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Heiserkeit Was tun, wenn die Stimme weg ist?

Die Stimme ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel und ist ständig im Einsatz. Erst wenn sie verloren geht, merken wir, wie wichtig sie ist. Deshalb sollten wir sie pfleglich behandeln - das gilt vor allem für Menschen, die in ihrem Job viel sprechen müssen.

Autor: Antje Maly-Samiralow Stand: 30.01.2012

Wie kommt es zu Heiserkeiten und Stimmproblemen?

Die Ursachen von Heiserkeiten sind vielfältiger Natur.

Da wären zum einen äußere Faktoren, die die Stimmbänder reizen. Der Facharzt für HNO-Heilkunde und Phoniatrie Prof. Dr. Frank Martin nennt einige Ursachen:

  • Tabakrauch
  • extrem klimatisierte und folglich trockene Räume
  • verschiedene Medikamente und Hormonpräparate wie die Antibabypille
  • Medikamente gegen Bluthochdruck
  • Asthmasprays
  • Antidepressiva

Des Weiteren können Allergien, aufsteigende Magendämpfe infolge eines Reflux sowie eine sogenannte Schlafapnoe, bei der die Patienten häufig mit offenem Mund schlafen, was eine extreme Austrocknung der Schleimhäute nach sich zieht, Heiserkeiten hervorrufen. Auch anhaltender Stress kann die Leistungsfähigkeit des Stimmapparates herabsetzen.

Häufig sind jedoch Infekte, verbunden mit Entzündungen der Atemwege, Auslöser einer Heiserkeit. Dann gilt es zuallererst, den Infekt auszukurieren. Prof. Dr. Frank Martin warnt jedoch vor der Einnahme von Antibiotika:

"Bei akuten Infekten der Luftwege handelt es sich in der Regel um Virusinfektionen. Man sollte deshalb auch kein Antibiotikum geben, weil damit die natürlichen Feinde der Viren, nämlich die Bakterien, abgetötet würden."

Prof. Dr. Frank Martin

Salbei

Zur Pflege der Halsschleimhäute empfiehlt er Dampfbäder unter Zugabe von Salz, Thymian- und Salbeiblättern. Das befeuchtet die Schleimhaut. Getränke sind grundsätzlich hilfreich. Auch sie befeuchten die Schleimhäute und halten die Stimmlippen beweglich. Zu empfehlen sind Salbei- und Thymiantee, die antibakteriell wirken, sowie heiße Zitrone, die die Speichelproduktion ankurbelt. Auch warme Wickel tun dem Hals gut. Nasenduschen befeuchten die Nasen- und Rachenschleimhäute. Alles, was die Schleimhäute austrocknet, sollte hingegen vermieden werden.

Dazu zählen:

  • Alkohol
  • Drogen jeder Art
  • Rauchen, auch passiv
  • scharfe Gewürze
  • Kaffee
  • schwarzer Tee
  • ätherische Öle wie Eukalyptus und Menthol in Form von Ölen oder Bonbons
  • Kamillen- und Pfefferminztee
  • längerer Aufenthalt oder gar Schlafen in überheizten bzw. klimatisierten und trockenen Räumen

Soweit es möglich ist, sollte man versuchen, die Stimme zu schonen und nicht zu sprechen. Auf keinen Fall sollte man in lärmender Kulisse sprechen oder gar schreien. Auch Flüstern schadet angeschlagenen Stimmbändern und sollte nach Möglichkeit unterlassen werden.

Für den Fall, dass die Stimme selbst nach abgeklungener Erkältung noch immer kratzt, empfiehlt Prof. Dr. Frank Martin:

"Wenn eine Heiserkeit länger als drei Wochen anhält, muss sie unbedingt vom HNO-Arzt abgeklärt werden. Es könnten sich dahinter Tumore, Knötchen, aber auch Stimmbandlähmungen verbergen. Ist das ausgeschlossen, kommen eventuell funktionelle Störungen in Betracht, das heißt, die Patienten sprechen falsch."

