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Wattestäbchen, Ohrenkerzen und Co. Was hilft bei verstopften Ohren?

Wattestäbchen sind ein Tabu, meist sind sie keine Hilfe bei Ohrenpfropfen, sondern eher der Auslöser. Der HNO-Arzt kann die verstopften Ohren wieder frei spülen, doch gibt es auch Mittel für zuhause? Kann man die Pfropfen ganz vermeiden? Wie soll man seine Ohren grundsätzlich pflegen?

Von: Manfred Schramm Stand: 11.06.2012
Frau flüstert Mann ins Ohr | Bild: colourbox.com

Unsere Ohren nehmen von Anfang an Geräusche, Töne, Laute, später Sätze oder Musik auf. Sie lernen zwischen Nuancen in unserer Sprache - Lachen, Weinen, Stöhnen, Schreien usw. - zu unterscheiden, auch ohne den Menschen zu sehen. Sie dienen zur Orientierung im Raum.

Sie nehmen Geräusche von allen Seiten wahr und sind Tag und Nacht im Einsatz. Sie selbst machen sich in der Regel nicht bemerkbar, es sei denn, irgendetwas stimmt nicht. Sie können verstopft sein, schmerzen, entzündet sein, Töne aussenden oder sogar durch einen Hörsturz eine Hörminderung erleiden. Doch oft kann richtiges Verhalten mit einfachen Maßnahmen schlimmere Entwicklungen verhindern.

Ohrenschmalz

Ohrenschmalz, medizinisch Cerumen genannt, ist ein Gemisch aus Talg und Sekreten. Dies kann stören. Doch unsere Ohren reinigen sich normalerweise selbst und befördern dies alles nach außen. Ist die Ohrpfropfenbildung jedoch so stark, dass sie das Hören beeinträchtigt, sollte etwas unternommen werden.

Wattestäbchen sind nicht für die Ohrenpflege geeignet!

Verlockend ist für viele: der Griff zu Wattestäbchen. Sie sehen harmlos und weich aus, sind leicht zu benutzen und ins Ohr einzuführen. Doch Vorsicht! Bei der Reinigung mit Wattestäbchen wird oft ein Teil des Pfropfens vor das Trommelfell geschoben. Das kann zu Ohrenschmerzen und Hörminderung führen. Auch eine Trommelfellverletzung ist möglich.

Aus der Praxis eines HNO-Arztes

"Einer der kuriosesten Fälle, den ich sicher nicht vergessen werde, war ein Polizist in voller Montur, der sich fertig gemacht hat für seinen Nachtdienst, der dann in die Notaufnahme eines Krankenhauses kam und sich mit dem Wattestäbchen das Trommelfell durchstoßen hatte, das Wattestäbchen dann auch so drin gelassen hat, damit wir das unter mikroskopischer Kontrolle entfernen konnten."

Bei verstopften Ohren sollte man lieber nichts selber machen. Scheuen Sie sich nicht, zum Hals-Nasen-Ohrenarzt zu gehen, denn dort kann das Cerumen problemlos entfernt werden. Ansonsten kann es zum Teil schwerwiegende Problemen geben:

"Im Prinzip kann es gefährlich werden, es kann zu Entzündungen kommen, gerade am Gehörgang, oder bei Verletzungen des Trommelfells zu Mittelohrentzündungen. Der Trommelfelldefekt kann dann nicht richtig ausheilen, so dass man dann sogar operative Maßnahmen ergreifen müsste."

Dr. med. Kirsten Aigner, Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, München

Je nach Art der Ablagerungen wendet der Facharzt eine von drei Methoden an, um den Pfropfen aus dem Gehörgang zu entfernen.

  • Weiche Ablagerungen können mit lauwarmem Wasser aus dem Ohr gespült werden. Dabei wird das Wasser gezielt über einen Strahl auf den Pfropfen gerichtet und dieser mit etwas Druck ausgeschwemmt.
  • Eine andere Methode ist das Absaugen. Der Pfropfen wird über einen dünnen Metallstab, der in den Gehörgang eingeführt wird, angesaugt und so aus dem Ohr entfernt.
  • Ist der Pfropfen schon härter, setzt der Arzt ein Häkchen ein, um ihn zu entfernen.

Alle drei bis sechs Monate empfiehlt der Facharzt eine Entfernung des Ohrenschmalzes. Wer eine sehr starke Bildung von Ohrenschmalz hat, sollte auch öfter hingehen.

Mittel aus der Apotheke

In der Apotheke werden Sprays und Tropfen angeboten, mit denen die Ohren gut gereinigt werden können. Sprays sind dazu gedacht, das Ohrenschmalz aufzuweichen und so aus dem Gehörgang herauszuspülen. Tropfen funktionieren im Prinzip genauso. Aber meistens lässt das Ergebnis zu wünschen übrig.

"Das kann zum Teil gut funktionieren, wenn es nicht viel Ohrenschmalz ist. Allerdings besteht auch da die Gefahr, dass man das Ohrenschmalz weiter reindrückt oder auch nicht ganz entfernt bekommt und dann zur richtigen professionellen Reinigung zum HNO-Arzt gehen sollte."

Dr. med. Kirsten Aigner

Ohrenkerzen

Ohrenkerzen sind nicht unbedenklich.

