich der Effekt, der dazu führt, dass weniger Migräneanfälle auftreten."

Dr. phil. Stephanie Darabaneanu, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Migräne durch Vererbung und Umweltfaktoren wie Stress verursacht wird. Heilbar ist Migräne deshalb nicht. Doch was passiert im Gehirn bei einer Migräneattacke? Die gängigste Theorie: Es kommt zu einer Überaktivität von Nervenzellen, diese Überaktivität breitet sich lawinenartig aus, bis hin zur Hirnhaut. Und das wird im Gehirn als Schmerz wahrgenommen.

Therapie gegen Migräne ohne Medikamente

Dass die Überaktivität von Nervenzellen durch Sport reduziert werden kann, weiß auch Prof. Andreas Straube vom Klinikum Großhadern in München. Er ist Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, DMKG, und beschäftigt sich seit Jahren mit Therapiemöglichkeiten bei Migräne.

"Ganz wichtig sind die nicht-medikamentösen Maßnahmen, da ist der Ausdauersport in unserer Erfahrung ein ganz wesentlicher Punkt. Der Zeit hat und der Lust dazu hat, sollte Entspannungsverfahren, wie die progressive Muskelrelaxation, machen. Reicht das nicht aus, sind medikamentöse Verfahren anzuwenden, und die müssen auf den einzelnen Patienten angepasst werden."

Prof. Dr. med. Andreas Straube, Neurologe, Klinikum Großhadern

Bei der progressiven Muskelrelaxation lernen Patienten, ihre Muskeln bewusst anzuspannen und danach wieder zu entspannen. Ähnlich wie beim Sport sollen so Reize im Gehirn abgebaut werden, bevor es zu einer Attacke kommt. Das alles ist oft aber kein kompletter Ersatz für Medikamente.

Medikamente als Therapie bei Migräne

Zur Vorbeugung gibt es Betablocker, die ursprünglich für Patienten mit Bluthochdruck entwickelt wurden. Allerdings wirken sie nur bei etwa der Hälfte der Migränepatienten.

Wie viele andere Betroffene nehmen Regina Bethke und Cornelia Hoffmann Triptane, wenn die Schmerzen schon da sind. Triptane sind aber mehr als nur ein einfaches Schmerzmittel.

"Triptane haben mehrere Ansatzpunkte in ihrer Wirkung: Unter anderem verhindern sie die Weiterleitung der Impulse aus der Hirnhaut. Dort, wo letztendlich der Schmerz entsteht."

Prof. Dr. med. Andreas Straube, Neurologe, Klinikum Großhadern

Regina Bethke und Cornelia Hoffmann wollen so wenig Triptane wie möglich nehmen. Deshalb bleiben sie dran am Sport - damit erst gar keine Attacke kommt. Dreimal die Woche Sport, für 30 Minuten - das kann Patienten helfen, ihre Migräne in den Griff zu bekommen. Regina Bethke und Cornelia Hoffmann haben das geschafft.


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