Keuchhusten Immer mehr Erwachsene sind betroffen!
"Keuchhusten ist eine Kinderkrankheit!" - denkt man. Doch weit gefehlt. 75 Prozent aller Fälle dieser langwierigen Krankheit treten im Erwachsenenalter auf. Auch von anderen klassischen Kinderkrankheiten sind immer mehr Erwachsene betroffen - zum Teil mit fatalen Folgen.
Masern, Röteln, Keuchhusten und Co.: Sie gelten als typische Kinderkrankheiten. Als Erwachsener macht man sich darüber kaum Gedanken. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mit über 50 Jahren an Keuchhusten erkranken könnte", sagt Friederike Engel. Das Ergebnis war eine wochenlange, schwere Erkrankung, die sie ans Haus fesselte. Die Bronchien waren schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Letztlich halfen ihr nur reizlindernde Hausmittel, etwa Bonbons aus Thymian oder Salbei und häufiges Inhalieren.
Keuchhusten - die unterschätzte Krankheit
"Keuchhusten ist eine völlig unterschätze Krankheit. Vor fünfzehn Jahren lag der Anteil der über 20-Jährigen bei 20 Prozent, heute sind es 75 Prozent!"
Prof. Hartwig Klinker von der Uniklinik Würzburg
Experten schätzen die Dunkelziffer der Erkrankungen auf jährlich über 100.000 Fälle. Das Problem: Keuchhusten ist schwer zu diagnostizieren, weil die Symptome bei Erwachsenen, anders als bei Kindern, sehr unspezifisch sind. Die Folgen können jedoch sehr ernst sein. Die Gefahr, an einer Gehirnentzündung zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Da es keine bundesweite Meldepflicht gibt, kann sich der hochansteckende Keuchhusten unter Erwachsenen unerkannt ausbreiten. Und das macht ihn nach Meinung der Experten zur gefährlichsten "Kinderkrankheit" für Erwachsene.
Impfungen auffrischen
Viele wissen nicht, dass gegen Keuchhusten keine lebenslange Immunität besteht - weder durch eine Erkrankung, noch durch eine Impfung. Alle 10 bis 15 Jahre sollte sie aufgefrischt werden, lautet die Empfehlung.
Auch bei anderen typischen Kinderkrankheiten nehmen die Komplikationen im Erwachsenenalter zu - zum Beispiel bei Mumps - aber es handelt sich nur um ganz wenige Fälle pro Jahr. Das gilt auch für die meisten anderen der sogenannten Kinderkrankheiten.
Masern - immer noch nicht ausgerottet
Eine Ausnahme stellen die ebenfalls hochansteckenden Masern dar. Sie sollten nach Willen der Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2010 weltweit ausgerottet sein. Das gelingt zumindest in Deutschland nicht. Immer wieder treten Infektionsherde auf. Jährlich verzeichnen die Behörden 800 bis 1.000 Fälle. Und regelmäßig sterben Erwachsene bei schweren Verläufen daran. Oft treten die Erkrankungen auf, weil Eltern ihre Kinder bewusst den Kinderkrankheiten aussetzen.
"Der Impfschutz durch eine durchgemachte Kinderkrankheit ist nur unwesentlich höher als durch eine Impfung. Der durch die Impfung reicht völlig aus. Man kann auch erwachsen werden, ohne Kinderkrankheiten gehabt zu haben."
Prof. Hartwig Klinker von der Uniklinik Würzburg
Eine Impfung im Kindesalter - mit der nötigen Auffrischung - ist das beste Mittel gegen böse Überraschungen als Erwachsener.
Adressen:
Prof. Dr. Hartwig Klinker
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Universitätskrankenhaus Würzburg
Josef-Schneider-Str. 2
Haus 6 C
97070 Würzburg
Seite des Robert-Koch-Instituts, der nationalen Meldestelle für Infektionskrankheiten. Ausführliches Glossar zu Infektionskrankheiten von A-Z sowie Impfempfehlungen:

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