Medikamente Gefahr bei der Einnahme
Schnelle Wirkung, günstiger Preis, rezeptfrei erhältlich: Schmerzmittel wie Aspirin, Thomapyrin oder Paracetamol. Die Medikamente werden oft als Allheilmittel betrachtet – von der Werbung verharmlost.
Was die Werbung verschweigt: Diese Medikamente können auch sehr gefährlich werden. Ein aktueller Fall im Stuttgarter Katharinenhospital: Traudel P. wurde mit akutem Nierenversagen eingeliefert. Die Ursache: ein frei verkäufliches Schmerzmittel.
"Wir wissen, dass in Deutschland ca. 1500 bis 2000 Tote jährlich durch Blutungen auf der Basis von diesen Medikamenten wie Diclofenac, Ibuprofen oder Ähnlichen zu verzeichnen sind."
Dr. Stefan Junger, Pharmakologe Katharinenhospital Stuttgart
Paracetamol
Viel gefährlicher als lange Zeit angenommen auch Paracetamol. Immer mehr Studien belegen: Der Wirkstoff kann Leberschäden, Asthma und Bluthochdruck verursachen. Trotzdem ist Paracetamol rezeptfrei erhältlich – wird häufig ohne ärztliche Kontrolle eingenommen. Der Erlanger Pharmakologe Kay Brune beschäftigt sich seit Jahren mit dem Wirkstoff. Für ihn steht fest: Schon 6 Gramm Paracetamol können lebensgefährlich werden – nur 2 Gramm mehr, als die empfohlene Tageshöchstdosis. Deshalb fordert Brune: Paracetamol sollte es nur noch auf Rezept geben.
"Paracetamol würde heute, wenn es als neue Substanz einer Zulassungsbehörde vorgelegt würde, nie überhaupt zugelassen, auch nicht rezeptpflichtig. Paracetamol ist ein Medikament, das in leicht erhöhter Dosis bereits zum Tod führen kann und das gibt es sonst in der gesamten Arzneimitteltherapie harmloserer Krankheiten nicht."
Kay Brune, Pharmakologe Universität Erlangen
Die Pharmaindustrie hingegen sieht keinen Grund für eine Gesetzesänderung
Schriftlich teilt uns der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller auf Nachfrage mit:
"Die jetzt diskutierten Produkte sind seit Jahrzehnten behördlich zugelassen, wirksam und sicher. Nach unserer Auffassung gibt es keinen sachlichen Grund für eine Reduzierung der Packungsgröße."
Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller
Kein Wunder – Die rezeptfreien Schmerzmittel werden massenhaft produziert und gekauft – für die Hersteller ein Milliardengeschäft. Ob die Neuregelung kommt, wird Ende Februar entschieden. Dann wird am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte über die kleineren Packungen abgestimmt. So lange hilft nur Aufklärung.

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