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Eiweißbrot Wirklich ein Schlankmacher?

Im Backwarenregal soll die neue Waffe gegen Übergewicht liegen: Eiweißbrot. Angeblich die ideale Abendmahlzeit. Die Idee hinter dem sogenannten Diät-Brot: Kohlenhydrate am Abend machen dick - Eiweiß hingegen lässt Pfunde purzeln. Was ist dran an dieser Theorie?

Von: Julia Richter

Stand: 02.12.2013

Ob dunkel, grau oder hell, ob Roggen-, Dinkel- oder Vollkornbrot - keine Nation hat so viele verschiedene Brotsorten wie wir. Die Deutschen gelten als absolute Brotkenner. Rund 56 Kilo Brot isst jeder von uns im Jahr. Doch aufgrund des hohen Anteils an Kohlenhydraten hat Brot einen schlechten Ruf - zumindest was die schlanke Linie betrifft. Brot mach dick - meinen manche. Wie gut, dass es jetzt Eiweißbrot gibt - auch "Abendbrot" genannt. Mit wenig Kohlenhydraten, aber viel Eiweiß sollen die Pfunde purzeln.

Die Idee: Eiweiß hilft beim Abnehmen

Gerade nach den Feiertagen wollen sich viele Menschen wieder bewusster und "leichter" ernähren. Pünktlich zum neuen Jahr heißt es deshalb: Den Gürtel enger schnallen. Und ausgerechnet beim Bäcker soll man tatkräftige Unterstützung bekommen - in Form von Eiweißbrot.

Das neue "Abnehmbrot" gibt es mittlerweile nicht nur beim Bäcker, sondern auch beim Discounter, Bioladen oder im Supermarkt. Die Idee: Wenig Kohlenhydrate und dafür viel Eiweiß. Das folgt dem Low-Carb-Prinzip; eine bekannte Theorie in der Ernährungswissenschaft.

"Die Idee hinter dem Low-Carb-Prinzip ist die, dass, wenn man Kohlenhydrate weglässt und dafür mehr Eiweiß isst, der Blutzuckerspiegel konstant bleibt. Dadurch kann die Fettverbrennung weiterarbeiten. Und der Körper kann Fett abbauen."

Monika Bischoff, Dipl. Ökotrophologin, Ernährungswissenschaftlerin am Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention in München/ZEP

Abwandlungen davon finden sich bei der Atkins-Diät, dem "Schlank im Schlaf"-Prinzip, der Logi- oder Glyx-Diät.

Woraus besteht Eiweißbrot?

Im normalen Brot sind vor allem viel Weizenmehl, Wasser, Hefe und Salz drin. Je nach Sorte enthält es auch Saaten, Körner oder andere Bestandteile.

So ein normales Mischbrot besteht im Durchschnitt aus:

  • 44 - 50 Prozent Kohlenhydraten,
  • 7 Prozent Eiweiß,
  • und 1 Prozent Fett

In der Bilanz macht das etwa 220 Kilokalorien pro 100 Gramm Brot.

Eiweißbrot hingegen besteht aus ganz wenig Weizenmehl, dafür aber aus viel pflanzlichem Eiweiß - wie zum Beispiel Weizeneiweiß oder Soja - aus Wasser, Hefe, Salz und fetthaltigen Saaten, Körnern, Nüssen oder Samen.

Eiweißbrot besteht im Durchschnitt aus

  • rund einem Viertel aus Eiweiß
  • dafür nur aus etwa 8 Prozent Kohlenhydraten,
  • hat aber bis zu 11 Prozent Fett.

Durch den erhöhten Fettanteil hat es auch deutlich mehr Kilokalorien - nämlich rund 265 pro 100 Gramm Brot.

Fazit

Das Eiweißbrot hat im Schnitt bis zu zehn Mal mehr Fett als ein herkömmliches Brot und damit auch deutlich mehr Kilokalorien.

Die Verbraucherzentrale Bayern hat einen Marktcheck gemacht und verschiedene Eiweißbrote unter die Lupe genommen.

