Blaue Flecken Was hilft bei Blutergüssen?
Ein Stoß, ein Schlag oder ein Sturz - schon ist es passiert: Ein blauer Fleck entsteht. Blutergüsse sind schmerzhaft, aber meist harmlos. Kann man die Blutung unter der Haut eindämmen? Was ist los, wenn man ohne erkennbaren Grund häufig Hämatome hat?
Schnell kann es geschehen: nicht richtig hingesehen, schnell um die Ecke geflitzt und schon ist es passiert. Man erwischt die Schreibtischkante, stößt sich an der Schranktür oder läuft gegen den Küchenstuhl. Ein Schlag, ein Stoß, ein Sturz, eine Quetschung oder nur ein Kneifen können einen blauen Fleck auslösen. Meist dauert es nicht lange und schon deutet er sich an. In der Fachsprache wird er Hämatom oder Bluterguss genannt.
So kommt es zum Bluterguss
Durch die äußere Gewalteinwirkung zerplatzen unter der Hautoberfläche Blutgefäße. Das Blut tritt aus und fließt in das umliegende Gewebe. Die Stelle schwillt an und färbt sich rot. Wenn das Blut gerinnt, wird sie dunkelrot bis blau. In den Tagen und Wochen danach verändert sich die Farbe. Der Fleck wird noch dunkler, dann grün, gelb – bis er langsam verschwindet. Innerhalb von zwei bis drei Wochen ist das Hämatom normalerweise wieder weg.
Wann sollte man zum Arzt?
In der Regel sind solche blauen Flecken eher harmlos, manche tun jedoch auch weh und können tatsächlich zur Gefahr werden, erklärt der Hämostaseologe Dr. Jürgen Ringwald. Der Spezialist für Blutgerinnung an der Uniklinik Erlangen bekommt immer wieder mal Hämatome zu Gesicht, die behandelt werden müssen.
"Wenn die Schmerzen sehr stark sind, sollte man zum Arzt gehen. Auch wenn es ein sehr großes Hämatom ist. Da besteht die Gefahr, dass es zum Beispiel auf andere Blutgefäße oder auf einen Nerv drücken könnte. Das merkt man als Patient in erster Linie dann so, dass man quasi nichts mehr spürt an der Stelle."
Dr. Jürgen Ringwald
Werden solche Hämatome nicht behandelt, kann es zu Schockzuständen mit hohem Blutverlust kommen. Sind die Schmerzen sehr stark, sollten auch mögliche Begleitverletzungen, wie zum Beispiel ein Bruch, abgeklärt werden.
Achtung Blutgerinnungsstörung
Einige Menschen neigen zu blauen Flecken. Wenn diese ohne ersichtlichen Grund auftreten, sollte man ebenfalls einen Arzt aufsuchen. Dahinter kann sich nämlich eine erworbene oder angeborene Blutgerinnungsstörung verbergen. Manche Medikamente wirken gerinnungshemmend Sechzig Prozent der Blutgerinnungsstörungen sind erworben, durch Medikamente. Jürgen Deibl hat eine künstliche Herzklappe und nimmt deshalb den Blutverdünner Marcumar. Er neigt zu Hämatomen.
"Wenn ich mich anstoße, habe ich einen blauen Fleck. Ein anderer, der dieses Medikament nicht nimmt, der hat dann nichts, außer, dass er sich angestoßen hat."
Jürgen Deibl
Der Nutzen des Medikaments muss immer gut abgewogen werden. Jürgen Deibl braucht es, das Risiko für Blutungen ist allerdings hoch. Neben Marcumar hemmen auch viele Schmerzmittel die Blutgerinnung, zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen. Dr. Jürgen Ringwald hat schon Patienten gesehen, die mehrere Schmerzmittel gleichzeitig nahmen und bei denen es zu Problemen kam. Der Patient sollte sich darüber im Klaren sein, dass das Blutungsrisiko steigt. Im Notfall, zum Beispiel bei einem Unfall oder einer Operation, kann viel Blut verloren gehen.
"Wenn die Patienten nichts sagen und solche Medikamente gegen Schmerzen nehmen und werden dann operiert, dann wundert sich der Chirurg sehr stark, warum es bei der Operation so stark blutet."
Dr. Jürgen Ringwald
Die angeborene Blutgerinnungsstörung
Die neunjährige Sophie Huber hatte in ihrem Leben schon auffällig viele Hämatome. Als Baby hatte sie nur vom Krabbeln die Beine blau, selbst nur beim Liegen zog sie sich Blutergüsse zu. Kein Arzt wusste Rat. Erst als ein Impfeinstich vier Tage nachblutete, wurde bei Sophie eine angeborene Blutgerinnungsstörung diagnostiziert: das Willebrand-Jürgens-Syndrom. Sophie fehlt ein Protein, das eine äußerst wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Sie bekommt besonders leicht Hämatome und Einblutungen. Erst letztes Jahr im Sommer hatte sie große Schmerzen. Zwischen der Haut und dem Knochen hatte sich im Hüftgelenk das Blut gestaut. Sie konnte nicht mehr laufen und es dauerte Wochen, bis die Einblutung wieder verschwunden war. Die Neunjährige hat eine schwere Form des Willebrand-Jürgens-Syndroms.
Um Blutungen zu vermeiden, muss sie behandelt werden und bekommt einmal pro Woche den Blutgerinnungsfaktor gespritzt. Diese Behandlung ist gerade im Kindesalter wichtig, weil der Körper noch wächst, erklärt Dr. Jürgen Ringwald.
"Bei einer schweren Form kann es zu schweren Einblutungen kommen, gerade in die Gelenke. Und Gelenkeinblutungen tun sehr weh und zerstören auch die Gelenke nachhaltig."
Dr. Jürgen Ringwald
Sophie geht es gut: Sie spielt, springt, turnt und fällt schon mal hin, wie jedes andere Kind auch. Im Notfall kann ihre Mutter ihr den Blutgerinnungsfaktor spritzen. Cornelia Huber ist froh, dass die Familie die Diagnose hat.
"Nur wenn man das weiß, kann man auch früh genug handeln und Einblutungen verhindern."
Mutter von Sophie
Kühlung gegen Schmerzen
Bei einem normalen Verlauf ist ein kleiner blauer Fleck unbedenklich. Der Heilungsprozess lässt sich wenig beschleunigen, dennoch sind einige Maßnahmen sinnvoll. Am besten kühlt man die Stelle direkt nach der Verletzung, das ist das wirksamste Mittel. Durch die Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen und weniger Blut tritt ins Gewebe aus. Auch ruhig halten hilft etwas, sonst wird der Blutfluss wieder angeregt. Zudem helfen kühlende Gels oder aber Salben mit Heparin. Diese können die Auflösung des Blutergusses fördern.

Wetter

