Bayerisches Fernsehen - Gesundheit!

Zusatzversicherungen Welche sind sinnvoll, was ist zu beachten?

Eine typische Szene in deutschen Arztpraxen: Kassenpatienten müssen warten - bekommen nur die absolut medizinisch notwendige Behandlung. Doch auch gesetzlich Versicherte können eine private Zusatzversicherung abschließen. Wo lauern die Fallstricke?

Autor: Florian Heinhold Stand: 18.10.2011
Krankenzusatzversicherung - Arztbesuch; Patienten warten ungeduldig im Wartezimmer | Bild: colourbox.com

Eine typische Szene in deutschen Arztpraxen: Kassenpatienten müssen warten! Wer im Wartezimmer ungeduldig die Zeitschriften durchblättert, bis er endlich an der Reihe ist, der träumt schon einmal davon, Privatpatient zu sein. Doch auch Kassenpatienten können sich privat zusatzversichern. Doch welche Zusatzversicherung lohnt sich wirklich? Und wo lauern Fallstricke? Gesundheit! hat die wichtigsten Zusatzversicherungen genauer unter die Lupe genommen.

Individuelle Prüfung

Unser Beispielfall: Eine ganz normale Angestellte, Anfang 30. Bei der Verbraucherzentrale Bayern lässt sie sich durch den Dschungel der Angebote führen. Denn die Kosten von Zusatzversicherungen hängen von vielen Faktoren ab - gleich zu Beginn erhält sie einen ersten Tipp von Sascha Straub, dem Versicherungsexperten der Verbraucherzentrale:

"Man sollte so früh wie möglich einsteigen, wenn man eine Krankenzusatzversicherung abschließen möchte. Man muss einfach bedenken, dass das Alter bei der Beitragsbemessung durchaus eine Rolle spielt. Das heißt, je älter man wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass man Risikozuschläge zahlen muss, und das wirkt sich unmittelbar auf den Beitrag aus."

Sascha Straub, Versicherungsexperte, Verbraucherzentrale

Stationäre Zusatzversicherungen Als Erstes will unsere Beispielperson eine Krankenhaus-Zusatzversicherung abschließen. Sie kostet in ihrem Beispielfall gut 30 Euro im Monat und greift, wenn man stationär in der Klinik behandelt werden muss. Versichert sind dann zum Beispiel die Zusatzkosten für ein Einzel- oder Doppelzimmer. Und auch die Behandlung durch den Chefarzt ist in der Regel in den Tarifen enthalten. Dabei sollten Versicherte darauf achten, dass kein Höchstsatz für die Kosten der Chefarztbehandlung festgelegt ist.

Der Versicherer sollte zudem auf sein ordentliches Kündigungsrecht verzichten - sonst ist der Vertrag bereits in den ersten drei Jahren kündbar. Und auf einen weiteren Punkt sollten Patienten bei einem Vertragsabschluss Wert legen:

"Gerade wenn Sie in einer Gegend mit einer schwachen Krankenhausstruktur wohnen, dann sollten Sie darauf achten, dass Sie wirklich frei das Krankenhaus wählen können, auch wenn es weiter weg ist."

Sascha Straub, Versicherungsexperte, Verbraucherzentrale

Ergänzungstarife

Mit sogenannten Ergänzungstarifen kann unsere Beispielperson etwa alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur versichern. Oft werden Ergänzungstarife als Kombipakete mit unterschiedlichem Umfang angeboten. Doch dabei gibt's einen Haken - die Patienten zahlen dann mit ihren Beiträgen eventuell Leistungen mit, die sie gar nicht benötigen.

"Nach unseren Erfahrungen macht es wenig Sinn, diese Kombipakete abzuschließen. So etwas sollte besser individuell vereinbart und überprüft werden. Nicht alles, was dort vereinbart ist, braucht man auch wirklich, man zahlt aber trotzdem dafür."

