Bayerisches Fernsehen - Geld & Leben

Griechen in Bayern Wie sie die Krise belastet

Stand: 28.11.2011
Griechische Flagge und Euro | Bild: picture-alliance/dpa

Neunburg vorm Wald. Erst seit Kurzem ist Aglaia Giannakakou in der Oberpfalz. Sie arbeitet hier als Kellnerin in einem griechischen Restaurant. Aglaia ist in Griechenland geboren, hat zwischendurch in Deutschland gelebt und danach wieder viele Jahre in Griechenland - jetzt hat sie das Land verlassen.

"Ja, ist ganz schwierig jetzt die Situation in Griechenland. Also ich habe drei Kinder. Mein Mann ist Lehrer. Der hat einen Lohn gekriegt, ja so um die 1300. Jetzt ist natürlich der Lohn gekürzt. Ich war arbeitslos, keine Arbeit natürlich gefunden. Und wenn du eine Arbeit findest ist ganz niedrig der Lohn. Also das schaffst du nicht."

Aglaia Giannakakou

Der Weg zurück nach Bayern – für die junge Frau eine schwierige Entscheidung. Denn ihr Mann und ihre drei Kinder sind in Griechenland geblieben.

"Es fällt schwer, klar, natürlich. Einer Mutter fehlen ihre Kinder. Aber ich versuche nicht, oft so zu denken. Ich versuche oft zu denken, das mache ich für meine Familie. Deswegen bin ich so weit weg."

Aglaia Giannakakou

Doch der weite Weg lohnt sich für sie. Hier im Restaurant verdient sie doppelt so viel wie in Griechenland. Ihren Lohn schickt sie ihrer Familie. Denn das Leben in Griechenland wird unbezahlbar. Während die Preise steigen, sinken Löhne und Renten.

Das berichtet auch die Griechin Thalia Eliotsou in München. Die Kosmetikerin ist in Bayern geboren und aufgewachsen, sorgt sich aber um ihre arbeitslose Schwester in Athen.

"Sie kommt kaum über die Runden, weil alles viel zu teurer geworden ist. Sie lebt vielleicht mit 300 Euro. Ihre Miete ist schon 400 Euro. Und dadurch müssen natürlich meine Eltern sie hier unterstützen, weil sie nichts bekommt."

Thalia Eliotsou

Wie ihrer Schwester geht es immer mehr Griechen, beobachtet Thalia Eliotsou.

"Es tut halt weh. Es tut weh, was aus diesem Land geworden ist. Und ich kann ja hier die Situation besser einschätzen, indem ich von fern bin und sehe, eigentlich dass wir dem Abgrund nah sind."

Thalia Eliotsou

Griechenland ist ihr fremd geworden. Aber nicht nur Griechenland. In ihrer Wahlheimat München fühlt sie sich zunehmend unwohl.

"Ich schäme mich draußen momentan zu sagen, dass ich eine Griechin bin und sobald Du sagst, Du bist Griechin, hörst du nur dieses Thema. ‚Na toll, was ist mit euch da unten los, und was macht ihr für Sachen, ihr seid alle korrupt, ihr beklaut jeden'. Und es ist nur negativ, egal wo due hinkommst. Einkaufshäuser: Wenn du an der Kasse bist und sie sieht die Karte, wenn du zahlst: ah Griechin‘"

Thalia Eliotsou

Dumme Witze, Pöbeleien bis hin zu bösen Beleidigungen – und das selbst in ihrem eignen Laden. 

"Ich habe eine Fußpflege gemacht und du bist schon in der Situation, dass du dem anderen was anbietest und ich bin viel tiefer als der andere und du lässt dich angreifen, ‚Was ich nicht verstehe, wieso sollen wir fleißigen Deutschen für euch faule Griechen arbeiten‘."

Thalia Eliotsou

Kein Tag ohne verbale Angriffe. Das kennt auch Christos Marazidis. Der Grieche ist Informatiker bei der Münchner Feuerwehr, engagiert sich in der griechischen Gemeinde und steht mit vielen bayerischen Griechen in engem Kontakt.

"Im September ist das jetzt passiert, eine Bekannte ist aus Griechenland gekommen. Sie ist Absolventin. Ich glaube, Maschinenbau war das. Und wollte hier ihren Doktortitel machen. Sie hat nach einer Wohnung gesucht, hat schon bei drei – war sie angetreten. Und die haben ihr die Wohnung nicht gegeben, allein weil sie aus Griechenland kommt. Und die Aussage war immer: ‚Ihr seid ja pleite, wir wissen nicht, ob wir unsere Miete bekommen‘. Das war für mich eigentlich ein Schock. Das habe ich nicht erwartet."

Christos Marazidis

Es sind Schlagzeilen wir diese, die das Klima vergiften, ist sich Christos Marazidis sicher.

"Im Endeffekt hat man jetzt jahrelang diese Brücken gebaut zur deutschen Gesellschaft und jetzt werden die kurzfristig nur mit den Berichterstattungen, die eigentlich mit den Griechen hier in Deutschland überhaupt nichts zu tun hat, werden genau diese Brücken jetzt zunichte gemacht."

Christos Marazidis

Marazidis ist eigentlich ein stolzer Grieche. Doch dem alleinerziehenden Vater fällt es derzeit schwer, seinen Kindern ein schönes Bild von Griechenland zu vermitteln.

"Die Kinder sind traurig und auch sehr betroffen. Was passiert unten mit den Großeltern, mit der Tante? Können wir noch hin? Also da ist schon eine Welt zusammengebrochen."

Christos Marazidis

Lange haben sich Griechen und Bayern hervorragend verstanden. Das betont der Unterföhringer Wirt Emanuel Kugiumutzis. Den gebürtigen Griechen wundert es deshalb nicht, dass viele Griechen jetzt in Bayern auf eine bessere Zukunft hoffen.

"Viele Leute suchen einen Ausweg aus der Situation von Griechenland. Und solche Arbeitskräfte fragen uns täglich mehrmals nach Arbeiten wie Putzen, wie Abspülen und solche Sachen."

Emanuel Kugiumutzis

Aber auch hier im Restaurant sorgt man sich um die Stimmung in Deutschland - gerade jetzt, wo viele neue Griechen kommen.

"Ich bin im Verband der Pontos Griechen in Europa. Und im Vorstand ist auch ein Herr, der in Düsseldorf lebt, seit ewig. Und der hat mir erzählt, da geht es bei denen so weit, dass viele Griechen sich krankschreiben lassen, weil die dieses schief angucken und diese abwertenden Bemerkungen nicht mehr ertragen können."

Anastasia Dick

In der Oberpfalz merkt die neu angekommene Griechin Aglaia Giannakakou davon noch nichts. Sie hofft, weiter gut aufgenommen zu werden und plant inzwischen sogar ihre ganze Familie nach Bayern zu holen.