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Völlegefühl und Sodbrennen Verdauungstipps für die festlichen Tage

Plätzchen, Christstollen, fette Braten - für unsere Verdauung ist die Weihnachtszeit eine echte Herausforderung. Schlemmen und Naschen ohne Reue, ohne Völlegefühl oder Sodbrennen - geht das? Ja! "Gesundheit!" hat einige Tricks parat, damit die Feiertage nicht auf den Magen schlagen.

Von: Julia Richter

Stand: 24.12.2013

Weihnachten steht vor der Tür. Viele freuen sich auf besinnliche Tage im Kreis ihrer Lieben. Da darf natürlich auch das Kulinarische nicht zu kurz kommen. Egal ob Würstchen mit Kartoffelsalat, Gans mit Blaukraut oder Karpfen - bei den meisten wird an den Festtagen üppig aufgetischt. Und Weihnachten ist kaum verdaut, da knallen auch schon die Silvesterkorken. Unser Körper muss an den Feiertagen oft Schwerstarbeit leisten. Wir zeigen, wo die Gefahren lauern und wie Sie gesund ins neue Jahr kommen!

Was tun bei Magenproblemen?

Ob Plätzchen, Lebkuchen, Braten oder der obligatorische "Verdauungsschnaps", die meisten von uns essen und trinken an den Festtagen deutlich mehr und auch die Portionen fallen üppiger aus als sonst. Für den Magen bedeutet das Stress.

Sodbrennen

Christstollen | Bild: colourbox.com zum Artikel Verdauung Hilfe nach der Völlerei zum Fest

Weihnachtszeit - Zeit der üppigen Mahlzeiten. Man haut kräftig rein und lässt nichts übrig. Das hat Folgen. Die können ziemlich unangenehm sein: Völlegefühl! Was tun? [mehr]

Bei manchen führt das zu Sodbrennen. Die Verdauung einer üppigen Mahlzeit beträgt locker acht Stunden. Durch das deftige Essen leert sich der Magen nur langsam. Für den Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre ist das Schwerstarbeit. Er hält dem Druck kaum Stand. Die Folge: Magensäure steigt in die Speiseröhre auf. Aber nicht nur fettes, schwer verdauliches Essen kann zu Sodbrennen führen. Risikofaktoren sind auch Nikotin, Alkohol und Zucker.

Tipps der "Gesundheit!"

  • Etwa drei Stunden vorm Schlafengehen lieber nichts mehr essen. Dann ist der Magen nicht mehr ganz so voll.
  • Auch ein erhöhtes Kopfteil hilft: In waagerechter Position kann die Magensäure leichter nach oben steigen.
  • Vor dem Essen stilles Wasser trinken, das verdünnt die Magensäure.

Achtung, wer häufiger unter Sodbrennen leidet, sollte die Beschwerden ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Die sogenannte Reflux-Krankheit muss meist behandelt werden.

Völlegefühl

Wer Weihnachten unerbittlich zuschlägt, dem liegt das Essen bald wie ein Stein im Magen. Viele setzen entweder auf den berühmten Schnaps als Verdauungshilfe oder machen ein Nickerchen. Doch was hilft wirklich?

Die Mär vom Schnaps als Verdauungshilfe hält sich hartnäckig. Aber der Hochprozentige bringt nicht nur nichts, sondern ist auch noch kontraproduktiv, wie die Ernährungsexpertin Jutta Saumweber von der Verbraucherzentrale Bayern weiß:

"Alkohol bringt überhaupt nichts für die Verdauung, im Gegenteil. Die Fettverbrennung wird gehemmt durch Alkohol. Der Grund: Unsere Leber verstoffwechselt Alkohol immer zuerst. Also liegt ein fettes Essen mit Alkohol sogar länger im Magen als ohne. Wenn überhaupt, dann sollte man einen Kräuterlikör trinken statt eines Obstlers. Da werden die positiven Wirkungen dann den Kräutern zugeschrieben."

Jutta Saumweber

Nun meinen viele, dass sie dennoch eine wohltuende Wirkung nach einem Schnaps verspüren. Das liegt daran, dass der Alkohol kurzzeitig die Magennerven betäubt. Das heißt, wir spüren den Braten nicht mehr so schwer im Magen liegen, aber schneller verdaut wird er keineswegs - im Gegenteil.

Bewegung hilft

Ein altes Sprichwort sagt: "Nach dem Essen sollst Du ruh'n, oder tausend Schritte tun." Wer wirklich etwas für seine Verdauung tun will, sollte sich eher an die tausend Schritte halten, denn durch die Bewegung wird der Darm massiert, die Verdauung kommt in Schwung.

Tipps der "Gesundheit!"

  • Einen Espresso trinken: Koffein regt im Magen-Darm-Trakt die Durchblutung an. Die Bitterstoffe im Kaffee bringen die Verdauung in Schwung.
  • Bitterstoffe sind zum Beispiel auch in der Artischocke, sie regen unter anderem die Produktion der Bauchspeicheldrüse und des Gallensaftes an. Das fördert die Bekömmlichkeit von schweren Speisen.
  • Bitterstoffe sind auch in Kräutern wie zum Beispiel Kerbel, Liebstöckel und Majoran. Warum nicht Gewürze wie Majoran, Lorbeer oder Ingwer an die Gans geben?
  • Apropos Ingwer: die Knolle ist ein wahres Wundermittel für den Magen: Die ätherischen Öle feuern die Verdauung an. Außerdem hilft Ingwer gegen Übelkeit.
  • Auch bestimmte Beilagen enthalten Bitterstoffe, wie Chicorée oder Endivien-Salat.