Sascha Straub, Versicherungsexperte, Verbraucherzentrale

Zahnzusatzversicherung

Eine Zahnzusatzversicherung kostet in unserem Beispielfall rund 25 Euro monatlich und umfasst etwa Zuschüsse zu hochwertigem Zahnersatz wie Gold oder Keramik. Wichtige Punkte, auf die Versicherte achten sollten sind unter anderem:

Wichtige Punkte:

  • Eigenbeteiligungen - je nach Vertrag decken solche Zusatzversicherungen 50 bis 100 Prozent der Restkosten ab, die nach der Zahlung durch die Krankenkasse übrig bleiben. Tarife, die nicht die Restkosten tragen, sondern stattdessen einen Festkostenbeitrag umfassen, sind oft weniger ratsam.
  • Wartezeiten, bevor der Versicherungsschutz einsetzt, sollten im Sinne der Patienten möglichst kurz sein.
  • Höchstgrenzen für Leistungen pro Versicherungsjahr dagegen möglichst üppig …

Der Experte der Verbraucherzentrale rät außerdem:

"Eine Zahnzusatzversicherung sollt man dann abschließen, wenn man noch keine Zahnschäden hat, das bedeutet möglichst früh. Denn wenn man zu lange wartet und dann bereits einen Sanierungsbedarf hat, bekommt man in der Regel keinen guten Tarif mehr."

Sascha Straub, Versicherungsexperte, Verbraucherzentrale

Krankentagegeldversicherung

Volle Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber bekommen Angestellte nur in den ersten sechs Krankheitswochen. Danach zahlen die Krankenkassen Tagegeld. Das beträgt 70 Prozent vom Bruttolohn - aber nur bis zur Bemessungsgrenze von 3712,50 Euro. Eine zusätzliche Tagegeldversicherung kann den so entstehenden Verdienstausfall absichern. Sie lohnt sich vor allem für Arbeitnehmer und freiwillig Kassenversicherte mit höheren Einkommen.

Der Tipp von Gesundheit!

Beim Abschluss sollten Patienten darauf achten, dass das Tagegeld im Falle einer Gehaltsänderung ohne neue Gesundheitsprüfung angepasst werden kann. Außerdem sollte der Versicherungsschutz auch während Kuraufenthalten gelten. Für Frauen ist es wichtig, dass auch schwangerschaftsbedingte Arbeitsunfähigkeit im Schutz inbegriffen ist.

Unser Beispielfall könnte sich schon ab rund 5 Euro im Monat versichern. Tagegeld ist oft eine sinnvolle Ergänzung - ganz anders als das ähnlich klingende Krankenhaustagegeld:

"Nicht zu verwechseln ist hier aber das Krankenhaus-Tagegeld, das nur gezahlt wird, wenn man auch im Krankenhaus liegt. Nach unseren Erfahrungen sind diese Absicherungen zu teuer und im Ergebnis nicht sinnvoll."

Sascha Straub, Versicherungsexperte, Verbraucherzentrale

Privatpatient als Kassenpatient

Unsere Beispielperson träumt von einer Zusatzversicherung, mit der sie auch beim Hausarzt wie ein Privatpatient behandelt wird. Auch so etwas gibt es in Form von ambulanten Rundum-Sorglos-Paketen. Experte Sascha Straub rät hier aber zur Vorsicht:

"Eine entsprechende ambulante Zusatzversicherung, die einem die Möglichkeit gibt, wie ein Privatpatient behandelt zu werden, macht nach unseren Erfahrungen wenig Sinn. Hier hat man einfach Kosten zu tragen, die man besser in einen sinnvolleren Versicherungsschutz steckt."

Sascha Straub, Versicherungsexperte, Verbraucherzentrale

Kontaktadressen

Verbraucherzentrale Bayern

Mozartstr. 9
80336 München
Tel: (089) 53 98 70
Fax: (089) 53 75 53

Bund der Versicherten e.V.

Postfach 11 53
24547 Henstedt-Ulzburg
Telefon: 04193-94222