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Hitze Was tun, wenn es heiß wird?

Sommer - für viele Menschen beginnt jetzt die schönste Jahreszeit. Doch die warmen Tage haben auch ihre Tücken. Besonders für Ältere, Kinder und chronisch Kranke kann Hitze zur Belastung werden. Wo lauern die Probleme und wie kann man sich schützen?

Von: Julia Richter

Stand: 07.07.2011

Sonnenschein und blauer Himmel, Frau hat Kopfschmerzen | Bild: colourbox.com

Wer schon einmal zu lange am Strand gewesen ist, oder wer auf dem Weg in die Ferien stundenlang im Stau stand, der weiß: Wärme ist nicht immer nur wohltuend: Sie kann eine Tortur sein. Legen die Temperaturen zu, so drohen: Erschöpfung, Sonnenstich oder Hitzschlag. Wo aber ist der Unterschied? Was kann man im Notfall tun und ab wann muss man zum Arzt?

Die häufigsten Beschwerden

Hitzeerschöpfung

Frau hält Hände an den Kopf | Bild: colourbox.com

Eigentlich sind wir gut gerüstet, um mit Hitze umzugehen: Um uns wohlzufühlen, brauchen wir eine konstante Körpertemperatur. Sie liegt zwischen 36 und 37 Grad. Wird es heiß, steuert der Körper dagegen. Er "wirft" die Kühlung an und zwar, indem er Schweiß erzeugt: Denn wenn Schweiß verdunstet, kühlt sich unsere Haut ab. Es gibt aber einige Faktoren, die den Abkühlmechanismus erheblich beeinträchtigen: Sitzen wir zu lange in der Wärme, strengen uns zu sehr an oder sind krank, wird es dem Körper zu viel. Auch eine tagelange Hitzewelle oder eine hohe Luftfeuchtigkeit können Stress für den Organismus bedeuten. Eine Folge: die Hitze-Erschöpfung.

Symptome:

Schwitzen bedeutet immer, Flüssigkeit und damit wichtige Elektrolyte zu verlieren. Verlieren wir zu viel, schaltet der Körper runter: Der Kreislauf läuft auf Sparflamme. Wir fühlen uns schlapp und müde. Die Haut ist feucht-nass, der Blutdruck fällt etwas ab, wir haben Kopfweh, fühlen uns schwindlig.

Das hilft:

  • Gehen Sie sofort aus der Sonne! Am besten ist ein kühler Raum, geht das nicht, sollte es zumindest Schatten sein.
  • Trinken Sie mehr als sonst, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Am besten ein elektrolythaltiges Getränk. Besonders bei Kinder und älteren Menschen sollte man darauf achten, dass sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Der „natürliche“ Durst ist nicht mehr beziehungsweise noch nicht so ausgeprägt.
  • Sportliche Aktivitäten sollten an heißen Tagen auf ein Minimum beschränkt werden: Bewegung tut dem Kreislauf gut, aber übertreiben sollte man es sicher nicht.


Wenn Sie rechtzeitig auf die Symptome achten, ist eine Hitzeerschöpfung für sonst gesunde Menschen meist harmlos.

Hitzekollaps

Nehmen wir die Warnsignale des Körpers nicht ernst oder strengen uns zu sehr an, kann das fatale Folgen haben. Der Körper versucht, zusätzlich Wärme von innen nach außen abzugeben. Die Blutgefäße in der äußeren Peripherie, beispielsweise in den Fingern, werden erweitert. Die Folge: Dort sackt das Blut hin, es steht weniger Blut im Kreislauf zur Verfügung. Der Blutdruck fällt ab, der Kreislauf versagt. Aus der Hitzeerschöpfung wird ein Kollaps. Das wärmebedingte Kreislaufversagen ist eine relativ häufige Form der Hitzeerkrankung!

Symptome:

rot-feuchte Haut, Schwindel, Ohnmacht.

Das hilft:

  • Legen Sie die Beine hoch, um den Kreislauf zu stabilisieren. Tun Sie das auch bei anderen Personen, die einen Kollaps haben.
  • Kaltes Wasser übers Handgelenk und über die Ellbogen laufen lassen, bringt Sie meist wieder auf Trab. Ist man unglücklich gestürzt oder ist einem anhaltend übel, hat man Fieber oder übergibt sich, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Sonnenstich

Verursacht wird er meist durch lange und direkte Sonneneinstrahlung. Nicht selten passiert das, wenn jemand in der Sonne einschläft oder zu lange in der Sonne sitzt, die Wärme aber wegen des Windes nicht bemerkt. Ein Sonnenstich gehört wohl zu den häufigsten Hitzeerkrankungen hierzulande. Es betrifft nur den Kopf: Die Körpertemperatur ist normal. Fieber gibt es nicht.

Symptome:

Beim Sonnenstich haben wir einen hochroten Kopf, meist einen steifen Nacken, starke Kopfschmerzen, mache leiden zusätzlich unter Ohrengeräuschen.

Das hilft:

  • Legen sie kalte Tücher auf Kopf und Nacken.
  • Bei anhaltenden Beschwerden können auch Kopfschmerztabletten helfen.
  • Werden die Symptome schlimmer, gehen sie zum Arzt.