Prof. Dr. Frank Martin

Funktionelle Störungen

Lehrer sind anfällig für Stimmprobleme.

Darunter leiden vor allem Menschen, die in sprechintensiven Berufen tätig sind, zum Beispiel Lehrer, Erzieher, Mitarbeiter von Call-Centern, aber auch alle, die Strategien oder Ideen präsentieren müssen. Während Schauspieler beispielsweise eine Sprechausbildung durchlaufen und wissen, wie sie ihre Stimme schonend einsetzen, wissen viele Menschen nichts von einer adäquaten Stimmtechnik.

Vor allem bei Erziehern, die häufig von der Sprechstimme in die Singstimme wechseln müssen, ist die Stimmbelastung enorm. Mitarbeiter von Call-Centern arbeiten in der Regel in klimatisierten Großraumbüros, wo die Schleimhäute einer extrem trockenen Luft ausgesetzt sind.

Die Logopädin Silvia Krull weiß aus ihrer Praxiserfahrung, dass die Stimmtechnik vieler Menschen den ihnen anvertrauten Aufgaben nicht gewachsen ist.

"Häufig kommen die Leute erst sehr spät. Dann sind die Stimmprobleme mitunter schon chronifiziert."

Logopädin Silvia Krull

Die meisten Menschen sind der Meinung, dass Sprechen eine ebenso natürliche und selbstverständliche Aktion ist wie Atmen oder Hören. Das ist grundsätzlich richtig. Nur kann ein permanentes, über längere Zeitperioden andauerndes Sprechen zur Belastung des Stimmapparates werden, wenn er falsch bedient wird.

Wer unter andauernden oder immer wiederkehrenden Heiserkeiten beziehungsweise kompletten Stimmausfällen leidet, sollte das grundsätzlich vom HNO-Arzt abklären lassen. Wenn der Arzt eine funktionelle Störung als Ursache der Heiserkeit diagnostiziert, kann er eine logopädische Therapie verordnen, die dann auch von den Krankenkassen getragen wird. Ziel einer solchen Therapie ist es, die körperlichen Voraussetzungen für eine gesunde Stimmgebung zu schaffen. Das beginnt mit der richtigen Atemtechnik und kann Übungen beinhalten, die die Tonbildung, die richtige Artikulation sowie die Verbesserung der Resonanz zum Ziel haben.

Altersbedingte Stimmprobleme

Die Stimme unterliegt im Verlauf eines Menschenlebens fortwährenden Veränderungen. Die Stimme eines Kindes ist vergleichsweise zart und umfasst in der Regel einen größeren Umfang als die Stimme eines Erwachsenen. Während der als "Stimmbruch" bekannten Phase, die bei Knaben etwa in das 12. Lebensalter fällt und bei Mädchen gut zwei Jahre früher einsetzt, kommt es aufgrund einer vermehrten Ausschüttung männlicher Geschlechtshormone zum Wachstum des Kehlkopfes und zum Längenwachstum der Stimmbänder.

Da der männliche Kehlkopf während dieser Wachstumsphase deutlich größer wird als der weibliche, nehmen die männlichen Stimmbänder in der Länge deutlich mehr zu als die weiblichen. Eine Folge davon ist der stärkere Stimmabfall bei männlichen Teenagern im Vergleich zu Mädchen, deren Sprechstimme nach dem Stimmbruch zwar auch tiefer klingt als zuvor, aber längst nicht so tief wie bei ihren Schulkameraden.

Im hohen Alter kommt es aufgrund vielfältiger körperlicher Veränderungen auch zur verminderten Stimmfähigkeit. Die Stimme verliert an Kraft und Lautstärke, sie bricht und klingt mitunter zittrig und schwach. Gründe für die schwächer werdende Stimmgebung älterer Menschen sind unter anderem eine verminderte Atemleistung, aber auch eine zunehmende Austrocknung der Schleimhäute sowie ein Elastizitätsverlust der Stimmlippen.