Hausnotrufdienste Selbstständig leben im Alter
So lange wie möglich zuhause leben: Das ist für viele ältere Menschen und chronisch Kranke das oberste Ziel. Dennoch fürchten sie Situationen, in denen sie durch Stürze oder akute Krankheit hilflos sind. Der Hausnotruf ist eine Möglichkeit, sich in solchen Fällen bemerkbar zu machen, und schnell Hilfe zu bekommen.
Info
Anbieter von Hausnotrufen empfehlen einen analogen Telefonanschluss, also kein ISDN oder Internettelefonie. Analoge Telefonanschlüsse übermitteln die Daten zuverlässig und funktionieren auch bei Stromausfall. Bei der bundesweiten Hausnotrufzentrale des Arbeiter-Samariter-Bundes in Köln gehen täglich rund 2.000 Meldungen ein. In rund 100 Fällen sind die Daten unvollständig.
Bei der Übermittlung über digitale Telefonanschlüsse kommen die Daten wie Name und Anschrift zum Teil verstümmelt an. Die Helfer wissen im schlimmsten Fall nicht, zu wem sie fahren müssen. Wer seinen Telefonanbieter wechselt, sollte deshalb sicherstellen, dass der Hausnotruf nach dem Wechsel weiterhin funktioniert.
Die 84-jährige Ruth Hoppe wohnt Tür an Tür mit ihrer Tochter. Trotzdem machte Rosi Probst sich lange Zeit große Sorgen um ihre Mutter.
"Da war dieser schlimme Gedanke: Was ist, wenn ich beim Einkaufen oder bei der Arbeit bin, und etwas passiert? Ich konnte fast nicht mehr aus dem Haus gehen, so schlimm war das."
Rosi Probst
Ruth Hoppe hat schwere Arthrose in den Knien, oft wird ihr schwindelig. Außerdem hat sie Diabetes und einen Herzschrittmacher. Stürze, Unterzucker, Herzanfall - Tochter Rosi Probst gab sogar ihren Job auf, um in solchen Fällen immer erreichbar zu sein. Doch sie fühlte sich mit der Situation überfordert.
"Man kann nicht immer daheim bleiben. Irgendwann kriegt man dann quasi einen Burn-out. Man muss mal wieder raus. Man kommt sich so eingesperrt vor. Man ist ja gern für die Mutter da oder für die Pflege, aber man muss auch mal raus."
Rosi Probst
Der Hausnotruf in der Praxis
Vor zwei Jahren passierte es dann: Ruth Hoppe war allein in ihrer Wohnung. Sie ging auf den Balkon, wollte sich einen Liegestuhl aufstellen. Ein falscher Handgriff, der Liegestuhl klappte zu. Sie verlor die Balance und stürzte so schwer, dass die Knochen der Hand zersplitterten. Das Telefon stand im Wohnzimmer - die Tochter war beim Einkaufen. Doch die Rettung hatte sie zum Glück ganz nah: ihr Hausnotruf-Armband.
"Ich habe auf den Knopf gedrückt. Dann haben die sich gemeldet und gefragt, was los ist. Ich habe gesagt, dass ich gestürzt bin. Sie haben gesagt, dass sie sofort kommen und innerhalb einer Viertelstunde waren sie da."
Ruth Hoppe
Der Rettungsdienst war da und auch die Tochter - die über die Hausnotruf-Zentrale des Bayerischen Roten Kreuzes verständigt worden war. Der Hausnotruf: Das ist nicht nur ein Knopf, sondern ein System, das den Teilnehmern jederzeit Zugang zu Ärzten, Angehörigen und auch Pflegediensten verschaffen soll.
Die technische Umsetzung
Per Knopfdruck stellt das Armband die Verbindung zu einem zentral in der Wohnung installierten Gerät her: Dieses verbindet den Patienten mit einem Mitarbeiter der Hausnotrufzentrale. In dem fest installierten Gerät - das ans Telefonnetz angeschlossen wird - befindet sich ein Mikrophon und ein Lautsprecher: So kann der Patient, egal wo er sich in der Wohnung befindet, mit dem Mitarbeiter des Hausnotrufs reden und dessen Stimme hören.
Individuelle Hilfe im Notfall
"Wenn der Teilnehmer mitteilt, er hat einen Herzinfarkt, er hat Atemnot oder einen Verdacht auf Schlaganfall, dann werden wir unverzüglich die Rettungskette in Bewegung setzen, den Notarzt und den Rettungswagen losschicken. Aber es gibt auch leichtere Hilfeleistungen, wo der Teilnehmer vielleicht gestürzt ist, oder auf der Couch sitzt, und alleine nicht mehr aufstehen kann. Da können wir mit den Kontaktpersonen, mit den Angehörigen helfen, aber auch den BRK-Hintergrunddienst rausschicken."
