Bayerisches Fernsehen - Gesundheit!


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Masern Keine harmlose Kinderkrankheit

Eine sogenannte Kinderkrankheit breitet sich unter Erwachsenen aus – die Masern. Auch in Bayern gibt es etliche Fälle. Laut Statistik stirbt in Europa einer von 3.000 Masern-Infizierten. Warum die Masern noch nicht ausgerottet sind, erfahren Sie in "Gesundheit!".

Von: Florian Heinhold Stand: 03.05.2013

In einem isolierten Krankenzimmer des Klinikums Schwabing kämpft Christine Fischer seit Tagen mit den Masern. Ihr ganzer Körper ist überzogen von den typischen roten Flecken. Als die ersten Symptome im Gesicht zu sehen waren, dachte sie noch an einen Ausschlag. Kurz darauf lag sie mit hohem Fieber im Bett.

"Ich konnte mich kaum noch bewegen, ohne Hilfe habe ich es kaum noch ins Bad geschafft."

Christine Fischer

Dr. Wolfgang Guggemos ist Christine Fischers Arzt im Klinikum. Wenn er seine Patientin untersuchen will, muss er sich aufwendig schützen: mit Schutzanzug, Mundschutz und Latexhandschuhen. Auf keinen Fall sollen die Masernviren das isolierte Krankenzimmer verlassen.

"Masern sind eine der höchstansteckenden Krankheiten, die wir kennen. Das Virus wird extrem leicht von Mensch zu Mensch weitergetragen. Aus diesem Grund isolieren wir unsere Patienten."

Dr. med. Wolfgang Guggemos

Die ersten Symptome bilden sich bei den Masern in der Mundhöhle, dann im Gesicht, dann am ganzen Körper. Doch die entstellenden Flecken sind bei weitem nicht das Schlimmste. Gerade bei Erwachsenen kommt es häufig zu schweren Komplikationen: von Lungenentzündungen bis zu gefährlichen Hirnschäden.

Masernfälle steigen wieder

Im Moment steigen die Masernfälle wieder an – bis zum Wochenende zählte das Münchener Gesundheitsamt 15 Fälle im Einzugsgebiet der Landeshauptstadt. In Berlin sind den Behörden bereits über hundert Fälle bekannt.

"Der aktuelle Ausbruch begann vor zwei oder drei Wochen. Und wir sehen jetzt schon die ersten Folgefälle. Da kommt, denke ich, noch einiges auf uns zu."

Dr. med. Wolfgang Guggemos

Impfung gegen Masern schützt

Vater und Kind mit Masern | Bild: Digital Vision zum Artikel Impfen Masern offenbar nicht auszurotten

Die Masern sind auch in Deutschland, einem Land mit einer hohen Impfrate, nicht auszurotten. Dabei sollte man die Viruserkrankung ernst nehmen: Sie kann lebensgefährlich verlaufen. [mehr]

Dabei muss man der Krankheit nicht schutzlos ausgeliefert sein: Wer sich impfen lässt, kann sich wirksam gegen Masern immunisieren. In der Münchener Kinderarztpraxis von Philipp Schoof werden jedes Jahr tausende Impfungen durchgeführt – auch die einjährige Amelie soll heute ihre erste Impfung bekommen. Danach wird sie noch einmal zur Auffrischung kommen müssen, damit der Schutz auch sicher wirkt. Philipp Schoof klärt Amelies Eltern auf:

"Es ist oft so, dass die zweite Masernimpfung vergessen wird. Da entsteht dann wirklich eine Impflücke. Keiner denkt daran, dass es die Möglichkeit gibt, dass die Kinder trotzdem erkranken, wenn nur die erste Impfung vorliegt."

Philipp Schoof, Arzt

Masern – eine unnötige Gefahr

Ohne Impfschutz reicht schon der kleinste Kontakt, um sich mit der Krankheit zu infizieren – zum Beispiel eine Fahrt im gleichen U-Bahnabteil oder der Aufenthalt im gleichen Raum. Das Heimtückische: Infizierte wissen meist gar nicht, dass sie das Virus tragen, denn schon fünf Tage vor dem Ausbruch der Masern ist man ansteckend. Für viele Kinderärzte und Infektiologen sind Masernausbrüche in Deutschland jedes Mal wieder ein kaum zu begreifendes Ärgernis.

"Aus der Sicht des Arztes ist es wirklich ärgerlich, dass wir uns immer noch mit einer Erkrankung beschäftigen, die eigentlich nicht mehr auftreten müsste, wenn wir ausreichende Impfraten in Deutschland hätten."

Dr. Wolfgang Guggemos

Denn bei einer Impfrate von 95 Prozent gäbe es wohl keine Masern mehr. Doch davon sind wir weit entfernt, weil sich Ängste und Vorbehalte gegen die Masernimpfung in der Bevölkerung hartnäckig halten. In etlichen Internetforen kursieren sogar Gerüchte über Diabetes und Autismus als Folgen von Masernimpfungen. Experten wie Dr. Guggemos halten das für Panikmache.

"Die Masernimpfung ist langjährig erprobt, millionenfach ausprobiert, an langwierigen Nebenwirkungen ist so gut wie nichts zu befürchten. Die zweimalige Impfung schützt ein Leben lang vor einer wirklich üblen Erkrankung."

Dr. med. Wolfgang Guggemos

Auch seine Patientin, Christine Fischer, war früher eine Impfgegnerin. Heute sieht sie das anders. Nach allem, was sie durchgemacht hat, hat sie nur einen Tipp: sich impfen zu lassen.


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