Mit diesen Tipps kann man den Magen etwas bei der Arbeit unterstützen. Und natürlich gilt die Regel: Manchmal ist weniger mehr. Wer zu Magenproblemen neigt, sollte kleinere Portionen zu sich nehmen.

Blähungen

Wer richtig zulangt, dem drohen nicht nur Sodbrennen und Völlegefühl, sondern auch Blähungen. Wird Nahrung verdaut, bilden sich Gase - wie Methan. Normalerweise werden diese größtenteils über den Blutkreislauf abtransportiert. Durch fettes, süßes und schwer verdauliches Essen bilden sich besonders viele Gase, die nicht mehr so leicht abtransportiert werden können. Es entstehen Blähungen. Besonders Gemüse wie Kohl, Bohnen oder Zwiebeln verursachen die typischen Beschwerden.

Tipps der "Gesundheit!"

  • Verzicht: Neben den typisch "blähenden" Lebensmitteln reagiert jeder anders auf bestimmte Nahrungsmittel. Hier heißt es ausprobieren und gegebenenfalls verzichten: notfalls auch auf den Rotkohl zur Gans.
  • Vorbeugend können Tees mit Fenchel, Kümmel und Anis helfen. Wer mag, kann Kümmel natürlich auch direkt beim Kochen dazugeben.

Was tun, damit die Waage nicht Alarm schlägt?

Wer kennt das nicht: Man hangelt sich von Köstlichkeit zu Köstlichkeit, und wenn die Festtage vorbei sind und die Hose kneift, kommt das große Bedauern. Schaut man sich die typischen Weihnachtsleckereien genauer an, wird klar, warum man so leicht zunimmt.

Kalorienbomben

  • Alleine ein großes Stück Stollen kommt auf 450 Kilokalorien.
  • Eine normale Portion Kartoffelsalat mit Würstchen hat etwa 600 Kilokalorien.
  • Etwa 800 Kilokalorien hat eine Raclette-Portion.
  • Ein Abendessen - bestehend aus Gans mit Beilagen, vorweg ein Salat, dazu ein Glas Wein und als Nachtisch ein Tiramisu - hat 2.100 Kilokalorien.

"Mit 2.100 Kalorien hat man das Tageskonto als Frau praktisch schon voll, und auch das Fettkonto hat man weit überzogen. Eine erwachsene Frau sollte so 70 Gramm Fett am Tag essen. Und dieses Gans-Essen hat schon gut 120 Gramm."

Jutta Saumweber

Tipps der "Gesundheit!"

  • kleine Portionen, diese aber bewusst genießen
  • reichlich Wasser zum Essen trinken, das hilft gegen Heißhunger
  • beim Fondue Brühe statt Fett benutzen
  • als Nachtisch einen leckeren Obstsalat essen anstatt Tiramisu
  • gesunde Beilagen wählen wie Pellkartoffeln statt Pommes oder Kroketten
  • eine Mahlzeit ausfallen lassen - zum Beispiel das Stück Kuchen am Nachmittag - dafür am Abend den Nachtisch genießen
  • Bewegung zählt: Warum nicht an den Feiertagen einfach mal raus und Sport machen? Das tut der Kalorienbilanz gut und ist außerdem gesund.
  • Wer nach Weihnachten einen Entlastungstag einlegt mit viel Gemüse und Brühe, der kann über die Festtage auch mal genießen.

Mit diesen Tipps kann man sich die ein oder andere Sünde durchaus schmecken lassen. Ernährungsexperten wissen: Mal fett zu essen macht nicht dick. Die Gesamtbilanz über das Jahr muss stimmen, das heißt, wer sich normalerweise gesund und ausgewogen ernährt, der darf auch mal üppiger essen.

Was tun gegen einen Kater?

An den Festtagen wird nicht nur reichhaltig gegessen, viele trinken auch mehr als sonst. Besonders nach Silvester wachen viele mit schwerem Schädel auf.

Tipps der "Gesundheit!"

Maß halten, dann hat ein Kater erst gar keine Chance.

  • Wer viel durcheinander trinkt, der darf sich über einen brummenden Schädel nicht wundern: Statt viel zu mischen, lieber auf ein Getränk setzen.
  • Wichtig: Konsequent zu jedem Glas Alkohol ein Glas Wasser trinken.
  • Vorm Schlafengehen noch mal eine Extraportion Wasser zu sich nehmen, um die Flüssigkeitsdepots aufzufüllen, die der Alkohol leert.

Und wenn es doch mal ein Gläschen zu viel war?

"Wenn man doch mal einen Kater hat, hilft tatsächlich der altbewährte Rollmops oder die Essiggurke. Also saure Nahrung in Verbindung mit viel Wasser: Man kann auch, wenn man keinen Fisch mag, Brühe trinken, wichtig ist, dass man die Mineralien und das Salz wieder auffüllt, das der Alkohol entzogen hat."

Jutta Saumweber

Auch ein Spaziergang an der frischen Luft macht den Kopf wieder klar. Mit diesen Tipps kann man den vermeintlichen Gesundheitsfallen entspannt entgegensehen und kommt gesund ins neue Jahr.


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