Bayerisches Fernsehen - Geld & Leben

Spendensammeln Wie man schwarze Schafe erkennt

Jetzt landen sie wieder zu Hauf in den Briefkästen: Spendenaufrufe zahlloser Organisationen, die gerade in der Weihnachtszeit ihre Wirkung nicht verfehlen. Insgesamt 2,3 Milliarden Euro haben die Deutschen 2010 für gemeinnützige Zwecke gespendet, mehr als im Jahr zuvor. Doch wer garantiert, dass die Spenden auch ihren Zweck erfüllen und wie kann man schwarze Schafe auf dem Spendenmarkt besser erkennen? Tipps gibt es u. a. beim Deutschen Spendenrat oder beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen(DZI).

Stand: 28.11.2011
Spendensammeln | Bild: picture-alliance/dpa

Umfrage

"Wissen Sie schon, für wen oder was Sie spenden wollen?
"Wo gebe ich hin? Kinder, ältere Leute, Arbeitslose, Kranke"
"Haben Sie noch den Überblick? Nein, denn habe ich schon längst verloren."
"Ich bin ein bisschen skeptisch, ob die Spenden wirklich da ankommen, wo sie sollen, deswegen muss man da sehr genau überlegen."
"Ich vertraue denen dann irgendwie.."
"Hört man ja immer wieder, dass das Geld woanders landet"
"Da braucht man Hilfe. Da müsste man jemanden haben, der das nachvollziehen kann."

"Geht es Ihnen auch so? Es gibt unzählige Möglichkeiten, mit Geld Gutes zu tun. Wie soll man sich da entscheiden. Und wie erfahre ich, ob meine Spende auch an der richtigen Stelle ankommt? Diesen Fragen möchte ich nachgehen..."

Maike Bandmann, BR - Reporterin

Der erste Schritt ist die Recherche im Internet. Über 50.000 Spendenorganisationen sammeln aktiv in Deutschland. Wer findet sich in diesem Dschungel zurecht? Da gibt es zum Beispiel das Informationsportal CharityWatch.de., das Spendenorganisationen überprüft und bewertet. Der Macher der Seite sitzt in Rosenheim.

Stefan Loipfinger ist freier Wirtschaftsjournalist und hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der deutschen Spendenlandschaft beschäftigt. Sein grundlegender Tipp: die Entscheidung, für wen man spendet, sollte überlegt sein.

"Es ist ganz, ganz wichtig, dass man sich wirklich loslöst von Emotionen. Man sollte nicht rein aus dem Bauch raus spenden. Hier, da sieht man ein paar Bildern von gequälten Tieren, von halbverhungerten Kindern oder so was und deswegen will ich dieser Organisation jetzt helfen. Was ist besser, eine große oder eine kleine Spendenorganisation? Pauschal kann man diese Frage nicht beantworten. Eine kleine Organisation, die vor Ort tätig ist, hat den Vorteil da kann ich mal hingehen. Große Organisationen haben dafür den Vorteil, dass sie international helfen können dadurch."

Stefan Loipfinger, CharityWatch.de

International helfen können, das ist vielen Spendern wichtig. Aber was passiert mit dem Geld der vielen kleinen Spendern in diesen Riesenorganisationen. In Nürnberg finde ich die Bayerische Vertretung der Organisation "Brot für die Welt".

„Ich habe jetzt hier 20 Euro. Und mich interessiert, ob eine so große Spendenorganisation wie „Brot für die Welt“ mit so einer relativ geringen Summe überhaupt was anfangen kann. Ich versuche mal mein Glück…“

Allein im letzten Jahr hat „Brot für die Welt“ bundesweit 62 Millionen Euro Spendengelder empfangen. 8 Millionen kommen allein aus Bayern. Das sind große Summen, ich bin gespannt.

"Ich habe hier 20 Euro. Was können sie damit anfangen. Damit können wir ganz viel bewirken. Ich kann Ihnen gerne was zeigen. Aus dem aktuellen Projektmagazin. Zum Beispiel hier in dem Projekt in peru kann man mit 20 Euro eine Spitzhacke finanzieren. Wie genau erfahre ich denn jetzt, was mit meiner Spende angefangen wird. Also, wird daraus wirklich eine Spitzhacke? So genau kann man es dem einzelnen Spender nicht sagen. Wenn jetzt in dem Projekt in Peru zum Beispiel Spitzhacken gebraucht werden, dann ist es natürlich nur eine bestimmte Anzahl. Das heißt ich kann jetzt nicht draufschreiben, Spitzhacke für Peru, das würde wenig Sinn machen. Aber was definitiv zugesagt werden kann, wenn sie einen Verwendungszweck angeben, wie zum Beispiel Peru, dann geht es in das Projekt oder in ähnlich gelagerte Projekte, in dem Fall in Projekte, die der Ernährungssicherung dienen."

Karin Deraëd, Diakonisches Werk Bayern

Zweckgebundene Spenden sollten also die Ausnahme bleiben. Sie schränken die Hilfsarbeit ein und sorgen für unnötigen Verwaltungsaufwand. Das Gefühl der Anonymität bleibt also. Und damit die Angst, dass die Spende missbraucht werden könnte.

Gerade wegen dieser Zweifel werben viele Organisationen mit dem DZI – Spendensiegel, eine Auszeichnung des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen. Für die Vergabe werden unter anderem die Art der Werbung, Höhe der Verwaltungskosten, der Umgang mit Spendengeldern und die Strukturen überprüft. Die Transparenz einer Spendenorganisation ist das wichtigste Kriterium für Glaubwürdigkeit. Ein Blick in den Jahresbericht ist deshalb ein Muss vor jeder Spende.

"Im Internet kann man sicher viel erfahren und eine Auszeichnung wie das Spendensiegel gibt Sicherheit. Aber sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen, ist sicher das Beste."

Karin Deraëd, Diakonisches Werk Bayern

Aber geht das so einfach? Ich habe mich an den Caritasverband der Erzdiözese München-Freising gewandt und wurde in das Sankt Jakob Kinderhaus in München-Feldkirchen eingeladen. Dazu gehört auch ein Familienservicezentrum, das ein spezielles Programm für die gesamte Familie der Kinder hier anbietet., in den Bereichen Betreuung, Bildung und Beratung. Die Angebote sind kostenlos und werden mit 10.000 Euro Spendengeldern gefördert.

"Kann sich denn jeder so ein Projekt anschauen? Natürlich kann sich jeder so ein Projekt anschauen. Wir sind da jederzeit offen dafür. Entweder wir organisieren die Fahr mit mehreren. Das machen wir mehrmals im Jahr. Oder aber die Leute rufen bei uns an und sagen, ich habe für dieses Projekt gespendet, kann ich das auch besuchen. Und dann organisieren wir einen Besuch, klar."

Monika Huber, Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V.

Fazit: Ein Spender sollte im Vorfeld etwas Zeit investieren. Aber dann kann er sich auch sicher sein, dass das Geld bei denen ankommt, die es nötig haben.