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Kambo Ein Frosch, der Tod oder Heilung bringt

Es sind die exotischen Amphibien, die den wohl größten Schatz an potentiellen medizinischen Wirkstoffen in sich tragen. Im brasilianischen Urwald leben die Katukina Indianer. Für sie spielt seit Jahrtausenden der Kambo, ein giftiger Frosch, eine zentrale Rolle.

Stand: 30.06.2010
Kambofrosch | Bild: BR

Das Giftsekret ist überall auf der Haut des Kambo zu finden, vor allem auf dem Rücken. Er sondert das Gift ab, wenn er belästigt wird. Das Gift produziert diese Gattung erst durch die Nahrung, die sie aufnimmt. Die Stoffwechselprozesse aber, die zu dieser Giftproduktion führen, sind noch weitgehend unbekannt. Interessant ist, dass diese Frösche in Gefangenschaft kein Gift mehr produzieren. Noch nie ist es gelungen, die richtigen Nahrungsbedingungen zu schaffen.

Heilung von Körper, Geist und Seele

Die Katukina Indianer wissen, was das Gift bei ihnen auslöst: veränderte Wahrnehmung, Herzrasen, Erbrechen, Durchfall, Schwindel. Aber sie haben gelernt: Es ist nur die Dosis, die aus Gift ein Heilmittel macht. Sie verwenden es zur Heilung von Körper, Geist und Seele: Sorgen, Ängste, Depressionen, körperliche Beschwerden jeder Art, für größeres Glück in der Liebe und auf der Jagd - dafür nutzen sie das Gift. Sie verwenden es ab dem Kindesalter bis ins hohe Alter. Es ist das einzige Medikament, das dieses Volk von Anfang an bis heute benutzt. Deswegen schätzen und respektieren sie es.

Da das Gift am wirkungsvollsten über die Blutbahn aufgenommen wird, wird die Haut des Patienten an mehreren Stellen mit einem glühenden Holz berührt. Das Gift hilft bei Erkältungen, Magenbeschwerden, Migräne, bei Entzündungs- und Geschlechtskrankheiten sowie bei schlechten Gefühlen.

Stärker als Morphium

Analysen zeigen: Das Gift enthält Demorphin, einen Schmerzkiller, 33 Prozent stärker als Morphin und Deltorphin. Es enthält eine antibakterielle Substanz, die bei Malaria und AIDS eingesetzt werden könnte. Andere Substanzen wirken gegen Depression und bei Herzerkrankungen.

Die Nebenwirkungen allerdings sind heftig. Gelänge es, sie zu reduzieren und die einzelnen Substanzen im Labor synthetisch herzustellen, wäre dieses Gift ein Megaseller für die Pharmaindustrie.

Das Geschäft mit dem Wissen der anderen

1987 kommt das Gift des Kambo - ohne Genehmigung - außer Landes. Verschiedene Institutionen analysieren das Toxin - und melden sofort Patente darauf an. Das ist Biopiraterie. Denn das Wissen stammt von den Katukina Indianern.

Biopiraterie - dagegen kämpft Michael Schmidtlehner seit Jahren. Der Österreicher gründete in Brasilien "Amazonlink", eine Organisation, die die indigenen Völker über ihre Rechte aufklärt und sie im Kampf gegen patentsüchtige Wissenschaftler und Firmen berät und vertritt.

Patente auf das Gift des Kambofrosches

Er informiert die Katukina darüber, dass weltweit über 20 Patente auf das Gift des Kambofrosches erteilt wurden. Was Firmen und Forscher damit machen, ist unbekannt. Ebenso, ob es bereits Medikamente mit diesen Substanzen gibt. Es wäre nur fair, wenn die Katukina und andere indigene Stämme an den Umsätzen beteiligt würden. Denn ohne ihr Wissen hätte niemand von der hohen Wirksamkeit des Kambo-Giftes erfahren. Die Wissenschaftler haben das Gift nicht erfunden, nur analysiert, und das ist nicht patentfähig.

"Die Katukina Indianer wissen nichts von diesen Patenten und haben natürlich auch kein Benefit-Sharing, wie das so oft der Fall ist. Wir sehen es als unsere Aufgabe, da einen Finger darauf zu halten und zu sagen, da passiert etwas, da werden Eigentumsrechte angehäuft. Und die Völker, die hier leben, die diesen Frosch wirklich kennen und ihn über Jahrtausende erhalten haben, sind ausgeschlossen von diesem Prozess."

Michael Schmidtlehner, Amazonlink, Brasilien

Von den Geschäften mit dem Gift des Kambo werden die Katukina nicht profitieren. Man hat sich ihres Wissens um das Gift bedient, hat sie einfach ausgenutzt. Die Ausfuhr von Tieren und Pflanzen jeder Art ist stark reglementiert worden. Für die Katukina kommt diese Entwicklung zu spät.


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