Arzneipflanze des Jahres Süßholz gegen Husten und Entzündungen
Süßholz beruhigt einen rauen Hals. Die Arzneipflanze des Jahres 2012 lindert bei Bronchialinfekten die Beschwerden und sorgt dafür, dass sich der Schleim löst und man besser abhusten kann. Außerdem wird Süßholz bei Erkrankungen der Magenschleimhaut eingesetzt.
Schon die alten Ägypter wussten um die Heilwirkung der Süßholzwurzel, die dem Pharao Tutanchamun als Grabbeigabe mitgegeben wurde. Auch von griechischen Ärzten ist überliefert, dass sie die Wurzel bei Heiserkeit, Husten, Asthma und Leberleiden verabreicht haben.
Den Bestand sichern
Seiner Wirkung wegen kürte der "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" der Universität Würzburg die Süßholzwurzel zur Arzneimittelpflanze des Jahres 2012. Die Wahl wurde in Zusammenarbeit mit der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) getroffen. Der Grund: Süßholz kann nicht nur auf eine lange Tradition als Heilmittelpflanze verweisen. Sie ist nach wie vor eine Wildpflanze, deren Bestand es zu sichern gilt, damit die nächsten Generationen auch davon profitieren können.
Bamberg war Hochburg des Süßholzanbaus
Die Süßholzpflanze wird traditionell in wärmeren Gebieten angebaut, unter anderem in Italien, Südfrankreich, Spanien, der Türkei, dem Kaukasus, Usbekistan, Iran, Afghanistan und China. Aber auch im fränkischen Bamberg galt seit dem späten Mittelalter als Hochburg des Süßholzanbaus. Die Wurzel bescherte der Stadt Reichtum und Ansehen. Sie wurde bis nach Prag und Ungarn exportiert. Einer Bamberger Tradition zufolge wurden die Honoratioren der Stadt mit geflochtenen Kränzen aus der Süßholzwurzel beschenkt. Während der Anbau in den letzten 50 Jahren fast gänzlich zum Erliegen kam, hat sich die "Bamberger Süßholzgesellschaft" der Pflanze wieder angenommen: Seit 2011 betreibt sie ein Pilotprojekt, um die urbanen Gartenbauflächen der Tradition gemäß zu nutzen. Doch bis man in Bamberg reiche Ernte einfahren kann, vergehen mindestens noch drei Jahre.
Acht Meter lange Wurzeln
Gut einen Meter Höhe erreichen die Süßholzstauden, die im Herbst zurückgeschnitten werden. Doch das eigentlich interessante an der Pflanze sind die Wurzeln. Nach gut vier Jahren sind sie quasi reif für die Ernte. Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, die Wurzeln, die bis zu acht Meter lang werden können, auszugraben, ohne sie zu beschädigen. In der Regel wird nicht die gesamte Wurzel ausgegraben, sondern Teile im Boden belassen, damit sie schneller wieder nachwachsen kann.
Die Wurzel wird getrocknet und weiterverarbeitet, beispielsweise zu Tees oder zu Lakritz.
Entzündungshemmende Wirkung
Der pharmakologisch interessanteste Wirkstoff der Süßholzwurzel ist die Glycyrrhizinsäure. Prof. Werner Dressendörfer, Apotheker und Pharmaziehistoriker aus Bamberg verweist auf die entzündungshemmende Wirkung der Glycyrrhizinsäure:
"….Glycyrrhizinsäure sorgt dafür, dass der Körper das von ihm gebildete Cortisol verlangsamt ausscheidet. Dadurch steigt der Spiegel im Körper an, und Cortisol ist ein hervorragendes Mittel gegen Entzündungen; speziell auch im Bronchialraum."
Prof. Werner Dressendörfer
Der erhöhte Cortisolspiegel macht sich auch bei Entzündungen der Magenschleimhaut positiv bemerkbar.
Wirkt gegen Helicobacter pylori
Weitere kurativ wirksame Inhaltsstoffe sind die in der Süßholzwurzel enthaltenen Flavonoide, Cumarine sowie Polysaccharide. Polysaccharide bewirken unter anderem, dass die Halsschleimhäute mit einem schützenden Schleimfilm überzogen und so vor Bakterien und Viren geschützt werden. Zudem sollen die enthaltenen Polysaccharide verhindern, dass sich der Erreger Helicobacter pylori, der zu schwerwiegenden Entzündungen der Magenschleimhaut führen kann, an der Schleimhaut festsetzt.
Tradition in der chinesischen Medizin
Auch in der ayurvedischen sowie der chinesischen Medizin wird die Süßholzwurzel seit vielen tausend Jahren genutzt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin gehört sie zu den 50 Basiskräutern, die unter anderem zu Teemischungen, Granulaten oder Teeextrakten vermischt werden.
"Vor allem der harmonisierenden Wirkung der Süßholzwurzel ist es zu verdanken, dass auch teils konträre Komponenten zu größeren Rezepturen mit zehn und mehr Inhaltsstoffen verarbeitet werden können. Einerseits verringert die Süßholzwurzel die Toxizität bestimmter Inhaltsstoffe und verstärkt anderseits die Wirkung anderer Inhaltsstoffe. Als Einzeldroge wird sie in der chinesischen Medizin nicht verabreicht, sondern immer im Verbund mit anderen Kräutern."
Doktor Hans Leonhardy, Arzt, der sich auf die Anwendung der chinesischen Medizin spezialisiert ist, München.
Zu viel ist schädlich
Wie für die meisten Drogen gilt auch für die Süßholzwurzel: Zu viel kann sich ungünstig auf die Gesundheit auswirken. Professor Werner Dressendörfer verweist in diesem Zusammenhang auf die Wasserspeichernde Wirkung eines erhöhten Cortisolspiegels. Gerade Patienten mit Bluthochdruck oder Schwangeren rät er deshalb von Süßholzprodukten ab. Für gesunde Menschen empfiehlt er eine maximale Tagesdosis von 5 bis 10 g.

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