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Ärger mit den Zahnärzten Was Patienten tun können

Zahnarztbesuche dürften in etwa die Beliebtheit von Prüfungsterminen haben, nur mit dem Unterschied, dass zu den meist horrenden Kosten oft noch der physische Schmerz dazu kommt. Besonders ärgerlich, wenn der Erfolg am Ende ausgeblieben ist und der Patient doppelt zahlen muss.

Autor: Antonia Böhm Stand: 19.12.2011
Zahnarzt, Schwester und Patient | Bild: picture-alliance/dpa

Als Eleonore M., die ihren Namen nicht preisgeben will, vor zwei Jahren zum ersten Mal zum Zahnarzt ging, weil sie eine Prothese bekommen sollte, war sie noch ganz zuversichtlich. Doch die Prothese saß nie richtig, sie wackelte, schaukelte sogar, sprechen konnte die 81-jährige auch nicht richtig. Es begann eine Odysee von Zahnarztuntersuchungen. Es wurde nachgebessert, ein Termin folgte dem nächsten.

"Ich wär ja froh und glücklich gewesen, wenn das gesessen hätte. Ich hatte Schmerzen und ich, es hat auf allen Seiten und essen konnte ich nicht."

Elionore M.

Der Erfolg blieb jedoch aus. In Absprache mit ihrer Krankenkasse lies Elionore M. im März 2011 ein Gutachten erstellen.

Das Ergebnis: Die Oberkieferprothese zeigt Mängel, deren Kosten zur Behebung nahe an die einer Neuanfertigung herankommen. Mit Zustimmung der Kasse wechselte sie den Zahnarzt, der lies eine neue Prothese anfertigen. Doch auf ihren Eigenanteil aus der Behandlung des alten Zahnarztes, bleibt sie sitzen. Ein Schock. Denn sie braucht das Geld für den neuen Zahnarzt. Es geht immerhin um mindestens 750 Euro.

Sie wendet sich an den Gesundheitsladen München, eine Patientenberatungsstelle. Fälle wie der von Elionore M sind hier kein Einzelfall.

"Das ist ein generelles Problem, wenn solche Gutachten erstellt werden und ne Kasse dann einen Behandlerwechsel ermöglicht, dann bleiben oft die Patienten auf den kosten sitzen, nämlich auf den doppelten Kosten. Für den Erstbehandler und dann für den, der des Ganze noch mal macht."

Peter Friemelt, Gesundheitsladen München

Immer häufiger kommen Patienten , sie werden schlecht beraten, falsch befundet oder nicht richtig über die Kosten aufgeklärt. Gerade die mit geringem Einkommen trifft es besonders:

"Wir haben hier Angebote schon gesehen von Leuten, die zum Beispiel nur Sozialhilfeempfänger sind, wo eine umfangreiche Sanierung gemacht wird, die fast nur private Kosten erzeugt und wo der Zahnarzt gleichzeitig sofort einen Abstotterungsvertrag dem Patienten vorlegt. Das finden wir vollkommen unangemessen."

Peter Friemelt, Gesundheitsladen München

Als vollkommen unangemessen beurteilte auch das Wissenschaftliche Institut der AOK die Ergebnisse einer allerdings schon älteren Studie in der Heil und Kostenpläne, die Zahnärzte aufgestellt hatten, überprüft wurden. Das Fazit: Die Therapievorschläge vermittelten den Eindruck großer Beliebigkeit, verstießen häufig gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot. Die Preise für die Angebote unterschieden sich bis zu 600 Prozent.

Aber sind unsere Zahnärzte wirklich so schlecht?

Eine Versicherung hat zusammen mit einem großen Magazin den Test gemacht. Insgesamt 23 Probanden besuchten 114 Zahnarztpraxen. Ausgerüstet mit einem Erstbefund eines Gutachters, genauen Instruktionen und einem Röntgenbild. Einer der Probanden: ein Student aus München. Sein Erstbefund: Ein kariöser Zahn, starker Zahnabrieb an allen Zähnen und leichter Zahnfleischrückgang durch Überbelastung.

