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Helicobakter pylori Magenkeim mit gefährlichen Folgen

Magen- und Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit – darunter leidet jeder mal. Doch was, wenn die Beschwerden anhalten? Nicht immer sind falsches Essen oder Stress Schuld an den Beschwerden. Auch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori kann dahinter stecken.

Von: Julia Richter Stand: 28.01.2013

Einer der verbreitetsten Keime der Welt ist das Bakterium Helicobacter pylori – auch HP genannt. Es setzt sich im menschlichen Magen fest, jeder vierte Erwachsene hat es Der Keim nistet sich in unserem Magen und im Zwölffingerdarm ein. Dort kann er eine Entzündung der Schleimhaut und Geschwüre verursachen – und er gilt als Risikofaktor, an Magenkrebs zu erkranken. Wie erkennt man eine Infektion und was kann man dagegen tun?

Woran erkennt man eine Infektion mit Helicobacter pylori?

Der Magenkeim kann zu ganz unterschiedlichen Symptomen führen wie Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Druckgefühl, Übelkeit, Erbrechen oder schlechtem Geschmack im Mund. Weil die Beschwerden oft diffus sind, bleibt der Keim als Verursacher manchmal jahrelang unentdeckt. Viele Infizierte bemerken ihn nicht.

Seine Entdeckung - eine Revolution in der Medizin

John Robin Warren und Barry Marshall

Der Keim wurde 1982 von den australischen Forschern Barry Marshall und John Robin Warren wiederentdeckt. Sie fanden heraus, dass Helicobacter pylori eine Magenschleimhautentzündung verursachen und für Geschwüre im Magen und im Zwölffingerdarm verantwortlich sein kann. Damit stellten sie in der Medizin grundlegende Annahmen auf den Kopf: Magengeschwüre als Infektionskrankheit – das war eine kühne Behauptung. Stress, so die einhellige Meinung damals, sei Schuld an Magenproblemen. Anfangs glaubte den beiden Forschern niemand. Ein Bakterium - so die verbreitete Annahme - könne nicht in der ätzenden Magensäure überleben. Die späte Ehrung für Marshall und Warren kam 2005; die beiden wurden mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Der Helicobacter pylori als Überlebenskünstler

Der Keim kann sehr gut im sauren Milieu des Magens überleben: Die spiralförmigen Bakterien verfügen über bestimmte Eiweißstoffe. Mit denen setzen sie komplexe biochemische Prozesse in Gang. So kann der Keim Urease bilden. Die Urease kann den im Magen vorhandenen Harnstoff spalten - in Kohlendioxid und Ammoniak. Ammoniak legt sich wie eine Wolke, quasi wie ein Schutzanzug, um den Keim, und neutralisiert die Magensäure. Der Keim kann sich - dank des Ammoniaks - im Magen bewegen, ohne zerstört zu werden. Aufgrund seiner Spiralform und seiner Geißeln ist der Helicobacter pylori schnell.

Im Magen und im Zwölffingerdarm treibt er dann sein Unwesen: Er bohrt sich in den Magenschleim, eine natürliche Schutzbarriere der Magenschleimhaut. In und unter der Schleimschicht kann er perfekt überleben. Über spezifische Bindungsstellen heftet er sich dann an die Zellen der Magenschleimhaut. Dabei werden Giftstoffe freigesetzt, es kommt zu Zellschädigungen des Gewebes. Das wiederum löst eine Immunreaktion beim Wirt, also beim Menschen, aus. In der Regel führt dieses Zusammenspiel zu einer chronischen Entzündung, die wiederum die Schädigung der Zellen verstärkt. Eine sogenannte Gastritis, eine Magenschleimhautentzündung, ist meist die Folge.

Eine Gastritis kann nicht aufgrund klinischer Beschwerden oder alleine durch den endoskopischen Befund diagnostiziert werden. Sie muss immer durch den feingeweblichen Nachweis von Entzündungszellen in der Magenschleimhaut diagnostiziert werden.

Komplikationen einer Helicobacter pylori-Infektion

Helicobacter pylori

Rund 80 Prozent der HP-Infektionen verlaufen ohne Komplikationen. Viele haben eine Gastritis und merken es gar nicht. Bei etwa 15 Prozent der HP-Infizierten kommt es irgendwann zu einem Geschwür, einem sogenannten Ulcus. Bei einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür sind tiefere Schichten in der Magenschleimhaut geschädigt als bei einer Gastritis.

Umgekehrt ist Helicobacter pylori der entscheidende Faktor für die Entwicklung eines Zwölffingerdarmgeschwürs: Gut 90 Prozent derer, die ein solches Geschwür haben, sind HP-positiv. Beim Magengeschwür ist in 70 Prozent der Fälle eine HP-Infektion nachweisbar.

Mögliche Komplikation eines Geschwürs ist eine Blutung. Der Patient kann dadurch – teilweise unbemerkt - eine Menge Blut verlieren. Das ist eine Notfallsituation, der Patient muss sofort behandelt werden. Der Arzt wird die Blutung stillen - zum Beispiel mit Hilfe sogenannter Clips, Verödung oder Gewebekleber.

Warum einige Menschen ein Geschwür bekommen und andere nicht, ist noch nicht genau erforscht. Fest steht, es gibt verschiedene Stämme von HP-Bakterien und die sind unterschiedlich aggressiv. Auch scheint das Immunsystem des Patienten eine Rolle dabei zu spielen, ob man ein Ulcus entwickelt. Andere Risikofaktoren sind Nikotin, Alkohol und die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen. Auch Kortison kann die Magenschleimhaut zusätzlich angreifen. All das kann die Bildung eines Geschwürs begünstigen.

