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Brustkrebs Auch Männer sind betroffen

Brustkrebs. Bei diesem Thema denken die meisten Menschen an Frauen. Doch Brustkrebs ist keine reine Frauensache, auch Männer können daran erkranken. Und weil Brustkrebs bei Männern vergleichsweise selten ist, wird er häufig erst spät erkannt.

Von: Julia Richter

Stand: 05.05.2014

In Deutschland erkranken im Jahr rund 600 Männer an Brustkrebs – bei Frauen sind es etwa 60.000. Das Risiko ist für Männer also vergleichsweise gering. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei Männern deutlich höher als bei Frauen, nämlich bei etwa 70 Jahren. Für die meisten Betroffenen ist die Diagnose nicht nur ein Schock, viele sind auch überrascht, dass sie als Mann daran erkranken können. So wie Gerhard Morlat:

"Das hat mich erstmal ganz schön getroffen. Ich war am Boden. Mir war bisher auch nicht bewusst, dass es Brustkrebs überhaupt bei Männern geben kann. Ich habe nicht damit gerechnet, dass man verblödelt wird, wenn es heißt, du hast eine Frauenkrankheit. In meinem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis ist das sehr ernst aufgenommen worden."

Gerhard Morlat, 47 Jahre

Brustkrebs bei Männern - meist eine Zufallsdiagnose ...

Dass etwas mit seiner Brust nicht stimmt, stellt der 47-Jährige zufällig fest – so wie fast alle Männer. Nach dem Duschen spürt er beim Abtrocknen einen Knubbel an der Brust und zeigt ihn seiner Lebensgefährtin. Die ist alarmiert und schickt ihn zu ihrer Frauenärztin.

Am Ende landet Gerhard Morlat im Brustzentrum der LMU in München - in der Frauenklinik. In Deutschland sind nämlich die Gynäkologen auf die Behandlung von Brusterkrankungen spezialisiert – auch wenn das für manche Männer anfangs etwas irritierend oder unangenehm sein kann.

"Wenn Männer einen Knoten an der Brust tasten, denken sie erst mal, dass kann nicht sein. Mit Brustkrebs hat das sicher nichts zu tun. Das ist falsch, auch Männer können Brustkrebs kriegen. Etwa ein Prozent unserer Patienten sind Männer. Mein Rat ist: Gehen Sie in ein zertifiziertes Brustzentrum, das Ihnen Ihr Hausarzt empfiehlt. Denn dort haben die Kollegen die Erfahrung mit der Diagnostik und auch der Therapie von Brusterkrankungen."

Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Brustzentrum der LMU in München

Typische Symptome bei Männern

Die Symptome von Brustkrebs bei Männern ähneln im Prinzip den Symptomen von Frauen und sollten sofort abgeklärt werden.

  • Veränderung der Brustwarze z. B. Sekretabsonderung, Bluten, Einziehen
  • Knoten oder Verhärtung in der Brust
  • Knoten in den Achselhöhlen (Veränderung der Lymphknoten)

Brustkrebs-Diagnose beim Mann

Brustkebs bei der Frau

Jede achte bis zehnte Frau in Europa erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs - im Bild: Brustgewebe auf Mammographie-Bild | Bild: picture-alliance/dpa zum Thema Diagnose Brustkrebs Therapien und Lebenshilfe

Tumor ist nicht gleich Tumor. Insbesondere beim Brustkrebs hat die Forschung in den letzten Jahren immense Fortschritte gemacht: So können die Ärzte heute je nach Krebsgewebe die Therapie für jede Frau individuell abstimmen. [mehr]

Die Diagnose unterscheidet sich nicht wesentlich von der Brustkrebs-Diagnostik bei Frauen. Am Anfang steht eine Tastuntersuchung, dann folgen Ultraschall und Mammografie. Jede verdächtige Veränderung wird in der Regel durch eine feingewebliche Untersuchung abgeklärt, mit der sogenannten Stanzbiopsie. Die Probe sagt einiges über die „Tumoridentität“ aus und liefert Erkenntnisse darüber, wie die Behandlung aussehen muss.

Für Gerhard Morlat ist das Ergebnis ein Schock: Der Tumor ist tatsächlich bösartig; und er ist besonders aggressiv. Auch seine Lymphknoten sind bereits befallen. Warum er Brustkrebs hat, wissen die Ärzte nicht.

Unter anderem wird ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt für die Entstehung von Brustkrebs mitverantwortlich gemacht, denn auch Männer produzieren das weibliche Hormon Östrogen.

"Neben genetischen Ursachen spielen hormonelle Verschiebungen eine Rolle. Mehr weibliches Hormon zum Beispiel bei sehr starkem Körpergewicht, Leberfunktionsstörungen, Hodenerkrankungen – aber warum nun ein einzelner Patient, der vor uns sitzt, Brustkrebs hat, wissen wir nicht."

Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Brustzentrum der LMU in München

Nicht nur für ihn selbst ist die Diagnose ein Schock – auch für seine Familie.

"Für mich war das Schlimmste eigentlich, es meiner Tochter zu sagen. Weil da grundsätzlich die Verbindung ist: Krebs ist gleich Tod, und die Oma hat das auch schon und ... wie auch immer. Von dem her war das eigentlich das Schlimmste, mich hier das erste Mal zu outen."

Gerhard Morlat

Behandlung von Brustkrebs

Gerhard Morlat muss schnell operiert werden. In der Regel wird bei Männern die gesamte Brust entfernt. Entscheidend ist es dabei, das gesamte Gewebe zu entfernen, das von Krebszellen befallen ist, sowie einzelne, regionale Lymphknoten herauszunehmen. Anschließend folgen Chemotherapie und Bestrahlung.

Wegen der Bestrahlung werden auf der operierten Seite keine Haare mehr wachsen, auch mit der Narbe muss er künftig leben. Trotzdem kann Gerhard Morlat gut mit den optischen Veränderungen leben.

"Es hat davor geheißen, es kann nicht garantiert werden, dass man zum Beispiel die Brustwarze erhält. Auch die Narbe unterm Arm, wie sich das da verhält, wie das sichtbar ist, da hat man sicherlich Ängste, wenn man wieder aus der Narkose aufwacht. Also, ich kann sehr gut leben und damit auch gut umgehen. Ich habe auch keine Probleme, mich im Sommer wieder in der Badehose zu zeigen oder wieder ganz normal meinen Freizeitaktivitäten nachzugehen."

Gerhard Morlat

Seine Heilungschancen sind gut, wie auch bei Frauen gilt: Je früher man den Krebs erkennt, desto besser.

"Generell gilt, Männer haben die gleichen Heilungschancen – stadienbezogen - wie Frauen – das hießt, je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Und deswegen noch mal der ganz klare Appell, Männer sollten Veränderungen im Bereich der Brust und der Achselhöhle ernst nehmen, und wenn was neu aufgetreten ist, das abklären lassen."

Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Brustzentrum der LMU in München

Nach der Behandlung im Krankenhaus muss Gerhard Morlat sich nun auch konsequent einer Anti-Hormontherapie unterziehen – genau wie sie auch Frauen verschrieben wird. Die soll einem Rückfall vorbeugen.

"Bestimmte Tumorzellen reagieren auf Östrogene, sie haben Empfängerantennen, wenn man so will, für Östrogene. Wenn die Östrogene auf die Tumorzellen wirken, werden sie im Wachstum angeregt. Und das wollen wir natürlich verhindern. Wir wollen, dass die Tumorzellen absterben und deswegen kriegt der Patient ein Anti-Östrogen. Da ist eine Tablette am Tag. Die muss er nach heutigem Erkenntnisstand über fünf Jahre einnehmen."

Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Brustzentrum der LMU in München

Vorsorgeuntersuchungen bei Männern?

Entsprechende Vorsorgeuntersuchungen wie sie bei Frauen durchgeführt werden, gibt es für Männer nicht. Wenn aber auch Männer an Brustkrebs erkranken können, stellt sich die Frage, ob auch für sie entsprechende Untersuchungen sinnvoll wären.

"Ich denke, ein Screening für Männer macht keinen Sinn. Dafür ist die Krankheit zu selten. Männer sollten aber ein Brustbewusstsein entwickeln. Und es gibt Familien, wo Brustkrebs häufig vorkommt - bei Mutter, Tante, Cousinen - und Männer aus solchen Familien sollten sich erkundigen, ob in der Familie schon ein Gentest durchgeführt wurde oder sich selber auch beraten lassen. Gerade in solchen Familien haben wir auch viele Männer, die Brustkrebs entwickeln."

Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Brustzentrum der LMU in München

Gerhard Morlat glaubt fest daran, dass er den Kampf gegen den Brustkrebs gewinnen wird. Auch wenn eine Restangst bleibt: Der 47-Jährige will sich davon nicht unterkriegen lassen.

"Mein Ansinnen ist es selbstverständlich, dass es wieder vorwärts geht. Meine Familie braucht mich. Ich muss für sie da sein. Und ich habe noch wahnsinnig viele Ziele in meinem Leben, die will ich einfach noch erfüllen und erreichen."

Gerhard Morlat

Betroffene müssen regelmäßig zur Nachsorge. Spezielle Hilfsangebote, die sich auf Männer mit Brustkrebs konzentrieren, sind eher selten.


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