"Allein durch den Verzehr von Eiweißbrot wird niemand abnehmen. Es gibt natürlich diesen psychologischen Effekt: Da das Brot beworben wird, dass es zum Abnehmen geeignet ist, denken viele, dass sie sich eine zweite oder dritte Scheibe gönnen können. Und dann kommt man in diesen Teufelskreis, dass man mehr Kalorien aufnimmt, als man eigentlich wollte."

Daniela Krehl, Ernährungswissenschaftlerin, Verbraucherzentrale Bayern

Aus Sicht der Verbraucherschützer ist Eiweißbrot also nicht zum Abnehmen geeignet!

Und: Durch die veränderte Rezeptur verändern sich auch die Backeigenschaften eines Eiweißbrotes. Damit Konsistenz und Geschmack nicht darunter leiden, werden häufig Hilfsmittel eingesetzt, die in einem herkömmlichen Brot gar nicht nötig sind.

Wie schmeckt das Eiweißbrot?

Über Geschmack lässt sich streiten. Wer es gerne weicher und pappiger mag, dem schmeckt das neue Eiweißbrot sicherlich ganz gut. Wer lieber ein körniges Vollkornbrot mag, dem wird das pappige, etwas schwammige Mundgefühl sicher nicht so gut gefallen. Hier gilt, wie bei jedem Brot, es kommt immer darauf an, wo man es kauft.

Nicht für jeden geeignet

Menschen mit Allergien oder einer Unverträglichkeit sollten immer genau auf die Bestandteile und etwaige Zusatzstoffe im Brot achten, denn Gluten, Nüsse oder Samen können für viele zum Problem werden.

Ein Eiweißbrot hat in der Regel viele Ballaststoffe - das ist grundsätzlich gut. Bei Menschen mit Darmproblemen könnte das allerdings zu Problemen führen. Ein Pluspunkt: Das pflanzliche Eiweiß sättigt gut und hält lange vor. Aber Achtung: Nicht für jeden ist die Extra-Portion Eiweiß geeignet.

"Ein hoher Eiweißanteil in der Gesamternährung kann problematisch sein. Speziell bei Nierenproblemen oder bei Gichtpatienten. Die sollten aufpassen, über den Tag nicht zu viel Eiweiß aufzunehmen."

Monika Bischoff, Dipl. Ökotrophologin, Ernährungswissenschaftlerin am Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention in München/ZEP

Übrigens: Im Schnitt ist Eiweißbrot etwas teurer als ein herkömmliches Brot. Ein Pfund kostet rund drei Euro. Wer auf eiweißhaltige, leichte Kost am Abend setzen will, kann das deutlich günstiger haben und braucht dazu kein spezielles Brot. Quark zum Beispiel mit Rohkost wie Tomaten, Paprika, Möhren oder Staudensellerie ist eine gesunde Alternative. Das sättigt lange, hat viel Eiweiß und viele Vitamine.

Was ist eigentlich dran am Low-Carb-Prinzip?

Seinen Boom verdankt das Eiweißbrot der Low-Carb-Diät. Aber stimmt es eigentlich, dass kohlenhydratarme Kost und Proteine am Abend die Kilos schmelzen lassen?

"Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass eine hohe eiweißhaltige Ernährung abends die Fettverbrennung fördert. Es ist wichtig, dass die Gesamtbilanz stimmt und darum ist es egal, ob Sie körnigen Frischkäse oder Pasta essen."

Marion Bischoff. Dipl. Ökotrophologin, Ernährungswissenschaftlerin am Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention in München/ZEP

Man kann seine Gesamtbilanz positiv beeinflussen, wenn man sich bewegt. Sport steigert den Grundumsatz und verbrennt zusätzlich Kalorien. Wer abnehmen möchte, sollte deshalb regelmäßig Bewegung in seinen Alltag einbauen.

Fazit

Das gute alte Abendbrot hat völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf. Brot macht nicht dick - es kommt immer auf die Gesamternährung an.


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