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Thrombophilie Wenn der Blutfluss gestört ist

Ein dickes, schmerzendes Bein kann ein Anzeichen für eine Thrombose sein. Risikofaktoren für eine Thrombophilie, die Neigung, Blutgerinnsel zu bilden, gibt es viele. Die eigene Lebensführung, aber auch eine genetische Veranlagung können Gründe sein.

Von: Katharina Kerzdörfer Stand: 18.06.2012

Iris Zink ist ständig in Bewegung. Das macht sie nicht nur für ihre Fitness: Ohne regelmäßigen Sport würde Iris Zink wahrscheinlich wieder krank werden.

"Manche sagen ja, Sport ist Mord, aber eigentlich hat der Sport mich mal gerettet. Und ich glaube auch, er wird mich ein Leben lang davor schützen, dass ich wieder krank werde."

Iris Zink

Durch die Bewegung bleibt der Blutfluss in ihren Venen im Gang. Iris Zink hat Thrombophilie, eine Neigung, Thrombosen zu entwickeln. Selbst beim Joggen trägt sie Kompressionsstrümpfe.

Alles beginnt vor 12 Jahren: Iris Zink bekommt kurz nach der Geburt ihres Sohns Fieber und Schmerzen. Sie muss ins Krankenhaus. Die Ärzte diagnostizieren eine Thrombose, sogar eine Lungenembolie. Iris Zink überlebt. Ihre Therapie: Bewegung und drei Jahre Blutverdünnungsmittel.

Lebensgefahr: Lungenembolie

Thrombosen entstehen vor allem in Beinvenen, aber auch im Becken. Bei Iris Zink hatte sich ein Blutgerinnsel gebildet, das über das Becken bis hin zu einer Lungenarterie gelangte und diese schließlich verstopfte. Eine Lungenembolie - Lebensgefahr für Iris Zink.

"Das war vielleicht das Schwierigste an dieser Zeit, dass ich in dem Moment, wo man sich auf sein Baby konzentrieren will, sehr, sehr lange in der Klinik war und auch lange nicht klar war, wie diese Krankheit ausgehen wird. Das war schon gefährlich und dramatisch."

Iris Zink

Risikofaktoren

Das Risiko eine Thrombophilie zu entwickeln, steigt ...

  • durch Übergewicht
  • durch Rauchen
  • bei Schwangerschaft
  • bei der Einnahme der Anti-Baby-Pille
  • bei langem Liegen nach einer Operation
  • bei zunehmendem Alter
  • bei Krebserkrankungen

Aber erst wenn mehrere Faktoren gleichzeitig zusammentreffen, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombophilie, sagt Professor Michael Spannagl vom Klinikum der Universität München. Außerdem könne man als Patient die eigene Thrombophilie-Neigung senken.

"Wenn man etwa durch Übergewicht oder eingeschränkte Beweglichkeit ein höheres Thromboserisiko hat, dann wär ganz wichtig, dass man über Mobilität, Sport, Bewegungstherapie konsequent das Thromboserisiko senkt."

Professor Dr. Michael Spannagl, Klinikum der Universität München Erbliche Veranlagung

Symptome in den Beinen ernst nehmen

Neben der sogenannten erworbenen Thrombophilie gibt es auch eine angeborene Thrombophilie. So eine hat Peter Birner. Schon sein Vater war krank. Wenn Peter Birner länger sitzt, legt er die Beine hoch. So wird der Blutfluss in seinen Beinen nicht gestört. Seit gut 40 Jahren nimmt er Blutverdünner, damit sich keine Blutgerinnsel in seinem Körper bilden.

"Wenn ich mich darauf konzentriere, dass ich ein Bluter bin und ich mich nix mehr machen traue, das wäre ja schlimm, man lebt genauso weiter. Toi, toi, toi - ich habe nie eine größere Verletzung gehabt, wenn man sich mal schneidet oder was blutet es natürlich viel länger, aber es ist zu ertragen."

Peter Birner

Peter Birner wird einmal im Monat Blut abgenommen, er hat eine sogenannte Faktor-V-Leiden-Mutation. Dabei ändert ein Protein, das für die Blutgerinnung verantwortlich ist, seine Eigenschaften. Diese Änderung ist im Blut nachweisbar. Im Labor kann festgestellt werden, wie hoch die Gerinnungsneigung im Blut des Patienten derzeit ist. Die genaue Dosierung der Medikamente wird entsprechend angepasst. So können Nebenwirkungen minimiert werden.

"Die Gefahr, dass es zu starken Blutungen kommt, ist nach meiner Erfahrung heute sehr gering. Da wir durch exakte Anpassung der Dosis für den einzelnen Patienten nur mehr wenige Blutungskomplikationen erleben."

Professor Dr. Michael Spannagl, Klinikum der Universität München

Die richtige Vorsorge

Blutverdünner, Thrombosestrümpfe und vor allem genügend Bewegung - das alles ist für die Gesundheit von Peter Birner wichtig. Seine Erkrankung ist fest in seinem Alltag integriert.

Auch Iris Zink hat sich mit ihrer Krankheit arrangiert. Jedes Jahr geht sie zur Vorsorgeuntersuchung. Im Ultraschall können Ärzte kontrollieren, ob ihre Venen gut durchblutet sind. Gefäßspezialistin Dr. Antje Rademacher rät bei folgenden Symptomen zur Vorsicht.

"Es ist wichtig, daran zu denken, wenn man plötzlich Schmerzen im Bein hat und vor allem, wenn das Bein anschwillt, dass man dann zum Arzt geht und das abklären lässt."

Dr. Antje Rademacher, Fachärztin für Angiologie

Achtsam sein muss Iris Zink ein Leben lang - besonders auf Reisen. Vor längeren Flügen spritzt sie sich den Blutverdünner Heparin. Auch Gesunde sollten vor Reisen darauf achten, genügend zu trinken und sich ausreichend zu bewegen. Besonders effektiv ist die sogenannte "Wadenpumpe", das abwechselnde Anheben der Fersen. So wird die Durchblutung in den Venen gesteigert.


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