Entschlacken, Entgiften, Fasten Ist das wirklich gesund?
Fasten ist nicht einfach das Weglassen von fester Nahrung und Alkohol. Für viele Menschen spielt die spirituelle Seite eine große Rolle. Zum Ende des Winters soll der Körper gereinigt und entschlackt werden. Wirkt eine Fastenkur tatsächlich entgiftend oder belastet sie eher die Gesundheit?
Traditionell zur Fastenzeit denken viele Menschen daran, ein paar Kilos, die sie sich über den Winter zugelegt haben, wieder loszuwerden. Und bei den meisten Menschen purzeln die Pfunde auch, sobald sie die Nahrungsaufnahme vermindert haben. Doch leider wird Fasten viel zu oft auf die Gewichtsreduktion reduziert. Die gesundheitlichen Aspekte des Fastens werden häufig vernachlässigt.
Was ist Fasten?
Der Körper schaltet während des Fastens von der externen Energiezufuhr auf die interne Energiezufuhr aus körpereigenen Energiereserven um. Fasten ist nicht etwa die Erfindung zeitgeistiger Gesundheitsapostel. In nahezu allen Religionen hat es seinen festen Platz. Religiöses Fasten ist unter anderem der Sühne geschuldet, der Reinigung des Körpers und der Läuterung des Geistes. Als Teil religiöser Riten soll es die Gläubigen zum Beispiel auf bestimmte Feiertage vorbereiten - im jüdischen Glauben anlässlich des Versöhnungsfestes Jom Kippur, dem höchsten Feiertag der Juden, oder im Christentum in Vorbereitung auf Ostern. In der vorösterlichen Fastenzeit gedenken die Christen Jesu, der 40 Tage fastend in der Wüste verbracht hat. Das Fasten während des Ramadan gehört zu den religiösen Pflichten der Moslems, wobei sich das Fasten auf die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erstreckt.
Fasten hat noch einen anderen Hintergrund
Fasten hat eine lange Tradition und ist ein altes Programm, das zum menschlichen Dasein gehört. Die permanente Verfügbarkeit von Nahrung ist ein Privileg unserer Zeit. Für unsere Vorfahren war es selbstverständlich, zwischen Nahrungsphasen auch immer wieder mit Hunger leben zu müssen.
Das Krankheitsrisiko sinkt
Mittlerweile ist die Forschung soweit, dass die vom Fasten ausgehenden gesundheitlichen Vorteile evident sind. Universitäts-Professor Dieter Melchart vom Kompetenzzentrum für Naturheilkunde und Komplementärmedizin der Technischen Universität München verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf antioxidative sowie antikanzerogene Effekte, was in der Konsequenz dazu führt, dass das Risiko für degenerative Erkrankungen - etwa Arteriosklerose oder Demenz - aber auch Krebs sinkt.
Kalorienreduzierung hat Anti-Aging-Effekte
Von der Religionsgemeinschaft der Mormonen, die monatlich einen Fastentag einlegen, ist bekannt, dass sie ein geringeres Risiko für koronare Herzerkrankungen haben. Neueste Studien aus den USA zeigen zudem, dass eine generelle Kalorienreduzierung regelrechte Anti-Aging-Effekte zeigt. Versuchstiere, die weniger Energie in Form von Futter bekamen, lebten nicht nur deutlich länger; ihre gesundheitsrelevanten Blutwerte, etwa Blutzucker, Blutfettwerte, aber auch der Blutdruck, waren deutlich besser, als bei den Tieren der Vergleichsgruppe, die mehr zu fressen bekamen. Hinzu kommt, dass die "unterernährten" Tiere deutlich weniger erkrankten.
Eine mögliche Erklärung für diese Anti-Aging-Effekte liefert möglicherweise das Enzym Telomerase, dessen Ausschüttung in Zeiten des Fastens sowie bei generell geringerer Kalorienzufuhr angekurbelt wird. Die Telomerase sorgt dafür, dass sich die Telomere, die für die Teilung und letztlich für die Lebensdauer der Zellen zuständigen Endstücke der Chromosomen, immer wieder regenerieren. Sobald die Telomere eine kritische Größe unterschreiten, ist die Zelle unwiederbringlich verloren. Somit führt die Produktion des Enzyms Telomerase zur Lebensverlängerung der Zellen und somit des gesamten Organismus.
Fasten kann verschiedenen Formen haben
Bei all diesen gesundheitsrelevanten Erkenntnissen sind auch die verschiedenen Formen des Fastens zu berücksichtigen. Fasten bedeutet nicht nur, für ein oder mehrere Wochen nichts zu essen. Auch das Einlegen von einem Fastentag pro Woche oder das sogenannte "every other day fasting", was heißt, einen Tag essen, einen Tag nichts oder nur sehr wenig essen, führt zu den erwähnten "Anti-Aging-Effekten". Auch der Verzicht auf bestimmte Speisen, so wie es beispielsweise die Katholiken am Freitag praktizieren, ist eine Form des Fastens. So kann der Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol und fette Speisen an ein beziehungsweise mehreren Tagen pro Woche dazu beitragen, dass einerseits das Körpergewicht sinkt und der Körper andererseits entlastet wird.

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