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Schleimbeutelentzündung Schmerzhafte Überlastung

Etwa 150 Schleimbeutel gibt es im Körper. Sie wirken dämpfend und sitzen dort, wo Sehnen und Muskeln auf Knochen treffen. Werden sie überlastet, können sie sich entzünden. Das ist sehr schmerzhaft und schränkt die Beweglichkeit erheblich ein. Welche Therapien sind sinnvoll?

Von: Julia Richter Stand: 25.05.2012
Symbolbild für Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen | Bild: colourbox.com, Montage: BR

Schleimbeutel sind eine Art lockeres Bindegewebe. Sie sitzen überall da, wo wir Beugestellen im Körper haben - zum Beispiel am Knie, am Ellbogen aber auch in der Schulter. Genau genommen bestehen sie aus zwei feinen, dünnen Blättern, die übereinander liegen und wie eine flexible Verschiebeschicht dahin gleiten, wo Sehnen, Muskeln und Knochen aufeinander treffen.

Die Funktion: Sie sind eine Art Dämpfer für unsere Gelenke. Kommt es zu einer dauerhaften Überlastung - zum Beispiel durch langes Knien - kann der Schleimbeutel gereizt werden. Er füllt sich wie ein Ballon mit Wasser. Manchmal schwillt er dabei so an, dass er tennisballgroß als "Beule" an der betroffenen Stelle zu sehen ist. Neben der typischen Schwellung kann es auch zu einer deutlichen Erwärmung kommen, die nicht selten auch mit Schmerzen und Rötungen einhergeht.

Wer ist betroffen?

Fliesenleger sind häufig betroffen.

Der häufigste Grund für eine Schleimbeutelentzündung: Überlastung. Besonders häufig trifft es bestimmte Berufsgruppen wie Fliesenleger, aber auch aktive Freizeit-Sportler können gefährdet sein. Sogar Studenten, die beim Lernen lange den Ellbogen aufstützen, gehören zur Risikogruppe: Der sogenannte "Studenten Ellbogen" ist ein etablierter Begriff in der Orthopädie. Aber auch langes Putzen auf Knien oder Gartenarbeiten können zu einer Erkrankung führen.

Manchmal sind auch innere Erkrankungen wie Gicht für eine Schleimbeutelentzündung verantwortlich. In seltenen Fällen können auch Bakterien Schuld sein.

Diagnostik und Behandlungsmethode

Die erste Maßnahme lautet: Das Gelenk kühlen und ruhigstellen. Gut gemeinte Hausmittelchen wie Quarkwickel oder Pferdesalbe bringen meist gar nichts. Verschwinden die Beschwerden nicht von alleine, hilft nur der Gang zum Orthopäden. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt, ob es sich wirklich um eine Schleimbeutelentzündung handelt. In einem ersten Schritt wird der Orthopäde versuchen, das Problem mit konservativen Methoden in den Griff zu bekommen, das heißt ohne eine Operation.

Die konservativen Behandlungsmethoden

Maßnahmen, die je nach Einzelfall eingesetzt werden:

  • Kortisonspritzen
  • Entzündungshemmende Tabletten (sogenannte Nicht-steroidale Antirhreumatika wie zum Beispiel Diclofenac oder Ibuprofen)
  • Stromtherapie
  • Antibiotika (werden in den seltenen Fällen, wo Bakterien Auslöser der Entzündung sind - zum Beispiel nach einem Sturz)
  • Regelmäßige Salben-Verbände mit entzündungshemmenden Gels oder Zinkleim-Verbände. Letztere tragen durch die Kompression zusätzlich zur Abschwellung der betroffenen Stelle bei
  • Punktion: Hier wird die Flüssigkeit aus dem entzündeten Gewebe mit Hilfe einer Spritze entfernt, anschließend wird ein Verband angelegt. Die Behandlung muss mehrmals wiederholt werden. Die Punktion ist quasi die letzte Stufe der Behandlungsmöglichkeiten, bevor operiert wird.

Operation

Dauern die Beschwerden länger als sechs Wochen an, spricht man von einer chronischen Entzündung: Dann ist eine Operation meist nicht zu umgehen. Der entzündliche Teil des Schleimbeutels muss entfernt werden. Im Normalfall bildet der Körper nach einiger Zeit wieder eine ähnliche Struktur nach, quasi als Ersatz.

Sonderfall Schulter

Auch der Schleimbeutel in der Schulter kann sich entzünden. Die Betroffenen sehen hier keine "Beule", dafür liegt der Schleimbeutel zu tief. Meist merken es die Patienten an den Schmerzen und an der Bewegungseinschränkung. Typisches Merkmal: Besonders nachts sind die Schmerzen heftig. Mit der Zeit können viele den Arm kaum noch richtig hochheben.

Ein häufiges Problem: Der Raum unter dem Schulterdach ist von Natur aus eng. Bei manchen ist das so ausgeprägt, dass sie unter dem sogenannten Impingement leiden, das heißt, Sehne und Schleimbeutel sind beim Abspreizen des Armes zwischen Schulterdach und Oberarmkopf eingeklemmt. Wer zum Beispiel berufsbedingt immer wieder seinen Arm hebt und damit falsch belastet, reizt damit den Schleimbeutel. Das Gewebe kann sich entzünden, schwillt dann an und der zur Verfügung stehende Raum wird noch kleiner. Da hilft meist nur noch eine Operation unter Vollnarkose. Ein paar Tage nach dem Eingriff müssen die Betroffenen mit Krankengymnastik beginnen.

Vorbeugung

Verhindern kann man eine Schleimbeutelentzündung kaum, aber man kann einiges tun, um zumindest die Risikofaktoren klein zu halten.

Experten im Beitrag

Prof. Dr. med. Peter Müller
Orthopädische Klinik
Großhadern München

Dr. med. Stephan Zimmermann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
München

Zunächst einmal sollte man versuchen, dauerhafte Überlastungen und Drucksituationen zu vermeiden. Zum Beispiel, indem man sich bei der Gartenarbeit oder beim Fliesenlegen schützende Unterlagen besorgt. Schutzpolster gibt es in jedem Sportgeschäft zu kaufen. Auch ein gut sitzender Laufschuh, der nicht an der Achillesferse drückt, kann sich lohnen. Auch gut: Die Gelenke regelmäßig zu entlasten und Pausen zu machen - zum Beispiel bei Überkopfarbeiten. Wer immer den Ellbogen aufstützt, kann Gel-Unterlagen für den Schreibtisch nehmen. Außerdem kann man die Muskeln so gezielt trainieren, dass man das Impingement in der Schulter ausgleicht, indem man die Rotatorenmanschette gezielt auftrainiert.


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