Bayerisches Fernsehen - Gesundheit!

Hausgeburt Eine Geburt im heimischen Wohnzimmer

Verläuft die Schwangerschaft ohne Risiken, wünschen sich manche Frauen eine Hausfeburt. Doch eine freie Geburtshelferin zu finden, wird immer schwieriger: Kinder auf die Welt zu holen, lohnt sich nicht mehr.

Autor: Florian Heinhold Stand: 07.11.2011

Ruth McNeil ist im neunten Monat schwanger - der Geburtstermin steht unmittelbar bevor. Ihre Hebamme Maria Weiß ist in dieser Zeit immer auf Abruf, denn jeden Moment könnte es losgehen. Und Ruth plant eine ganz besondere Geburt: Sie will ihr drittes Kind zu Hause in ihrem Wohnzimmer zur Welt bringen.

"Mir ist es wichtig, dass ich nicht in einer Klinik bin, mit Personal, das ich nicht kenne. Ich will mich fallen lassen können, weil ich weiß, ich kann meiner Hebamme vertrauen."

Ruth McNeil

Unterdessen überprüft Hebamme Maria Weiß die Herztöne des Embryos. Für Ruth McNeil ein beruhigender Moment, in dem sie sich ihrem ungeborenen Sohn besonders nahe fühlt. Ihre Schwangerschaft verläuft bisher ohne Komplikationen - das ist die Voraussetzung für eine Hausgeburt.

Problem Haftpflicht

Maria Weiß ist es wichtig, dass Frauen selbst entscheiden können, ob sie in der Klinik oder wie Ruth zu Hause gebären. Die Arbeit als Hebamme bei Hausgeburten betreibt sie aus Idealismus, denn finanziell lohnt sich die Geburtshilfe kaum mehr. Der Hauptgrund dafür sind die massiv gestiegenen Beiträge zur Haftpflichtversicherung, die den Hebammen seit einigen Jahren das Leben schwer machen. Allein um die Haftpflichtversicherung zu bezahlen muss Maria Weiß acht Kinder auf die Welt holen.

"Die Entbindung zu Hause wird - so wie es im Moment aussieht - nicht mehr möglich sein, weil es einfach an Hebammen mangelt ... Die können von ihrer Arbeit einfach nicht mehr leben."

Maria Weiß

Die Haftpflicht sichert Hebammen im Fall von Schadensersatzklagen ab. Vor einem Jahr kam es zu bundesweiten Hebammenprotesten, weil sich diese Versicherungs-Beiträge seit dem Jahr 2000 fast verzehnfacht haben - viele Hebammen gaben auf, Geburtshäuser schlossen. Dabei sind Hausgeburten heute statistisch sicherer denn je. Trotzdem steigt die Haftpflicht - weil die allgemeinen Gesundheitskosten steigen, aber auch weil Unglücksfälle, die früher als Schicksalsschlag galten, heute öfter vor Gericht landen.

Der erste Fehlalarm

Dann, eines Morgens, scheint es bei Ruth McNeil so weit zu sein - Gesundheit! trifft Maria Weiß vor ihrer Praxis im oberbayerischen Schongau. Die Hebamme ist auf dem Weg zur Schwangeren, bei der gerade die Wehen eingesetzt haben.

Als sie ankommt, geht es der werdenden Mutter nicht gut. Sie hat starke Schmerzen in der Seite. Die Hebamme ist besorgt, denn mit den Wehen scheint der Schmerz nichts zu tun zu haben. Doch Ruths Blutdruck und der Herzschlag des Embryos sind normal. Bange Momente für Schwangere und Hebamme - denn wenn sich der Schmerz nicht legt, müsste Ruth vorsichtshalber ins Krankenhaus. Das wäre das Aus für den Traum von der sanften Geburt zu Hause. Doch am Abend hat sich die Stimmung wieder aufgehellt.

"Es geht schon viel besser, jetzt sind die Schmerzen fast weg, und die Wehen kommen schön regelmäßig."

Ruth McNeil

Doch Ruth McNeil und Hebamme Maria Weiß müssen sich noch länger gedulden. Denn in der Nacht hören die Wehen wieder auf.

Kurse statt Hausgeburten

Babyschwimmkurse lohnen sich finanziell.

Ortswechsel. Im Schwimmbad eines nahen Hotels gibt Maria Weiß Babyschwimmkurse. Auch hier ist ihr Handy stets in der Nähe, falls eine Geburt ansteht. Im Becken um sie baden Mütter ihre wenige Monate alten Babys und machen Übungen, die die Hebamme anleitet. Für solche Kurse müssen keine teuren Haftpflichtversicherungen gezahlt werden. Anders als Geburten lohnen sie sich finanziell.

"Ich finanziere mir meine Hausgeburtshilfe über die Kurse ... Diese Tage, wenn ein Kind zur Welt kommt, sind immer ganz besondere Tage für mich. Und das will ich mir solange wie möglich bewahren."

Maria Weiß

Viele andere Hebammen mussten dagegen aufgeben und bieten heute keine Geburtshilfe mehr an. Die eigentliche Hauptaufgabe, Kinder zur Welt zu bringen, droht für Hebammen so immer mehr zum Randerwerb zu werden.

Die Geburt

Zwei Tage nach dem ersten Fehlalarm ist es bei Ruth wirklich so weit. Im Wohnzimmer herrscht eine ruhige und angenehme Atmosphäre. Im Kamin in der Ecke lodert ein Feuer, Ruth liegt auf einer Matratze in der Mitte des Zimmers. Bei der Geburt selbst sind nur Hebamme Maria und Ruths Schwester dabei.

Kontaktadresse

Bayerischer Hebammen
Landesverband e.V.
Bahnhofstraße 24
93047 Regensburg
Fon: 09 41 / 58 61 23 80
Fax: 09 41 / 58 61 23 81

Und dann ist es soweit: Das neue Familienmitglied ist da. Ruths Mann und ihre beiden anderen Söhne stehen um die glückliche Mutter, um das neue Baby zu begrüßen - den kleinen Gabriel. Ruth McNeil geht es gut. Sie hält ihren neugeborenen Sohn in den Armen.

"Ich bin total glücklich, dass es zu Hause funktioniert hat."

Ruth McNeil

Und in so einem Moment, kann auch Maria Weiß alle Probleme der Hebammen in Deutschland vergessen:

"Es ist ein Glücksgefühl, das kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Es ist ein Wunder, so wie man halt ganz oft sagt."

Maria Weiß