Die Akelei: wunderschön anzusehen, ...
Giftige Pflanzen Wenn der Traumgarten zum Alptraum wird
Blauer Eisenhut, Lebensbaum oder Tollkirsche - sie alle sind schön anzusehen und ... extrem giftig. Von der Tollkirsche genügen wenige Beeren, um für Kinder tödlich zu sein. Was tun, wenn der Traumgarten zum Alptraum wird?
Es passiert meist aus Unachtsamkeit. So wie bei der Familie Jungwirth aus Landshut. Es war ein Tag im Juni. Die ganze Familie ist im Garten. Die Eltern sind mit Gartenarbeit beschäftigt, der 6-jährige Daniel spielt Fußball und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Felix geht auf Erkundungstour durch den 1.000 Quadratmeter großen Garten. Es ist ein natürlicher Garten, mit alten Obstbäumen, Beerensträuchern und einigen wilden Ecken. Plötzlich entdeckt Felix eine krautige Pflanze mit leuchtend gelben Blüten – Schöllkraut. Doch nicht die Blüten locken den Kleinen, sondern der milchig-orange Saft, der aus den Stängeln quillt, wenn er sie abreißt. Felix macht die Eltern auf seine Entdeckung aufmerksam, aber die sind zu beschäftigt – und verkennen die Gefährlichkeit der Situation. Felix probiert den orangen Saft des Schöllkrauts und schon kurze Zeit später bereut er es bitter: Über seine Zunge und seinen ganze Rachen breitet sich ein brennender Schmerz aus.
Erste Maßnahme: Giftnotruf
Zum Glück hat sein älterer Bruder ihn beobachtet. Er gibt seinen Eltern den entscheidenden Hinweis. Ein Blick ins Internet offenbart: Schöllkraut ist giftig! Sofort wählen die Jungwirths die Nummer des Giftnotrufs in München, Telefon 089 – 19240. Unter dieser Nummer kommen im Jahr etwa 35.000 Anrufe an. Die meisten betreffen Giftunfälle mit Kindern. Jetzt im Sommer ist für die Ärzte und Berater vom Giftnotruf Hochsaison. Kinder essen zum Glück meist keine großen Mengen von giftigen Pflanzenteilen. Sie probieren nur. Etwa ein Prozent der Giftunfälle mit Kindern verlaufen schwerwiegend. Für etwa 20 Kinder pro Jahr kommt jede Hilfe zu spät.
Was ist giftig?
Im Münchner Giftgarten, eine Abteilung der städtische Baumschule Bischweiler, wachsen etwa 50 giftige Pflanzen. Alle zu finden in deutschen Parks und Gärten oder einfach am Wegesrand. Nur die wenigsten davor sind Exoten. Zu den giftigsten Pflanzen gehört auch Alltägliches, wie beispielsweise der Goldregen – Giftpflanze des Jahres 2012. Der Verzehr von 3 bis 4 seiner Samenschoten kann tödlich sein.
Besonders giftig ist auch der Blaue Eisenhut. Er gilt als die giftigste Pflanze Europas. Alle Pflanzenteile von ihm sind giftig. Die giftigste Pflanze der Welt ist der Lebens- oder Rhizinusbaum. Er steht immer öfter auch in deutschen Gärten. Die tödliche Dosis seines Giftes Rhizin steckt in nur einem einzigen Samenkorn. Von der Tollkirsche reichen schon 3 bis 4 Beeren, um ein Kind in Lebensgefahr zu bringen. Tückisch dabei ist, dass die Beeren auch noch gut schmecken.
Aber auch Seidelbast, Pfaffenhütchen, Thuje, Eibe, Efeu und Oleander sind giftig. Wer eine Führung im Münchner Giftgarten mitmacht, der fällt nicht selten aus allen Wolken, wenn er hört, welche Pflanzen giftig sind, aber seit Jahren unbeachtet im Garten stehen. Aufklärung ist deshalb das oberste Ziel der Stadt München, die den Giftgarten betreut. Regelmäßig werden Kindergärten, Schulklassen und andere durch das Reich der Giftpflanzen geführt.
Welche Erste Hilfe ist richtig?
Pflanzen-Gifte können auf verschiedenste Weise wirken. Die meisten verursachen Durchfall und Erbrechen, weil sie den Magen-Darm-Trakt reizen. Daneben gibt es aber auch Gifte, die auf das Gehirn wirken, Halluzinationen, Krampfanfälle und auch Atemlähmungen auslösen können. Andere Gifte wirken auf die Nerven und verursachen Lähmungen. Wieder andere wirken auf das Herz-Kreislauf-System und führen zu Herzrhythmusstörungen.
Als Erste-Hilfe-Maßnahmen sind eigentlich nur zwei Dinge zu empfehlen: dem Vergiftungsopfer sollte zu Trinken angeboten werden, am besten reines Wasser ohne Sprudel. Damit kann das Pflanzengift verdünnt und in seiner Wirkung abgemildert werden. Selten treten die Symptome - so wie bei Felix - sofort auf. Das liegt daran, dass der Verdauungstrakt einige Zeit braucht, bis er die Pflanze soweit aufschließt, dass auch die Gifte freigesetzt werden. Die zweite wichtige Maßnahme ist deshalb, den Vergifteten über einen Tag zu beobachten. Halten die Symptome an oder verschlimmern sie sich, dann sollte auf jeden Fall ein Arzt oder die Klinik aufgesucht werden.
Experten warnen davor, künstliches Erbrechen – etwa mit Hilfe von Salzwasser oder anderen Methoden – herbeizuführen. Dabei kann Mageninhalt in die Lunge geraten und eine Lungenentzündung oder Erstickungsanfälle auslösen. Auch Milchtrinken ist eher kontraproduktiv, da manche Gifte durch das Fett in der Milch schneller vom Organismus aufgenommen werden können. Das einzige, was noch zu empfehlen ist, ist Kohle-Pulver. Die Kohle bindet das Gift und hilft, es auszuscheiden. Eine Maßnahme, die oft auch in der Klinik zum Einsatz kommt.
Aufklärung ist bei Kindern und bei Erwachsenen sinnvoll
Link-Tipps
Hilfe und Infos erhalten Sie hier:
Felix hat zum Glück nur wenig von dem Schöllkrautsaft verschluckt. Seine Vergiftung verlief glimpflich. Hätte er mehr erwischt, wäre die Sache schlimmer ausgegangen. Die Jungwirths wollten deshalb das Schöllkraut in ihrem Garten ausmerzen. Aber vergeblich – es kommt immer wieder. Und schließlich gibt es auch noch andere giftige Pflanzen in dem Garten, wie zum Beispiel den Buchsbaum. Ein Leben ohne Giftpflanzen ist kaum möglich. Die einzige Lösung ist, Kinder frühzeitig über die Gefahren aufzuklären.
Aber auch Erwachsene sollten auf der Hut sein. Das zeigt sich jedes Frühjahr, wenn Menschen Bärlauch in der Natur sammeln. In den letzten Jahren häuften sich die Verwechslungen mit den Blättern von Maiglöckchen und Herbstzeitlose. 5 bis 10 Blätter der Herbstzeitlose genügen, um bei einem Erwachsenen Leberversagen auszulösen oder sogar den Tod herbeizuführen.

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