Eisige Kälte Darf man bei Minusgraden Sport treiben?
Es herrscht Eiseskälte. Ist es da gefährlich, Sport zu treiben? Wie kann man sich schützen? Und mit welchen Vorerkrankungen sollte man bei strengem Frost lieber auf körperliche Anstrengung verzichten?
Der König-Ludwig-Lauf in Oberammergau gilt als größter Volkslauf Deutschlands. Jedes Jahr zieht er tausende Langläufer aus aller Herren Länder an. Doch diesmal mischt sich die Freude mit Entsetzen: Sportler brechen auf der 50 Kilometer langen Strecke erschöpft zusammen, andere werden mit Erfrierungen ins Krankenhaus gebracht, ein 74-jähriger Schwede stirbt sogar – sein ohnehin angeschlagenes Herz hat nicht mehr mitgemacht.
Das Problem: Während der gesamten Veranstaltung ist es bitterkalt, zeitweise sinkt die Temperatur auf minus 22 Grad! Und diese extreme Kälte ist für den Organismus der Langläufer eine enorme Herausforderung:
"Der Blutdruck steigt, das ist vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich. Außerdem ist die Gefahr groß auszukühlen. Ich würde jedem abraten, bei minus 22 Grad an einem Volkslauf teilzunehmen, der länger dauert."
Dr. med. Karlheinz Zeilberger, Facharzt für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin, München
Extreme Kälte sorgt auch dafür, dass die Ausschüttung von Stresshormonen steigt – zusammen mit einem erhöhten Blutdruck ist das vor allem für geschwächte Menschen ein Problem, weil sich die Herzfrequenz erhöht. Das Risiko eines Herzinfarkts steigt.
Wer Vorerkrankungen hat: kein Sport bei Kälte
Grundsätzlich gilt: Wer Herz-Kreislauf-Probleme, eine Herzerkrankung oder starkes Asthma hat, sollte bei Kälte auf Sport verzichten. Nur gesunde Sportler mit einer guten Grundkondition können bis zu einer Temperatur um die Minus 15 Grad trainieren. Aber auch sie müssen Folgendes beachten:
Die richtige Kleidung wählen
Die richtige Kleidung wählen! Ideal ist Funktionskleidung, sie leitet den Schweiß nach außen und sorgt so dafür, dass die Haut trocken bleibt. Außerdem schützt sie vor kühlendem Wind. Wer sich nach dem Zwiebelschalenprinzip kleidet, also mehrere Schichten übereinander trägt, ist klar im Vorteil, denn: Zwischen den Schichten bildet sich ein Luftpolster, die Gefahr einer Unterkühlung nimmt ab. Ein Tuch oder ein Schal vor dem Mund schützt die kälteempfindlichen Lungen.
Vorsicht Erfrierungen
Treten – trotz guter Kleidung – Anzeichen einer Erfrierung auf, werden also zum Beispiel Nase, Ohren, Finger oder Zehen zunehmend gefühllos - gilt es, sofort zu handeln, um Dauerschäden zu vermeiden: Die Hände können zum Beispiel unter die warmen Achselhöhlen gelegt werden, einengende Schuhe sollten gelockert werden. Auf keinen Fall die erfrorenen Körperteile reiben, das schädigt das Gewebe und kann Thrombosen auslösen! Und vor allem: Den Sport Sport sein lassen und schnell ins Warme gehen; dort können erfrorene Körperteile in einem lauwarmen (!) Wasserbad "aufgetaut" werden.

Wetter

