Bayerisches Fernsehen - Geld und Leben


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Saisonarbeit Berghütte Prinz-Luitpoldhaus

Es liegt im hintersten Winkel des Allgäus. Der Weg hinauf ist beschwerlich, dauert mehrere Stunden. Wer in dieser abgelegenen Ecke in unmittelbarer Nähe des Hochvogelgipfels arbeiten möchte, der muss sich das gut überlegen…

Stand: 16.07.2013

Miriam Zerl aus Hinterstein. eigentlich Sporttherapeutin kommt seit Jahren jeden Sommer ins Prinz-Luitpoldhaus und arbeitet dort bis Oktober als Saisonkraft. Mit ihr fünf weitere junge Leute.  Bei schlechtem Wetter ist die Arbeit schnell getan. Die Betten in den Lagern sind längst gemacht. 260 Matratzen hat das Prinz-Luitpoldhaus.

Drei Wochen durchgearbeitet     

Carolin Graf aus Wessobrunn bei hat drei Wochen durchgearbeitet- nun hat sie vier Tage frei. Die ganze Saison über teilt sich die 25jährige ein Zimmer mit einer Kollegin. Die studierte Sozialpädagogin sucht Abstand zu ihrem anstrengenden Job. Nach zwei Jahren in der Drogenberatung braucht sie eine Auszeit. Zwei Stunden Abstieg liegen vor CarolinWer hier oben arbeitet, muss diese langen Auf- und Abstiegszeiten in Kauf nehmen. Alle müssen alles machen, egal ob Toilettenputzen oder Küchenarbeiten. Einzige Voraussetzung für den Job hier oben- man muss flexibel sein- und vor allem teamfähig.

Mit 19 die Jüngste

Franziska Elixmann

Franziska Elixmann aus  Osnabrück ist mit 19 Jahren die jüngste im Prinz-Luitpoldhaus. Sie hat gerade ihre Ausbildung als Floristin abgeschlossen und will hier neue Erfahrungen sammeln:

"Also ich bin seit Montag da und habe schon vier Kuchen gebacken, zuhause bin ich eigentlich nicht so die Bäckerin, aber hier habe ich Spaß dran."

Franziska Elixmann, Saisonkraft

Gerade die Vielseitigkeit macht den jungen Leuten hier oben Freude. Es ist ein Inseldasein, alle wollen für einige Monate Abstand zum Alltag im Tal. Das geht aber nicht  ohne Verzicht: 

"Es gibt schon so ein paar Sachen, die gehen einem ab und auf die freut man sich auch, wenn man nun für drei bis vier Tage frei hat, einfach mal so Sachen wie einen Kaffee trinken gehen oder ins Kino, sich mit Freunden verabreden, das fehlt einem schon ein bisschen, aber man hat es ja dann wieder, wenn man zurück im Tal ist."

Miriam Zerl, Saisonkraft

Keine Romantik

Für die nächsten Tage ist gutes Wetter angesagt, dann ist es mit der Ruhe im Prinz-Luitpoldhaus vorbei. Der Hüttenwirt bereitet seine Saisonkräfte bereits im Vorfeld auf den Stress vor und warnt, die Arbeit hier oben zu romantisieren:

"Wir beschrieben die Arbeit hier fast noch schlimmer, als sie wirklich ist, also anstrengender, als sie letztendlich ist, weil uns nützt es ja nichts, wenn sich jemand die Arbeit anders vorstellt und es dann nicht schafft. Wenn er dann mitten in der Saison abspringt, dann ist das sehr schwierig für uns, dann noch neue Leute zu bekommen. Darum ist es uns wichtig, dass sich die Leute das sehr gut überlegen."

Andi Berktold, Hüttenwirt Prinz-Luitpoldhaus

Oft werden Gäste zu guten Bekannten. Von wegen ein ruhiger Job hoch oben in den Bergen: Einzelgänger kommen als Saisonkraft nicht in Frage- dazu ist das Sozialleben hier oben zu intensiv. Und wer bis Ende Oktober durchhält, der hat viele neue Erfahrungen gesammelt- inmitten einer traumhaften Natur.


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