Ohrenkerzen sollen von den Hopi-Indianern schon vor 900 Jahren angewandt worden sein. In der Alternativmedizin und in der Esoterik haben sie ihren festen Platz. So sollen sie bei Ohrenproblemen aller Art helfen - also auch bei Ohrenschmalz. Der Benutzer zündet die Kerze an, schützt sich und sein Ohr durch eine Abdeckung, die am Kerzenende angebracht wird und tropfendes Wachs aufhalten soll.

Dann legt er sich seitlich aufs Bett oder Sofa, deckt mit einem mit Alufolie beschichteten Fächer sein Haar ab und steckt die Kerze ins Ohr. Die Kerze ist innen hohl und soll wie ein Kamin wirken. Durch den Hohlraum strömt Wärme ins Ohr, die den Pfropfen aufweichen und auflösen soll, so dass er leicht aus dem Ohr herausgeholt werden kann.

Doch HNO-Ärzte berichten, dass sie oft Anwender dieser Methode sehen, die noch Rußpartikel oder Wachsreste im Gehörgang haben, und dass es zum Teil durch auftropfendes Wachs zu Verbrennungen kommt. Die Deutsche Gesellschaft der HNO-Ärzte warnt ausdrücklich vor der Anwendung von Ohrenkerzen bei Ohrproblemen.

Pflege der Ohren

Genau so sollte man's nicht machen!

Unsere Ohren brauchen keine aufwändige Pflege. Zu viel kann eher schaden. Es wird nur ein Waschlappen oder ein Handtuchzipfel gebraucht. Der sollte mit lauwarmem Wasser leicht angefeuchtet werden, dann kann das Ohr vorsichtig abgetupft werden. Aber nur die Ohrmuschel und den vorderen leicht erreichbaren Teil des Gehörgangs.

Es sollte auch keine Seife verwendet werden. Sie kann zu scharf sein und eventuell Probleme verursachen. Nach dem Duschen und Schwimmen sollten die Ohren getrocknet werden. Denn nasse Ohren sind gegen Kälte empfindlich und bei etwaigen Trommelfellverletzungen kann es vorkommen, dass Keime ins Mittelohr gelangen und Entzündungen hervorrufen.

Zugluft

Viele Menschen reagieren empfindlich auf Zugluft. Sie frieren schnell am Kopf, und das kann auf die Ohren gehen. Wer gar in die Winterkälte hinaus will, sollte sich durch Sonne nicht täuschen lassen und lieber einen Blick aufs Thermometer werfen. Also warm halten, Mütze, Schal und Handschuhe an, das hilft meistens schon, sich vor Ohrenschmerzen zu schützen.

"Es kann sein, dass - wenn die Schleimhäute schlechter durchblutet sind - es über den Mund-Rachen oder Nasen-Rachen zur Verschleppung von Keimen kommt. Man wird dann infektanfällig und es kann dann auch über eine Verschleppung der Keime über die Eustachische Röhre zu Ohrproblemen kommen."

Dr. med. Kirsten Aigner

Es kann zum Beispiel zu Entzündungen kommen, zum Beispiel einer Mittelohrentzündung. Sie kann durch Keime und Bakterien entstehen, die über den Mund-Rachen-Raum ins Mittelohr eindringen. Mittelohrentzündungen gehen fast immer mit hohem Fieber einher. Hier helfen meist nur Schmerzmittel, in hartnäckigen Fällen Antibiotika.

Oft löst Kälte allerdings nur einen sogenannten neuralgischen Schmerz aus. Der kann unangenehm sein, verschwindet aber meistens bei Wärme von alleine.

Wasser im Ohr

Beim Schwimmen kann Wasser ins Ohr geraten.

Nach dem Schwimmen oder Duschen hat man manchmal Wasser im Ohr. Das ist nicht weiter schlimm, höchstens ein wenig unangenehm. Der Tipp, wie man das Ohr wieder frei bekommt: Das Ohr nach oben und hinten ziehen, so wird der Gehörgang gerader, und dann den Kopf zur Seite neigen. So kann das Wasser leichter ablaufen.

Ohrstöpsel

Viele Menschen sind empfindlich gegen Lärm und Geräusche - besonders nachts. Und wenn dann der Partner noch schnarcht, ist die Nachtruhe schnell dahin. Da können Ohrstöpsel sinnvoll sein. Es gibt sie heute aus verschiedenen Materialien, die weich sind und sich leicht formen lassen, damit sie in jedes Ohr passen und auch wieder leicht entfernt werden können. Doch worauf sollte geachtet werden?

"Man sollte beim Tragen von Ohrenstöpseln darauf achten, dass man sie nicht zu weit in das Ohr hineinschiebt, und dass sie beim Tragen nicht unangenehm sind. Sie sollten keine Schmerzen bereiten, wenn man sie ins Ohr steckt. Dann kann man sie, wenn sie gut verträglich sind, durchaus die ganze Nacht im Ohr behalten, um sich vor Lärm zu schützen."

Dr. med. Kirsten Aigner

Adressen:

Expertin der Sendung:
Dr. med. Kirsten Aigner
Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
München

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53129 Bonn

Telefon: (02 28) 23 17 70
Fax: (02 28) 23 93 85
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