Manroland-Insolvenz Schock für Beschäftigte und Region
Es war ein Schock für die Beschäftigten und die gesamte Region, als am Freitag der Augsburger Druckmaschinenhersteller Manroland, eines von drei führenden Weltmarktunternehmen, Insolvenz anmelden musste. Wie es für die 2500 Beschäftigten am Standort Augsburg weitergeht, weiß derzeit niemand. Erste Krisengespräche blieben bislang ohne greifbare Ergebnisse, fieberhaft wird weiter nach einem Investor gesucht. Ein positives Signal gibt es jedoch, die Produktion läuft zunächst weiter.
Es ist noch dunkel als die Mitarbeiter von manroland zur Frühschicht antreten. Für die Beschäftigten der erste Arbeitstag seit die Firma Insolvenz angemeldet hat. Ein schwerer Gang für viele.
"Ich bin jetzt 26 Jahre drin, Müsste noch 10 Jahre arbeiten…und jetzt hänge ich da. wo kriege ich heute noch Arbeit her…ich hab große Angst."
Mitarbeiter
"Ich habe immer in der Hoffnung gelebt: wir schaffen es, haben viele Krisen gemeistert. Aber leider nicht…"
Mitarbeiter
"Schockiert ist man, weiss nicht was man da machen soll. Bin am Überlegen…kann ich schlecht beurteilen…"
Mitarbeiter
"Stimmung ist ganz unten…"
Mitarbeiter
Und das kurz vor Weihnachten: 5.000 Arbeitsplätze sind bei manroland in Deutschland in Gefahr, davon allein 2400 in Augsburg, weitere 1900 in Offenbach und 700 in Plauen. Trotzdem: der Betrieb geht vorerst weiter.
Obwohl die Firma zahlungsunfähig ist, baut sie weiterhin Druckmaschinen für die ganze Welt. Auch der Lohn ist drei Monate lang gesichert, die Arbeitnehmer bekommen Insolvenzgeld vom Arbeitsamt. In dieser Zeit muss das Unternehmen jetzt eine Lösung für seine Probleme finden.
"Entwicklungen der Vergangenheit marktseitig haben uns zu wenige Aufträge gebracht. Und die letzte Hoffnung waren die Gespräche mit einem neuen Investor. Waren auf der Zielgeraden. Kurz vor Abschluss. Und der Investor ist das abgesprungen."
Thomas Hauser, manroland AG
Doch die Insolvenz kam nicht wirklich überraschend. Schon seit Jahren gehen die Umsätze bei den Herstellern von Druckmaschinen dramatisch zurück. Bei manroland brachen sie um 50 Prozent ein.
Hauptgrund: Die Konkurrenz durch das Internet macht den Druckmaschinenherstellern schwer zu schaffen. Die Folgen für manroland – den Weltmarktführer für Zeitungsdruckmaschinen – verheerend. Rund 2000 Mitarbeiter mussten bereits gehen. Nur mit Kurzarbeit kam das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren über die Runden.Als im Herbst die Aufträge abermals dramatisch einbrachen, drehten die Eigentümer den Geldhahn einfach zu.
Die Eigentümer – das waren bisher die Allianzversicherung – und MAN – beides erste Adressen der deutschen Wirtschaft. Vor allem gegen den bisherigen Haupteigentümer Allianz richteten sich heute die Proteste der Mitarbeiter von manroland.
"Von Alteigentümern fordern wir nicht nur, moralische unterstützung, sondern zeit geben, einen neuen Investor zu suchen…sondern uns die nächsten monaten zu finanzieren"
Jürgen Bänsch, Betriebsratsvorsitzender manroland AG
Doch ist die Allianz über ihre Tochter ACP bereit, nochmals Geld in die Hand zu nehmen, um manroland zu helfen.
"Wir sind zu Gesprächen bereit, können aber nicht sagen was die Zukunft bringt…"
Stefanie Rupp-Menedetter, Allianz Capital PARTNERS
Krisentreffen heute Vormittag im Augsburger Rathaus mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil. Im Raum steht auch hier die Frage: Wo soll Geld herkommen, damit es bei manroland weitergehen kann.
"Wir sehen die Verantwortung bei den Unternehmen, Gesellschaftern und Banken, da liegt der Ball. Da wirken wir darauf ein. Nicht die Zeit über Staatshilfen zu sprechen."
Martin Zeil , Bayerischer Wirtschaftsminister
Viel Gerede. Aber keine Zusagen. Die Arbeitnehmer fürchten, dass sie im Stich gelassen werden. Und nach dem ersten Krisengipfel sieht es ganz danach aus. Die Enttäuschung bei den Beschäftigten ist groß.
"Hätte mir etwas mehr Unterstützung gewünscht, dass der bayerische Staat mehr zu diesem wichtigen Standort steht und denken über Bürgschaften nach, dies hat er kategorisch abgelehnt."
Jürgen Bänsch, Betriebsratsvorsitzender manroland AG
Wenn weder Alteigentümer noch der Staat das Unternehmen stützen, wird die Sanierung schwierig. Immerhin: Geschäftsleitung und Arbeitnehmer ziehen bei manroland an einem Strang. Wollen gemeinsam verhindern, dass die Lichter ausgehen.
"Wir brauchen einen Investor, am besten jemanden der aus der Industrie kennt… der das Geschäft kennt. Und es muss sehr schnell mit der Finanzwelt und Branche gesprochen werden….und die muss ein Interesse haben..."
Jürgen Kerner, IG-Metall-Vorstand
Schnell muss es vor allem auch gehen, weil sonst die besten Fachkräfte abwandern. Dann würde die Sanierung noch schwieriger.
"Werden alles tun Mitarbeiter zu halten, das hat man am Freitag in der Versammlung gesehen, haben sehr hohe Loyalität, Stabile Basis."
Thomas Hauser, manroland AG
Die Mitarbeiter: Nicht nur loyal, sondern auch kampfbereit. So einfach wollen sie ihren Betrieb nicht aufgeben.
"Es wird gekämpft bis zum Schluss…Haben gute Produkte. Brauchen die Chance, und dann kann es weitergehen."
VOX POP
Kurz vor Weihnachten bangt Augsburg um ein Traditionsunternehmen: 167 Jahre lang hat manroland in der Fuggerstadt produziert. Diese lange Geschichte darf nicht einfach so sang und klanglos enden – darüber sind sich hier alle einig.

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