Bayerisches Fernsehen - Gesundheit!

Handekzeme Was tun gegen die Hauterkrankung?

Händeschütteln? Wer unter einem Handekzem leidet, nimmt meist davon Abstand. Die Entzündungen, Bläschen und Hautrisse sind nicht nur schmerzhaft, sondern jucken auch. Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Von: Judith Kotra Stand: 20.06.2012
Hände | Bild: colourbox.com

Schätzungsweise zehn Prozent der Deutschen sind betroffen. In einigen Berufen, in denen mit hautreizenden Stoffen gearbeitet wird, sind es noch mehr. Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Wir kommunizieren mit unseren Händen, sie sind unsere Visitenkarte, wundervolle Werkzeuge mit ungeahnten Fähigkeiten. Hände können Ausdruck von Schönheit und Eleganz sein. Doch im Laufe unseres Lebens machen sie so manches mit, täglich kommen sie mit zig Schadstoffen in Kontakt und immer öfter überreagieren sie mit einem Ekzem. Schätzungsweise zehn Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen - junge Frauen meist öfter als Männer. Die Hände sind gerötet, trocken und jucken. Symptomatisch sind auch Risse in der Haut, Bläschen, Entzündung der Fingerkuppen und Verhornungsstörungen.

Der Leidensdruck ist sehr hoch, auch deshalb, weil die Reaktion der Umwelt auf die sichtbaren Erkrankungssymptome an den Händen für viele Patienten oft verletzend ist. Sie fühlen sich wie Aussätzige. Dabei ist ein Handekzem nicht ansteckend.

Woher kommt ein Handekzem?

Ein Handekzem kann genetisch bedingt sein, Allergiker haben beispielsweise ein höheres Risiko, an einem Handekzem zu erkranken. Auslöser können aber auch Kontaktallergien mit Schadstoffen, ständige Feuchtarbeit sowie häufiges Waschen der Hände oder das Tragen von sterilen Latex-Handschuhen sein. Dr. med. Sonja Molin von der Klinik und Poliklinik für Allergologie und Dermatologie der LMU fasst zusammen:

"Es gibt drei Hauptursachengruppen, warum jemand ein chronisches Handekzem entwickelt. Eine der Ursachen sind Kontaktallergien, also dass jemand allergisch gegen eine Substanz ist, mit der er mit den Händen Kontakt hat. Die zweite Hauptursache ist der übermäßige Wasser- und Irritantien-Kontakt, das nennt man dann kumulative toxische Belastung. Die dritte Hauptursache ist eine Art angeborene Überempfindlichkeitsneigung auf Umwelteinflüsse. Das nennt man dann Atopie. Ein schweres Handekzem ist eigentlich die häufigste, berufsbedingte Hauterkrankung. Man weiß, dass etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung daran leiden."

Dr. med. Sonja Molin, Klinik und Poliklinik für Allergologie und Dermatologie, LMU München

Risikoberuf: Fliesenleger

Besonders gefährdet sind bestimmte Berufsgruppen - wie zum Beispiel Friseure, Bäcker, Floristen, Reinigungskräfte, Fliesenleger und Zahntechniker - um nur einige zu nennen. Die beste Therapie wäre, die Stoffe zu meiden, die zu dem Ekzem führen. Das ist aber leichter gesagt als getan. Nicht jeder kann so einfach den Beruf wechseln. Auch fürchten viele Patienten, bei anhaltender Arbeitsunfähigkeit den Arbeitsplatz zu verlieren. Wer im Beruf mit möglicherweise allergieauslösenden Kontaktstoffen in Berührung kommt, sollte möglichst früh eine berufsdermatologische Beratung mit dem Hautarzt anstreben.

Behandlungsmöglichkeiten - was hilft?

Die Behandlung des Handekzems ist schwierig und langwierig. Wichtig ist vor allem die Diagnose: Welche Ursache für das Handekzem liegt bei dem Betroffenen vor? Wichtig hierfür sind die individuelle Krankheitsgeschichte, Allergietests und die richtige Einschätzung der Hautbelastung des Einzelnen.

