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Kampf dem Krampf So vermeiden Sie nächtliche Wadenkrämpfe

Ein stechender Schmerz - mitten in der Nacht: ein Wadenkrampf! Jetzt hilft nur: aufstehen und trotz des Schmerzes Übungen machen, die den Krampf lösen. Wie kann man Wadenkrämpfe vermeiden? Hilft Magnesium? Alles dazu in Gesundheit!

Autor: Cornelia Benne Stand: 05.12.2011

Über 70 Prozent der Deutschen hatten schon mal einen Wadenkrampf. Besonders betroffen sind Sportler und ältere Menschen. Gut die Hälfte der über 65-Jährigen leiden darunter.

Ein Blick in die Wade

"Man weiß, dass das auslösende Signal nicht die Muskulatur selbst ist, die zum Krampf führt, sondern dass der Nerv daran beteiligt ist, der ja normalerweise auch den Muskel bewegen sollte."

Dr. rer. nat. Martin Schönfelder, Sportphysiologe, TU München

Darstellung einer Nervennzelle und deren Vernetzung

Eine normale Bewegung des Wadenmuskels wird vom Gehirn über das Rückenmark gesteuert. Die Nervenzellen werden bewusst aktiviert und geben elektrische Impulse an den Muskel weiter. Der setzt sich in Bewegung.

Beim Krampf machen sich die Nervenzellen selbstständig und senden unkontrolliert Impulse - doppelt bis zehnmal so viele wie normal. Das kann Sekunden bis Minuten dauern. Dabei werden die Schmerzrezeptoren des Muskels erregt, deshalb tut ein Krampf so weh.

Ein Wadenkrampf kann durch Belastung, starke Ermüdung und bestimmte Bewegungen hervorgerufen werden. Auch im Schlaf!

"In der Nacht bewegt man sich natürlich auch im Bett, und dort kommt es eben, je nach dem, wie man im Bett liegt, zu einer Streckung und zu einer Aktivierung im Fußgelenk. So kann es dann auch zu einer Krampfneigung kommen - wie am Tag auch."

Dr. rer. nat. Martin Schönfelder, Sportphysiologe, TU München

Hilft Magnesium?

Am besten wäre es, wenn man gar nicht erst einen Wadenkrampf bekommt. Vorbeugend nehmen viele Menschen Magnesium. Aber wirkt Magnesium tatsächlich gegen Wadenkrämpfe?

"Aus wissenschaftlicher Sicht gesprochen kann man keine eindeutige Studie nachweisen, die sagt, Magnesium sei das Mittel, das gegen Wadenkrämpfe hilft. Zieht man Erfahrungsberichte heran, ... dann weiß man, dass über einen längeren Zeitraum bei einer Supplementierung schon ein Effekt da ist."

Dr. rer. nat. Hande Hofmann, Lebensmittelchemikerin, TU München

Empfohlen werden 400 mg reines Magnesium pro Tag - nicht mehr! Denn zu viel kann Durchfall verursachen! Ob Brausetablette, Granulat oder Kapsel ist egal, der Einnahmezeitpunkt ist wichtig. Ballaststoffe oder Koffein erschweren die Aufnahme von Magnesium im Körper. Daher empfiehlt man am Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitsförderung der TU München, Magnesium am besten zwischen den Mahlzeiten einzunehmen. Man sollte circa 1,5 bis 2 Stunden nichts gegessen haben und dann auch circa 1 Stunde danach nichts zu sich nehmen.

Außerdem ist es wichtig, ausreichend zu trinken, damit der Flüssigkeitshaushalt im Körper in Ordnung ist. Zwei Liter pro Tag lautet die Faustregel, wer stark schwitzt oder viel Sport treibt, sollte entsprechend mehr trinken.

Wann zum Arzt?

Wer häufiger als drei Mal pro Woche Wadenkrämpfe hat, oder plötzlich sehr starke Krämpfe, auch an anderen Körperteilen, sollte zum Arzt gehen.

Im Blut kann man erkennen, ob der Mineralstoffwechsel oder der Hormonhaushalt gestört sind. Schlechte Blutzuckerwerte bei Diabetikern können zu Krämpfen führen, oder die Einnahme von entwässernden Medikamenten oder Abführmitteln. Auch Personen mit Durchblutungsstörungen oder orthopädischen Problemen klagen häufig über Wadenkrämpfe.

Letzte Instanz: der Neurologe

Hinter Wadenkrämpfen können auch sehr seltene neurologische Erkrankungen stecken, wie zum Beispiel Nervenstörungen, sogenannte Polyneuropathien, Parkinson oder das Restless Legs Syndrom. Aber in 2/3 der Fälle wird keine fassbare Ursache für die Wadenkrämpfe gefunden. Solchen Patienten bleiben Nacht für Nacht die Wadenkrämpfe.

Chininsulfat

Als wirksames Mittel gegen Wadenkrämpfe wird die "Natursubstanz Chininsulfat" beworben, frei verkäuflich in jeder deutschen Apotheke.

"Nebenwirkungen von Chininsulfat können neben Überempfindlichkeitsreaktionen insbesondere ein Tinnitus sein, also ein Ohrgeräusch, allerdings auch Sehstörungen, Schwindel, Benommenheitsgefühle, aber auch Veränderungen des Blutbildes und der Gerinnungsparameter."

Dr. med. Peter Reilich, Funktionsoberarzt, Neurologische Klinik der Universität München

Daher sollte Chininsulfat nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden. In den USA ist das Mittel sogar wieder rezeptpflichtig.

Tipps gegen Wadenkrämpfe - ganz ohne Nebenwirkungen:

Wadenkrämpfen vorbeugen

Richtig reagieren

Wenn der Krampf kommt: Die Zehen zum Körper ziehen! So wird der muskuläre Gegenspieler, der Schienbeinmuskel, aktiviert. Die Wade entspannt sich.

Viel trinken

Zwei Liter pro Tag werden empfohlen, bei körperlicher Anstrengung oder starkem Schwitzen mehr. Dabei am Besten stilles Mineralwasser, Tees oder Saftschorlen trinken.

Gymnastik

Die Wade täglich sanft dehnen und Gymnastik machen: von den Zehen auf die Fersen rollen oder leicht auf der Stelle hüpfen.

Beim Sport

Nicht übertreiben: Plötzliche, ungewohnte Leistungssteigerungen begünstigen Krämpfe.

Wärme

In manchen Fällen hilft entspannende Wärme oder beim Schlafen ein Kissen unter den Knien. So steigen die Chancen auf eine ruhige, entspannte Nacht ohne Wadenkrampf!

Experten::

Dr. rer. nat. Martin Schönfelder
Sportphysiologe
Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitsförderung

Dr. rer. nat. Hande Hofmann
Lebensmittelchemikerin Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitsförderung

Technische Universität München
Connollystraße 32
80809 München

Dr. med. Peter Reilich M.A.
Neurologe, Funktionsoberarzt
Neurologische Klinik und Poliklinik
Friedrich-Baur-Institut Klinikum
der Universität München
Ziemssenstr. 1
80336 München