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Griechenland Warum klappt es nicht mit dem Tourismus?

Das auferlegte Austerity-Programm führt bislang fast nur zu aufgebrachten Großdemos in Athen - statt schlüssiger Konzepte für mehr Wachstum geht eher die Furcht um vor unkontrolliertem Staatsbankrott. Warum schaffen die Griechen nicht, was die Türken seit 10 Jahren konsequent und erfolgreich vormachen - ihre natürlichen Wettbewerbsvorteile beim Tourismus so auszubauen, dass die ganze Welt gerne kommt und Euros ausgibt?

Autor: Ein Film von Peter Althammer, Alexis Kaplanis und Stefanie Aigner Stand: 13.02.2012

Griechischer Blues heißt Rembetiko. Das Remetiko-Gefühl hat Kos voll erwischt – so wie ganz Griechenland. Rund 30.000 Einwohner auf der Insel leben hauptsächlich vom Tourismus. Aber statt Touristen nur leere Gassen und geschlossene Geschäfte.

"Ich bin verärgert. Dauernd leere Versprechungen über neue Wege in der Touristenwerbung. Es gibt nichts schlimmeres für ein Unternehmen als so etwas. Wir selbst können nicht viel unternehmen. Wir sind auf eine gute Zusammenarbeit mit den hiesigen Behörden, dem Staat und den Geschäftsleuten angewiesen."

Petros Kefalianos, Aqua Blu Hotel Kos

Jetzt kann er nicht einmal denen ein Angebot machen, die gerne auf eigene Faust einige Tage hier verbringen möchten. Dabei würde sich das lohnen.

"Es gibt viele Möglichkeiten für Touristen, die uns im Winter besuchen. Archäologische Ausgrabungen, ein gutes Klima. Wir müssen daran arbeiten, dass solche Gäste schneller und billiger hierher kommen können. Und wir müssen besser darstellen, was sie während ihres Aufenthalts hier machen können."

Petros Kefalianos

Der antike Stadtplatz

Kein geringerer als Hippokrates, der Begründer der europäischen Medizin, gründete auf Kos seine Ärzteschule. Griechen, Römer, Byzantiner, Kreuzritter, Venezianer und Türken – sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Heute ist die Insel fast ein dreiviertel Jahr lang verwaist.

"Der Grund ist, dass die Leute abwarten, wie die finanzielle Situation in Griechenland geregelt wird. Und der andere Grund ist: Die Leute denken möglicherweise, sie wären nicht willkommen."

Michael Karavas, Attika Reisen München

Positivbeispiel Türkei

Dass es auch anders geht, zeigt das Nachbarland. In Sichtweite von Kos liegt die türkische Küste. Gleiches Klima, gleiche Landschaft. Aber seit über einem Jahrzehnt als Reiseziel ein Renner.
Während die Besucherzahlen in Griechenland fast gleich geblieben sind, haben sie sich in der Türkei fast verdreifachen. Und das, obwohl es dort nicht wie in Griechenland Milliardenhilfen der EU für den Aufbau von Infrastruktur gegeben hat.

Im Winter geöffnet

Viele Hotels in den Touristenzentren öffnen auch im Winter. Mit preiswerten Angeboten hat sich die Türkei zum Ganzjahresziel gemausert.
Neue Hotels werden gebaut, die Qualität erhöht sich von Jahr zu Jahr. Auch bei anspruchsvollen Angeboten wie Golf und Wellness.
In der kommenden Sommersaison erwartet die Reisebranche wieder einen kräftigen Türkei-Schub. Griechenland ist auf Jahre abgehängt.

"Griechenland hat das schlechtere Preis/Leistungsverhältnis. In der Türkei bekommt man mehr fürs Geld. Im Schnitt kann man sich in der Türkei einen Stern mehr leisten als in Griechenland."

Markus Babel, Thomas Cook München-Stachus

Fröhliches Sirtaki-Gefühl. Davon lebte der griechische Tourismus einmal gut – auch auf Kos. Aber dieses leichte Leben ist vorbei. Vom türkischen Festland klingt die neue Melodie herüber.