Bayerisches Fernsehen - Gesundheit!

Pilze und Co. Schmerzhafte Infektionen im Mundraum

Essen, trinken, reden, beißen und küssen - dazu ist unser Mund da. Hervorragend ausgestattet mit scharfen Zähnen, starken Muskeln und mit Milliarden Sinneszellen. Aber wenn Bakterien und Viren angreifen, kann es im Mund richtig weh tun.

Autor: Isabel Hertweck Stand: 30.01.2012

Was da im Mund brennt und juckt, schmerzt und bohrt, diagnostiziert meist der Zahnarzt. Mit seinen speziellen Instrumenten ist er gut darauf eingerichtet, den Mundraum zu betrachten. Und der ist auch bei gesunden Menschen voller Kleinstlebewesen wie Bakterien und Pilze. Normalerweise verursachen diese Untermieter keine Probleme.

"Der Mund ist von sich aus sehr gut geschützt. Die wichtigste Waffe ist der Speichel, der hat von sich aus die Möglichkeit, Bakterien zu bekämpfen. Von daher hat man schon einen sehr guten Schutz, auch die Schleimhaut ist sehr gut geschützt, das verhindert sehr viele Probleme."

Prof. Dr. med. dent. Christoph Benz, Präsident Bayerische Landeszahnärztekammer

Extremfall Mundschleimhautentzündung

Doch wehe, wenn die körpereigene Abwehr geschwächt ist: Das kann im Extremfall zu einer Mundschleimhautentzündung führen. Bakterielle Entzündungen breiten sich im gesamten Mund aus, das Zahnfleisch bildet sich zurück. Das ist zum Glück sehr selten, zum Beispiel wenn die Immunabwehr des Körpers durch HI-Viren oder eine Chemo-Therapie stark herabgesetzt ist.

Volksleiden Zahnfleischentzündung

Sehr häufig aber ist eine Zahnfleischentzündung: Das sind lokale bakterielle Entzündungsherde im Zwischenraum zwischen Zahn und Zahnfleisch, den sogenannten Taschen. Für den Patienten ist die Entzündung im Anfangsstadium nicht schmerzhaft, macht sich allenfalls durch leichtes Zahnfleischbluten bemerkbar.

"Wenn das nicht behandelt wird, oder sich nicht durch die Mundpflege des Patienten verbessert, dann kann die Entzündung in die Tiefe gehen und den Knochen angreifen, nach vielen Jahren."

Prof. Dr. med. dent. Christoph Benz, Präsident Bayerische Landeszahnärztekammer

Die sogenannte Paradontitis kann am Ende durch die Rückbildung des Knochens zum Verlust der Zähne führen. Durch spezielle Paradontitis-Behandlungen können die bakteriellen Entzündungsherde ausgeräumt werden. Der Zahnarzt prüft mit einer Sonde die Tiefe der Taschen und empfiehlt dementsprechend, ob und wie oft diese Behandlung pro Jahr durchgeführt werden sollte.

Pilzinfektionen: Mundsoor

Auch Pilze können schmerzhafte Probleme im Mund verursachen - solche der Gattung Candida: Hefepilze. Typisch für den sogenannten Mundsoor sind weißliche Beläge in unterschiedlicher Dicke.

"Pilze kommen überall vor, in der normalen Mundflora auch, sie sind für die wenigsten Menschen ein Problem. Ein Problem können sie dann sein - bei Säuglingen - wenn das Immunsystem noch nicht richtig programmiert ist, oder auch bei älteren Menschen, wenn der Speichel nicht fließt. Das kommt deswegen häufiger vor im Alter, weil viele Medikamente, die aus anderen Gründen genommen werden, Einfluss auf den Speichelfluss nehmen. Und wenn weniger Speichel da ist, fehlt diese Abwehrleistung."

Prof. Dr. med. dent. Christoph Benz, Präsident Bayerische Landeszahnärztekammer

Viren: Mundfäule und Herpes

Ein allgemeines Krankheitsgefühl, vielleicht sogar Fieber, spricht für eine Virusinfektion. Wenn dann noch zahlreiche Bläschen auf der Mundschleimhaut dazukommen, handelt es sich wahrscheinlich um Mundfäule, eine schmerzhafte Infektionskrankheit, die beim ersten Kontakt mit dem Herpes-Virus auftreten kann. Das geschieht meist in der Kindheit - deshalb wird Mundfäule üblicherweise von Kinderärzten behandelt. In seltenen Fällen findet der erste Kontakt mit dem Virus erst im Erwachsenenalter statt, und kann dann ebenfalls die schmerzhafte Infektionskrankheit auslösen.

Lästige Bläschen: Aphthen

Wenn die Bläschen einzeln und ohne allgemeines Krankheitsgefühl auftreten, bezeichnet man sie als Aphthen. Der Dermatologe Dietrich Abeck leidet immer wieder darunter, ebenso wie 20 Prozent der Bevölkerung. Aus eigenem Interesse hat sich der Dermatologe zum Spezialisten für die lästigen Bläschen fortgebildet.

"Die Ursache der Aphthen ist bis heute unklar. Ganz einfach, wir wissen es nicht. Wir wissen, es gibt einige Erkrankungen, die gerne mit Aphthen einhergehen, das heißt Patienten, die ständig unter Aphthen leiden, immer wieder welche bekommen. Bei denen ist es sinnvoll, bestimmte Laboruntersuchungen durchzuführen, um diese wenigen Erkrankungen einfach auszuschließen."

Prof. Dr. med. Dietrich Abeck, Dermatologe

Zu diesen Erkrankungen gehören zum Beispiel Gluten-Unverträglichkeit, Vitamin-B12-Mangel oder Eisenmangel. Wenn solche Grunderkrankungen ausgeschlossen wurden - und das ist in den häufigsten Fällen so - können immerhin die Symptome der lästigen Bläschen gelindert werden.

"Die Aphthe ist nichts anderes als eine massive Entzündung der Schleimhaut, das heißt, ich brauche eine antientzündliche Therapie. Seit Jahren nimmt man eigentlich Kortison her, seit einigen Jahren haben wir aber eine immunsuppressive Salbe, die wir gerne zur Therapie der Neurodermitis einsetzen, die sich hervorragend auch im Bereich der Mundschleimhaut einsetzen lässt."

Prof. Dr. med. Dietrich Abeck, Dermatologe

Wellnessprogramm für den Mund: Zunge reinigen

Eine gute Mundhygiene hilft auf jeden Fall dabei, Problemen im Mundraum vorzubeugen und die Bakterienarmee in Schach zu halten. Sehr wirksam ist eine regelmäßige Zungenreinigung mit einem Schaber: nach dem Zähneputzen zwei oder dreimal behutsam über die Zunge streichen- das reicht schon. Denn auf der Zunge halten sich bis zu 60 Prozent der Bakterien auf. Die Reinigung hilft übrigens auch gegen Mundgeruch und soll sogar die Funktion der Geschmacksnerven verbessern.