Unser Proband will anonym bleiben. Innerhalb einer Woche macht er Zahnarzttermine bei fünf verschiedenen zufällig ausgewählten Ärzten in seiner Nähe aus. Nach dem Arztbesuch notiert er auf einem Protokollbogen, welchen Eindruck der Zahnarzt machte, welcher Befund erhoben, welche Therapie vorgeschlagen wurde.

Seine Erfahrungen sind erschreckend.

"Entweder wurde ich überversorgt, das heißt , es wurden mehr kariöse Stellen gefunden als es gibt und innerhalb einer Woche hatte ich eben mehrere Zahnarzttermine und da wurde eben drei Mal der Zahnstein hintereinander entfernt, obwohl man nach dem ersten Mal normalerweise schon merken sollte, dass da eben kein Zahnstein mehr vorhanden ist."

Proband

"Wir haben festgestellt, es wurde teilweise die offene Karies nicht gesehen, auch nicht im Röntgenbild gesehen, das auch im Vorhinein zur Verfügung stand. Es wurden teilweise in den Praxen, in 30 Prozent war es so, auch die Zahnfleischproblematik, die da war, nicht gesehen. Wir haben auch das Gegenteil gesehen natürlich. Dass, obwohl keine Befunde da waren, welche erfunden wurden."

Eberhard Riedel, Zahnarzt und Gutachter der Studie

Insgesamt waren über ein Drittel der Befunde grob fehlerhaft. nur etwa ebenso viele Zahnärzte machten einen guten oder sehr guten Erstbefund. Der Rest war Mittelmaß.

Die Landeszahnärztekammer weist die Vorwürfe zurück, kritisiert stattdessen die Methode der Untersuchung. Sie sei nicht repräsentativ, die Gruppe zu klein. Trotzdem: Wie kommt es zu solch enormen Leistungs-Unterschieden?

"Ich glaub dass es in jeder Berufsgruppe sehr gute gibt und weniger gute und es gibt wahrscheinlich auch in jeder Berufsgruppe schlechte, das heißt, ein Patient muss ein Vertrauensverhältnis zu seinem Zahnarzt entwickeln."

Christian Berger, Landeszahnärztekammer Bayern

Für die Patienten ist das kein Trost. Experten raten:

Der erste Eindruck verrät viel. Wie ist der Umgang mit dem Patienten. Kümmert der Doktor sich persönlich um ihn? Erklärt er alle Schritte?

Dann, der Befund: Der Zustand des Gebisses sollte ausführlich untersucht, das Zahnfleisch nach eventuellen Taschen inspiziert werden. Für die Untersuchung der Mundhöhle sollte der Zahnarzt sich mindestens fünf Minuten Zeit nehmen. Alles muss sorgfältig dokumentiert werden.

Die Beratung. Dabei sollte sich der Zahnarzt Zeit nehmen, alle Fragen geduldig beantworten. Das Ziel der Behandlung genau besprechen, Alternativen aufzeigen, statt nur seine Lieblingstherapie zu erklären. Bei Zweifeln: Zweitmeinung einholen:

Gute Alternativen sind Universitätskliniken. Wer in der Nähe einer Uni-Zahnklinik wohnt, kann sich auch dort ambulant von den Studenten behandeln lassen. Das kostet zwar Zeit, doch es ist kostengünstiger, weil kein finanzieller Druck da ist. Und Alles wird genau von Assistenz und Oberärzten kontrolliert.

Ist die Behandlung schief gegangen, kann man sich an die Kasse wenden. Ein Gutachter bewertet dann die Arbeit des Zahnarztes. Stellt dieser Mängel fest, sollte man das Ergebnis dem Zahnarzt vorlegen und eine gütliche Einigung anstreben.