Eine weitere mögliche Komplikation einer HP-Infektion ist die Bildung eines Magenlymphoms, eine spezielle Form von Magenkrebs. Ein HP-Infizierter hat ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, an einem Magenkarzinom zu erkranken.

Weitere mögliche Komplikationen einer HP- Infektion sind ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken, und ein vierfach erhöhtes Risiko, ein Magenlymphom zu entwickeln, auf dem Boden der andauernden Immunstimulation.

Diagnose des Erregers

 Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann man unterschiedlich feststellen. Bei Beschwerden und einem entsprechenden Verdacht sollte immer eine Magenspiegelung - eine sogenannte Endoskopie - gemacht werden. Die Patienten bekommen in der Regel ein Kurzschlafmedikament und bekommen daher nichts von der Untersuchung mit. Der Gastroenterologe entnimmt an unterschiedlichen Stellen  Gewebeproben vom Inneren des Magens. Diese Biopsien werden dann im Labor feingeweblich untersucht. Zusätzlich wird meist ein Urease-Schnelltest gemacht. Hier wird eine Probe aus dem Magen entnommen und in ein spezielles Medium gegeben. Der Keim löst eine chemische Reaktion aus, sodass sich die Testflüssigkeit von gelb zu rot verfärbt.

Außerdem stehen noch Blutuntersuchungen, Stuhlproben und ein Atemtest zur Verfügung, um das Bakterium nachzuweisen. Allerdings wird der Atemtest in aller Regel erst nach der Therapie gemacht, zur Erfolgskontrolle, ob der Keim auch wirklich weg ist. Dazu muss der Patient eine Testlösung trinken und danach pusten. Ein Gerät misst dann innerhalb kurzer Zeit, ob der Keim im Atem nachweisbar ist oder nicht.

Verbreitung des Keims

Der Helicobacter pylori ist einer der meistverbreitetsten Keime weltweit. In einigen Ländern sind bis zu 90 Prozent der Menschen infiziert. In Deutschland geht die Zahl der Infektionen seit Jahren stark zurück. Das liegt zum einen an der sicheren Behandlung mit Antibiotika, zum anderen an verbesserten Hygienestandards in den Industrieländern. Der Keim wird hierzulande zunehmend „ausgerottet“.

Die Verteilung in Deutschland schwankt und hängt unter anderem stark mit dem Alter zusammen: Während in der älteren Generation jeder Vierte infiziert ist, sind es bei Kindern nur fünf Prozent, bei den Immigranten sind es 40 bis 80 Prozent.

Man geht davon aus, dass die Übertragung unter anderem durch den Kontakt mit Ausscheidungen erfolgt. Aber auch von Mund zu Mund wird der Keim weitergegeben - zum Beispiel, wenn eine Mutter ihr Kind füttert. Meist steckt man sich bereits im Kleinkindalter an, so das Fazit der Forscher heute.

Fest steht: Vorbeugen kann man nicht und keiner ist davor gefeit, den Keim zu bekommen. Ist man einmal infiziert, trägt man ihn in sich, bis man therapiert wird.

Was tun bei einer HP-Infektion?

Die Behandlung erfolgt in der Regel mit einer sogenannten Dreifach-Therapie: Der Patient nimmt zwei Mal täglich zwei verschiedene Antibiotika und eine Tablette, die die Magensäure hemmt, einen sogenannten Protonenpumpenhemmer. Die Therapie dauert eine Woche und führt in knapp 90 Prozent der Fälle zum Erfolg. Schlägt sie nicht an, sollte die Behandlung mit einer anderen Antibiotika-Kombination wiederholt werden.

Experten im Beitrag

Dr. med. Jutta Gospos
Leitende Oberärztin
Leitung  der Gastroenterologie,
Klinikum München Harlaching

Dr. med. Vincens Weingart
Gastroenterologe
Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Obwohl der Helicobacter pylori zu Komplikationen führen kann, muss er nicht zwangsläufig behandelt werden. Denn auch eine Behandlung mit Antibiotika hat Nebenwirkungen. Ein Muss ist die Therapie bei einer ausgedehnten Gastritis, die Beschwerden verursacht, bei HP bedingten Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, bei einem Magenlymphom und bei zusätzlichen Risikofaktoren für einen Magenkrebs. Eine Infektion kann therapiert werden, wenn der Patient unter entsprechenden Beschwerden leidet und sich eine Behandlung wünscht.

Warnsignale

Ab wann sollte man mit Bauchschmerzen zum Arzt?

  • Wenn Oberbauchbeschwerden ein paar Wochen anhalten oder in regelmäßigen Abständen immer wieder kommen.
  • Wenn man Blut im Stuhl hat oder Blut erbricht.
  • Wenn man unter Schluckbeschwerden leidet.
  • Wenn man plötzlich unerklärlicherweise Gewicht verliert.

Bei diesen Symptomen sollte man einen Arzt aufsuchen. In solchen Fällen sollte auch der Magen gespiegelt werden, nur so kann die Ursache der Beschwerden herausgefunden werden.

Gibt es bald eine Impfung gegen HP?

Es wird seit Jahren an einer Impfung gearbeitet, derzeit steht kein wirksames Mittel zur Verfügung.

Quellen: Die Leitlinie „Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V, kurz AWMF


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