Markus Möbius, Bayerisches Rotes Kreuz Hausnotruf-Zentrale Oberbayern
Für viele Teilnehmer ist es beruhigend zu wissen, dass durch das Drücken des Knopfes nicht gleich ein Großeinsatz ausgelöst wird, sondern die Notlage auch einfach zum Beispiel durch einen Anruf bei Angehörigen oder Nachbarn aufgelöst werden kann. Wenn der Teilnehmer nicht mehr sprechen kann, oder sich außerhalb der Reichweite der Mikrofone - zum Beispiel im Garten - befindet, gehen die Mitarbeiter der Hausnotrufzentrale allerdings automatisch vom Schlimmsten aus.
Der Hausnotruf im Alltag
Wie sieht die Hilfeleistung des Hausnotrufs konkret aus? Jan Roß ist Mitarbeiter der Johanniter im Raum Regensburg. Er macht den sogenannten Hintergrunddienst- das heißt, er wird dann gerufen, wenn ein Teilnehmer keinen Notarzt braucht. Trotzdem: Wenn er einen Einsatz hat, muss es immer schnell gehen.
"Wir haben eine Meldung bekommen, dass der Teilnehmer gestürzt ist, aber sich nicht verletzt hat. Wir fahren jetzt hin und schauen, was wirklich passiert ist."
Jan Roß, Mitarbeiter Johanniter-Hausnotruf
Mit den bei der Zentrale hinterlegten Schlüsseln ist er schnell in der Wohnung. Mit Rufen macht er sich gleich bemerkbar und findet den Teilnehmer bald auf dem Boden des Wohnzimmers. Georg Fenzl ist seit einem Schlaganfall halbseitig gelähmt, oft stürzt er. Den Notfallknopf zu drücken, ist für ihn deshalb fast schon Alltag.
"In letzter Zeit mindestens ein- bis zweimal pro Woche. Weil plötzlich mein linkes Bein einsackt. Denn da habe ich keine Kraft mehr drin, kann mich nicht mehr aufrecht halten. Und dann fall ich hin."
Georg Fenzl
Beim Johanniter Hausnotruf sind auch solche häufigen Einsätze in einer monatlichen Pauschale inbegriffen- andere Anbieter berechnen zum Beispiel ab drei Einsätzen pro Jahr extra Gebühren. Georg Fenzls Frau ist froh über die Hilfe, denn alleine könnte sie ihren Mann nicht hochheben.
Trotzdem übernimmt die Krankenkasse im Fall der Fenzls die Kosten nicht, da Frau Fenzl, die ihren Mann pflegt, mit ihm in einer Wohnung zusammenlebt und nicht berufstätig ist. Das empört die beiden sehr. Doch die Übernahme der Kosten muss jeweils mit der Krankenkasse individuell geklärt werden - sie übernimmt außerdem nur die Kosten für den Basistarif.
Auch wenn pflegerische Leistungen - wie waschen und füttern- nicht vom Hausnotrufdienst übernommen werden, kann er also eine wichtige Entlastung bedeuten. Außerdem ist er eine Beruhigung für die Teilnehmer selbst und ihre Angehörigen. Rosi Probst zum Beispiel fühlt sich endlich wieder sicher genug, um arbeiten zu gehen.
Kosten und Leistungen
PDF zum Download
Leistungen & Preise von Hausnotrufsystemen in Deutschland durch "Initiative-Hausnotruf"-Mitglieder
Für eine monatliche Grundgebühr von 18,36 Euro bieten die unterschiedlichen Anbieter eine Art Basistarif an, der von der Krankenkasse übernommen werden kann. Dieser Basistarif umfasst die Bereitstellung der Geräte, und die Hilfeleistung im eigentlichen medizinischen Notfall - nicht aber zum Beispiel die Hilfeleistung nach Stürzen ohne Verletzungen durch Mitarbeiter des jeweiligen Anbieters oder die Hinterlegung von Hausschlüsseln. Die Kosten für diesen erweiterten Service sind unterschiedlich (zwischen 25 bis 50 Euro monatlich) und umfassen unterschiedliche Leistungen. Wer sich für den Hausnotruf interessiert, sollte Kosten und mögliche enthaltene Leistungen beziehungsweise anfallende Kosten bei den unterschiedlichen Anbietern erfragen, und individuell entscheiden, was für ihn sinnvoll ist. Dabei spielt auch eine Rolle, wie der jeweilige Anbieter in der betreffenden Region vertreten ist. Die Kosten für diese zusätzlichen Service-Leistungen werden von den Kassen nicht übernommen. Anbieter
Die Kosten und Leistungen der Hausnotrufsysteme sind je nach Anbieter unterschiedlich. Die bekanntesten und zumeist größten Hausnotrufanbieter, an die sich die Verbraucher wenden können, finden Sie hier:
Stiftung Warentest
Die Stiftung Warentest hat verschiedene Anbieter getestet:

Wetter