Unangenehm: das Handekzem

Beim chronischen Handekzem ist die Behandlung der Wahl Kortison, im Grunde ein körpereigener Botenstoff, der auch entzündungshemmend wirkt. Doch Kortisonsalben können bei längerer Anwendung die Haut dünn machen und schädigen. Bei einem schweren Verlauf werden auch systematisch Kortisontabletten verschrieben. Doch auch da ist eine längere Anwendung schädlich. Allerdings: Werden solche Kortisonpräparate zu abrupt abgesetzt, kann es manchmal zu einem neuerlichen, noch stärkeren Krankheitsschub kommen.

Auch eine Lichttherapie kann bei einem Handekzem hilfreich sein. Zusammen mit Bädern und Cremes, die lichtsensibilisierend wirken, erfolgen sechs Wochen lang drei bis vier UV-Behandlungen pro Woche. Der Nachteil: Die UV-Strahlung steigert womöglich das Hautkrebsrisiko.

Wenn alle üblichen Behandlungsansätze nicht ausreichen, gibt es ein vielversprechendes Mittel, das erstmals seit November 2008 zugelassen ist. Dabei handelt es sich um einen Vitamin A-Abkömmling, der die Immunreaktion verändern kann, die zum Ekzem führt. Kein Wundermittel, aber für manch schwer geplagten Patienten, der an einer Überreaktion des Immunsystems leidet, bedeutet dieses Medikament neue Hoffnung. Bei einer Studie mit über 1.000 Patienten wurde bei einer Gabe von 30 mg des Vitamin A-Abkömmlings bei knapp 50 Prozent der Patienten eine Abheilung erreicht. Hierzu Dr.med. Sonja Molin von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie LMU:

"Man hat viele Studiendaten erhoben. Man hat gesehen, dass sich das Ekzem bei jedem Patient bessert und jedes zweite abheilt. Es kann natürlich auch mal Nebenwirkungen geben, zum Beispiel leichte Kopfschmerzen in den ersten zehn Tagen der Behandlung oder auch einen Anstieg der Blutfettwerte, weshalb wir regelmäßige Blutkontrollen machen."

Dr. med. Sonja Molin, Klinik und Poliklinik für Allergologie und Dermatologie, LMU München

Händewaschen mit Seife kann die Haut austrocknen.

Die Behandlungsdauer mit dem neuen Medikament beträgt drei bis sechs Monate. Und wie schon erwähnt sind regelmäßige Blutkontrollen erforderlich. Bei Frauen im gebärfähigen Alter müssen auch monatlich Schwangerschaftstests durchgeführt werden. Denn einen Monat vor der Behandlung bis zu einem Monat danach muss eine Schwangerschaft unbedingt ausgeschlossen werden. Die Substanz könnte für ein Ungeborenes sehr schädlich sein.

Adresse:

Selbsthilfegruppe Chronisches Hand- und Fußekzem

Selbsthilfezentrum München
Westendstraße 68
80339 München

E-Mail: selbsthilfe-handundfuss@web.de 

Grundbaustein der Behandlung jedes Handekzems ist aber auch eine nachhaltige Basispflege. Ohne die geht es nicht. Um einen Rückfall zu vermeiden, ist in schweren Fällen das Tragen von Baumwoll- und darüber von allergenarmen Kunststoffhandschuhen angesagt. Das ist auch wichtig für die Vorsorge. Diese kann selbst für gesunde Hände ratsam sein, damit sie auch gesund bleiben.

Pflegetipps

  • Wer zu Handekzemen neigt, sollte keine Ringe und Armbänder tragen.
  • Tomaten, Zitrusfrüchte und Kartoffeln sollten Sie nicht ohne Handschutz schälen.
  • Hautkontakt mit Reinigungs- und Lösungsmitteln oder Fleckenentfernern ist zu meiden.
  • Feuchte und hautreizende Arbeiten nur durchführen, wenn es unbedingt sein muss. Dazu sollten Sie Arbeits- und zusätzlichen Baumwollhandschuhen darunter tragen. Schutzhandschuhe sind unerlässlich für gesunde und schöne Hände.
  • Nur wenn nötig die Hände waschen und nur mit lauwarmem Wasser. Statt Seife verwenden Sie lieber Handwaschöle und benutzen Sie keine Bürsten.
  • Gut abtrocknen und vor allem die Hände mit rückfettenden Cremes einschmieren.
  • In der kalten Jahreszeit ist eine intensive Handpflege besonders wichtig.
  • Kälte beansprucht die Haut, also gilt stets: Nicht ohne Handschuhe rausgehen.

6