Pflegeversicherung Was bringt der Pflege-Bahr?
Wer im Alter Pflege benötigt, für den wird es teuer. Durch den sogenannten Pflege-Bahr, eine staatlich geförderte, private Pflegezusatzversicherung, soll das Pflegerisiko abgesichert werden. Doch bringt diese Versicherung wirklich etwas? Gesundheit! hat den Pflege-Bahr genauer unter die Lupe genommen.
In Deutschland tickt eine demografische Zeitbombe. Wir werden immer älter und demnach wird auch die Zahl der Pflegefälle in den nächsten Jahren dramatisch ansteigen, von derzeit 2,46 Millionen auf 3,5 Millionen im Jahr 2030, so die Schätzungen. Wer im Alter Pflege benötigt, für den wird es teuer. Die Wenigsten können die hohen Sachleistungen für eine ambulante Pflege aus eigener Tasche bezahlen.
| Monatliche Pflegeheimkosten | durchschnittlich 3.260 Euro | |
| Leistung der gesetzlichen Pflegeversicherung | 1.550 Euro | |
| Eigenanteil | 1.716 Euro |
Der Pflegebedürftige hat einen Eigenanteil von 1.716 Euro zu stemmen, dazu kommen noch die Kosten für seinen individuellen persönlichen Bedarf.
Eine private Absicherung des Pflegefallrisikos ist fast unverzichtbar
Nur knapp 1,8 Millionen Deutsche besitzen eine private Pflegevorsorge. Viel zu wenig, meint der Staat. Das soll sich jetzt ändern - mit einer privaten Pflegegeldversicherung, die der Staat fördert, auch Pflege-Bahr genannt. Seit Januar sind erste Tarife privater Krankenversicherer auf dem Markt, beispielsweise von Barmenia und HUK-Coburg. Verträge der geförderten Pflegeversicherung werden mit einer Zulage von 60 Euro im Jahr vom Staat bezuschusst. Versicherte müssen im Gegenzug einen Beitrag von mindestens 10 Euro im Monat selbst leisten. Der Monatsbeitrag muss also mindestens 15 Euro betragen.
Junge bekommen für den Mindestbeitrag mehr Leistung als Ältere
Schließt ein 30-Jähriger einen Vertrag bei der Barmenia ab und zahlt einen monatlichen Beitrag in Höhe von 10 Euro plus 5 Euro staatliche Zulage, dann erhält er im Pflege-Fall 828,72 Euro. Bei der Huk-Coburg sind es im gleichen Fall 815,22 Euro. In den Pflegestufen 1 bis 2, in denen die meisten eingestuft sind, bekommen Pflegebedürftige zwischen 248 und knapp 490 Euro, je nach Anbieter.
Ein 50-Jähriger muss dagegen tiefer in die Tasche greifen: Entscheidet er sich für den Pflege-Bahr, muss er monatlich 24,78 Euro zahlen, um in Pflegestufe 3 einen Beitrag von 600 Euro zu bekommen. Bei der Huk-Coburg erreicht der 50-Jährige den gleichen Auszahlungsbetrag ab einem monatlichen Beitrag von 22,22 Euro. Wegen seines hohen Alters bekommt er auch in den Pflegestufen 1 und 2 mit 180 und 360 Euro deutlich weniger heraus als jüngere Versicherte.
Die Pflege-Bahr-Tarife müssen eine Leistung für alle Pflegestufen enthalten, also auch für Pflegestufe 0 (Demenz).
Wenig Geld bei Demenz
Allerdings ist die Unterstützung hier viel zu gering. Für einen 50-Jährigen gibt es gerade mal 60 Euro, für einen 30-Jährigen zwischen 81 und 83 Euro im Monat, je nach Versicherung. Allein ein Tag in der Tagespflege eines Demenzkranken kostet schon über 70 Euro.
Kontrahierungszwang
Versichern kann sich jeder Erwachsene, der gesetzlich pflegeversichert ist, unabhängig vom Gesundheitszustand. Einzige Ausnahme: Er ist bereits pflegebedürftig.
Es gibt also weder eine Gesundheitsprüfung, noch ein Alterslimit, wie es sonst bei klassischen privaten Versicherungen die Regel ist. Die Versicherungen dürfen somit niemanden aufgrund von Vorerkrankungen ablehnen.
Nicht besonders billig
Genau das kann aber negative Auswirkungen auf die Kalkulation der Prämien haben, warnt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten.
"Die Folge ist nämlich, dass besonders die Kranken, die ansonsten keinen anderen Vertrag bekommen würden, besonders diesen Vertrag abschließen, das heißt diejenigen, die besonders teuer werden, die sammeln sich dort. Die Beiträge werden dementsprechend steigen, und ob dann am Schluss die Leistungen, die man für das gleiche Geld in dem Pflege-Bahr auch bekommt, ausreichen werden für das, was man dann auch braucht, da kann man ein Fragezeichen dran setzen."
Axel Kleinlein, Bund der Versicherten
Das bedeutet. Der Pflege-Bahr bringt vielleicht eine finanzielle Entlastung, eine ausreichende Absicherung ist er nicht, fürchtet Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten.
"In vielen Fällen wird man eine zusätzliche private Vorsorge abschließen müssen. Das bedeutet dann natürlich auch, Gesundheitsfragen zu beantworten. Da kann es sein, dass man überhaupt keinen Vertrag mehr bekommt."
Axel Kleinlein, Bund der Versicherten
Fünf Jahre Wartezeit
Adressen & Linktipps
Es gibt noch einen Pferdefuß: Der Versicherer zahlt in der Regel erst nach fünf Jahren Wartezeit, gerechnet ab Vertragsschluss. Das kann für kranke Menschen riskant werden: Wer innerhalb dieser Zeit schon ein Pflegefall wird, sieht kein Geld. Bei ungeförderten Tarifen gibt es deutlich kürzere bis gar keine Wartezeiten.
Fazit:
Experte im Beitrag
Axel Kleinlein
Vorstands-Vorsitzender, Bund der Versicherten e.V.
Postfach 11 53
24547 Henstedt-Ulzburg
Gesunde sind mit dem Pflege-Bahr garantiert falsch bedient. Die kleine Förderung von fünf Euro ist als Anreiz viel zu gering, um die hohen Beiträge im Vergleich zu normalen Pflegepolicen ausgleichen zu können. Aber auch wer wegen schwerer Vorerkrankungen keinen „normalen“ Pflegetagegeld-Tarif mehr bekommen kann, sollte abwarten, bis weitere Versicherer nachziehen, um mehr Angebote vergleichen zu können.

Wetter
