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Welche Methode ist besser? Bypass-OP oder Stent-Implantation

Eine Bypass-Operation ist ein aufwendiger Eingriff am schlagenden Herzen. Weit weniger dramatisch erscheint das Einsetzen von Stents. Nun zeigt eine Studie, dass die vermeintlich schonendere Methode in vielen Fällen die schlechtere Alternative ist.

Autor: Annette Bögelein Stand: 13.02.2012

Vor einer Bypass-Operation fürchten sich viele Patienten: Schließlich muss der Brustkorb geöffnet werden, es ist ein mehrstündiger, aufwändiger Eingriff am schlagenden Herzen. Weit weniger dramatisch erscheint im Vergleich dazu das Einsetzen von Stents im Katheterlabor. Die OP dauert nicht einmal eine Stunde und der Patient braucht dazu keine Narkose. Doch nun zeigte eine internationale Vergleichsstudie, dass die schonendere Methode in vielen Fällen die schlechtere Alternative ist.

Was ist ein Bypass?

Für einen Bypass werden körpereigene oder künstliche Gefäßprothesen verwendet, die das Blut im Herz umleiten sollen. Engstellen im Herzgefäß werden mit einem neuen Blutgefäß überbrückt. Die Überlebenschancen sind heute viel besser als früher.

Unkomplizierte Stentimplantation

Sehr in Mode gekommen sind die Gefäßstützen – die sogenannten Stents. Mit diesen werden verengte Herzkranzgefäße viel häufiger behandelt als mit einem Bypass. Der Eingriff dauert nicht einmal eine Stunde und der Patient ist bei Bewusstsein. Die Stents können bei Bedarf gleich während einer Katheteruntersuchung am Herzen eingesetzt werden. Sozusagen in einem Aufwasch. 2010 bekamen in Deutschland mehr als 300.000 Herzpatienten einen Stent eingesetzt. Sie übertreffen die Bypass-Operation um das Sechsfache!

Was ist ein Stent?

Ein Stent ist eine Hülse, die über eine Arm- oder Beinvene in das Herz geschoben wird. Sie wird genau an die Engstelle im Herz platziert und dehnt dort das Gefäß, so dass das Blut wieder ungehindert hindurch fließen kann.

Bessere Überlebenschancen mit Bypass

Doch nun zeigt eine internationale Vergleichsstudie (Syntax-Studie), dass der Trend zur schonenderen Methode längerfristig gesehen für manche Patienten riskant ist. Vier Jahre lang wurden weltweit 1.800 Patientendaten ausgewertet. Die Ergebnisse: Die Überlebenszahlen bei Bypass-Patienten sind besser als bei Herzpatienten, die mit einem Stent behandelt wurden. Innerhalb von vier Jahren verstarben 11,7 Prozent der Stent-Patienten und nur 8,8 Prozent der Bypass-Patienten. Außerdem kam es in der Bypassgruppe mit 3,8 Prozent seltener zum Herzinfarkt nach dem Eingriff als in der Stentgruppe. Dort waren es 8,3 Prozent.

Kardiologen und Herzchirurgen im Team

Oft wollen die Patienten aber lieber die Stent -Therapie und sind sehr froh, wenn sie nicht am offenen Herzen operiert werden müssen. Auch ist ein Bypass nicht generell besser als ein Stent. Es kommt auf die Art und Schwere der Erkrankung an, welche Therapie die geeignetere ist. Deshalb sind die Mediziner gefordert, um die beste Lösung für den Einzelfall zu finden. Das geht am besten, wenn Kardiologen und Herzchirurgen in einer Klinik eng zusammenarbeiten. Das ist aber nicht in allen Krankenhäusern der Fall.

Wann Bypass, wann Stent?

Kontakt

Herzchirurgische Klinik Universitätsklinikum Erlangen
Direktor: Prof. Dr. med. Michael Weyand
Krankenhausstrasse 12
91054 Erlangen
www.herzchirurgie.uk-erlangen.de

Universitätsklinikum Erlangen Medizinische Klinik
2 Direktor: Prof. Dr. med. W.G. Daniel
Ulmenweg 18
91054 Erlangen

Auch wenn der Einsatz einer Gefäßstütze schonender ist, muss man anschließend darauf achten, dass sich diese nicht wieder verschließt. Weil der Stent exakt an einer verengten Stelle eines Herzgefäßes platziert wird, kann es dort zu Komplikationen kommen. Je mehr Stents eingesetzt werden, umso größer ist die Gefahr. Der Bypass wird dagegen als Umleitung zu einem kranken oder engen Blutgefäß im gesunden Bereich des Herzens angebracht und führt dadurch wieder zu einer guten Durchblutung des Herzens.

Immer dann, wenn mehrere Gefäße und vor allem die Herzkranzgefäße betroffen sind, raten Herzchirurgen eher zu einer Bypass-OP. Bei leichten Durchblutungsstörungen des Herzens ist die Gefäßprothese, der Stent, eine sehr gute Therapie.