Hitzschlag

Ein Hitzeschlag wird oft mit einem Sonnenstich in einen Topf geworfen: zu Unrecht. Beim Hitzschlag ist der ganze Körper betroffen, beim Sonnenstich nur der Kopf.

Ein echter Hitzschlag ist hierzulande selten. Zum Glück: denn ein Hitzschlag ist lebensbedrohlich. Er tritt auch ohne Sonne auf - zum Beispiel durch das Aufhalten in überhitzen Räumen wie Autos. Aber auch langes Stehen in Menschenmengen bei hohen Temperaturen kann zu einem Hitzschlag führen. Bei einem Hitzschlag versagt der Kühlungsmechanismus im Gehirn. Der Körper kann keinen Schweiß mehr produzieren. Die Folge: Die Körpertemperatur steigt auf über 40 Grad. Die Hitze kann nicht entweichen, es bildet sich ein Hitzstau im Körper.

Symptome:

Ganz blasse Haut, Kopfweh, Übelkeit, Krämpfe, Bewusstseinstörungen, Ohnmacht.

Der Haus- und Allgemeinarzt Dr. Lothar Schmittdiel:
"Ein Hitzschlag kann bedrohlich sein. Es kann zu einem sogenannten Hirnödem - einer Hirnschwellung – und zu einer Überhitzung des ganzen Körpers kommen. Dies kann bis zu einem kompletten Organversagen führen."

Das hilft:

Hier gilt: Schnelles Handeln rettet Leben. Der Patient muss sofort in einen kühlen, abgedunkelten Raum. Ziehen Sie ihm die Kleidung aus und bedecken Sie den Patienten mit eiskalten Tüchern. Falls er bei Bewusstsein ist, sollte er halb aufrecht liegen und kalte Getränke zu sich nehmen. Ansonsten muss er in die stabile Seitenlage. Ist der Patient weggetreten, sollte er keine Flüssigkeit zu sich nehmen. Sonst droht Erstickungsgefahr. Rufen Sie sofort den Notarzt und leisten Sie Erste Hilfe.

Ab wann zum Arzt?

"Ein Hitzschlag muss sicher vom Notarzt behandelt werden. Das sieht anders aus, wenn der Patient einen Sonnenstich, eine Hitzeerschöpfung oder einen Hitze-Kollaps hat. Das kann er durchaus auch zuhause selbst behandeln. Hat ein Patient aber starkes Erbrechen, anhaltend starke Kopfschmerzen, Fieber oder zeigt eine Austrocknung, dann sollte er einen Arzt aufzusuchen. Sind chronisch Kranke und vorbelastete Patienten von Hitzebeschwerden betroffen, sollte man natürlich auch zum Arzt gehen."

Dr. Lothar Schmittdiel, Haus- und Allgemeinarzt

Wer sollte bei der Hitze besonders vorsichtig sein?

  • Besonders hitzegefährdet sind Babys und Kleinkinder, sie spüren die Gefahr nicht und können sich noch nicht entsprechend äußern. Außerdem funktioniert bei Kindern die Temperaturregulation noch nicht so gut.
  • Aber auch ältere Menschen und chronische Kranke sollten bei Hitze aufpassen – hier sind Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder Parkinson zu nennen.
  • Auch bestimmte Medikamente vertragen sich nicht mit Sonne und Hitze. Fragen Sie den Arzt und lesen Sie aufmerksam die Packungsbeilage.
  • Bestimmte Berufsgruppen, die viel draußen sind, zum Beispiel Gleisbauarbeiter sollten besonders vorsichtig sein.
  • Glatzenträger leben auch hitzegefährdeter. Deshalb sollten sie an heißen Tagen immer eine Kopfbedeckung dabei.

Tipps für die heißen Tage

Tipp 1

Bleiben Sie nicht zu lange in der prallen Sonne, meiden Sie besonders die heißen Mittagsstunden von 11 bis 15 Uhr.

Tipp 2

Schalten Sie einen Gang runter und verlegen Sie sportliche Aktivitäten auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden.

Tipp 3

Immer wieder gehört und doch zu selten beherzigt: Trinken Sie an heißen Tagen mehr als sonst. Fühlen Sie sich schlapp und matt, eignet sich eine salzhaltige Brühe. Mineralhaltige Getränke sind manchmal besser als pures Leitungswasser.

Tipps 4

Mit Alkohol sollte man an den heißen Tagen sparsam umgehen Alkohol belastet den Kreislauf zusätzlich.

Tipp 5

Nehmen Sie die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes ernst: Ab einer gefühlten Temperatur von 32 Grad gilt Hitzewarnung, aber auch darunter können Beschwerden auftreten. Gönnen Sie sich an solchen Tagen mehr Ruhe als sonst.

Tipp 6

Abkühlen ist gut: nach einem langen Sonnenbad sollte man aber keinen Hechtsprung ins kalte Nass wagen. Lassen Sie es langsam angehen und gewöhnen den Körper erst an die kühlere Temperatur.

Tipp 7

Die richtige Kleidung zählt: An warmen Tagen sollten es luftig leichte Baumwollsachen sein und keine eng anliegenden Hosen oder synthetische Materialien. Eine leichte Kopfbedeckung schützt optimal vor Wärme. Ein Strohhut ist besser als eine enge Baseball-Kappe.

Mit diesen Tipps behalten Sie auch an heißen einen kühlen Kopf.


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